13.12.2009, 11:54
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Spieltag von A-Z

2:3 - „Golazo“ Higuaín ballert Madrid zum Barça-Verfolger

Schon vor dem Spiel war klar. Barcelonas 1:0 Sieg im Derby gegen Espanyol brachte Madrid und Valencia unter Zugzwang. Wer jedoch auf ein von taktischer Sicherheit geprägten Match spekuliert hatte, sah sich getäuscht. Dem Fußballfan ging das Herz auf, ein 2:3 Sieg der Madrilenen wie er eindrucksvoller nicht hätte sein können. Trotz zweimaligem Ausgleich, fand die Pellegrini Elf eine Antwort und das ohne die beiden Superstars Ronaldo und Kaka. Nur einer war nicht in Gala-Form: Casillas.

Personal & Taktik

Wer ersetzt Kaká und Ronaldo?
Real Madrid sah diesem Spiel ohne 5 gestandene Spieler entgegen, dennoch hat das Team genug Potenzial und Alternativen. So entschied sich Pellegrini für ein 4-2-3-1 System. Im Tor wie gewohnt Iker Casillas, vor ihm, die nun schon gewohnte Verteidigung um Ramos, Albiol, Pepe und Arbeloa. Ebenso eingespielt wie wichtig, die Doppelsechs bestehend aus Lass und Alonso. Die Offensive bildeten Higuaín, von rechts kommend, Marcelo von links, Van der Vaart hinter der einzigen Spitze, Benzema. Das dieses System nicht nur auf dem Papier gut aussieht, sondern auch effektiv ist, konnte man in den letzten erfolgreichen Spielen begutachten.

Spielverlauf

Valencia mit gutem Start, Madrid bleibt stabil
Valencia, Mestalla – 50 Tausend Fans, volle Hütte, für eines der emotionalsten Spiele der Liga. Das ausgerechnet hier Spitzenmannschaften in Serie verlieren, scheint bei dieser Kulisse nicht verwunderlich. Und genauso engagiert wie die Fans zu Werke gingen, taten es auch die Spieler in Weiß, um ihren Stürmerstar David Villa. Die erste Viertelstunde gehörte den Hausherren, die versuchten über ihre schnellen Außenspieler Pablo Hernández und Mata, den Nationalstürmer zu bedienen. Jedoch, bis auf zwei Fernschüsse, sprang nichts nennenswertes dabei raus. Pellegrini, der in seiner Trainerstation bei Villareal in den letzten Jahren stets eine gute Figur im Mestalla abgab, wusste auch diesmal seine Mannschaft einzustellen. Über die gesamten 90 Minuten, stand Madrid geordnet, taktisch gut aufgestellt und ließen kaum Chancen zu. Auf der anderen Seite ging es schnell nach vorne, Benzema zeigte sich als Aktivposten und auch der Niederländer Van der Vaart wusste den Kampf anzunehmen. Überhaupt, man merkte, was auf dem Spiel stand, die Partie war nicht unfair, aber hart geführt.

Madrid mit mehr Chancen, verliert Pepe
Madrid kam nach dem Anfangsschwung besser ins Spiel, das System griff langsam. Marcelo und Arbeloa bekamen Pablo immer mehr in den Griff, auf der rechten Seite half Lass Sergio Ramos gegen Mata. Auch die Zentrale mit dem technisch beschlagenen Banega, wurde von Alonso weitestgehend aus dem Spiel genommen. Die Kombinationen der Hausherren reichten bis kurz hinter der Mittelinie, dann griff Madrid im Verbund an. Valencia hatte keine Antwort auf das bissige Zweikampfverhalten. In der ersten Halbzeit hatte Madrid die besseren Chancen. Benzema schoss jedoch nach schönem Dribbling und Traumpass von Van der Vaart nur ans Außennetz, während Higuaín die dickste Möglichkeit vergab. Pass in den Strafraum, Finte und Abschluss, jedoch wollte der Schlenzer nicht Ex-Madridista César überwinden, sondern suchte sich den Weg auf die Ränge. Die letzten zwei Möglichkeiten in den ersten 45 Minuten gehörten auch Madrid. Ein schönes Zusammenspiel von Higuaín und Benzema, konnte Cesar entschärfen, bevor er nach einer Ecke von Van der Vaart und Kopfball von Ramos den Pfosten zur Hilfe brauchte. Auch der überraschte Higuaín konnte den Nachschuss nicht verwerten. Klares Chancenplus für die in dunkelblau gekleideten Gäste. Kurz vor Ende, dann der Schock für Madrid. Pepe kam im Luftkampf unglücklich auf, ein Aufschrei, der Portugiese wälzte sich am Boden und hielt sich sein Knie. Auf der Trage verließ er das Spielfeld, für ihn kam Garay. Am Spielfeldrand herrschte Besorgnis, die Bänder im Knie könnten in Mittleidenschaft gezogen worden sein. Keine Minuten später, pfiff Schiedsrichter Teixeira Vitienes den ersten Durchgang ab, Madrid zum Schluss mit Übergewicht.

Irres Spiel, Casillas mit Lapsus
Die zweite Hälfte sollte es dann in sich haben. Madrid diesmal von Beginn an Herr der Lage. Zwar ließ man Valencia in ihrer Hälfte spielen, doch das sonst so starke Kombinationsspiel und die schnell dargebotenen Angriffe der Valencianos, wurden durch eine gute Ordnung unterbunden. Dann das erste Highlight. Higuaín setzt sich im Mittelfeld durch, passt auf die linke Seite, wo Benzema seinen Gegenspieler Bruno alt aussehen lässt. Mustergültige Flanke in den Rückraum und „Pipita“ nickte ein. 0:1 für Madrid und alles andere als unverdient. Die Freude währte jedoch nur 5 Minuten. Valencia im Angriff, Flanke von links, Iker Casillas mit dem Hechtsprung ins Leere und David Villa ließ sich nicht zweimal bitten und köpfte ins leere Tore. Was für ein Bock des Welttorhüters. Der Ausgleich war geschafft, das Publikum im Mestalla war sofort wieder da.  Madrid spielte jedoch unerschrocken weiter und hätte postwendend das 1:2 erzielen können. Ein schöner Pass von Van der Vaart in den freien Raum erlief Benzema, dessen Querpass auf seinen freistehenden Sturmkollegen Higuaín war jedoch zu ungenau. Das Ergebnis hatte dennoch nur 5 Minuten Bestand. Dann kam der große Auftritt von Marcelo. Einmal quer über den Platz, von links nach rechts, rannte der Brasilianer und ließ sich von keinem stoppen, dann der kurze Passe in den Lauf von Higuaín, der nicht lange fackelte und mit Schmackes an Cesar vorbei in die Maschen schoss. Das Publikum wurde unruhig, die Gäste feierten. Madrid hatte das Spiel weiterhin unter Kontrolle. In der Folge versuchte man über den aktiven Benzema und Higuaín weitere Konter zu fahren, doch meist wurden diese nicht zu Ende gespielt. Unai Emery, Coach von Valencia, musste nun mehr riskieren und das Spiel seines Teams zu beleben. Für die Schlussviertelstunde wechselte er. Joaquín kam als weiterer Offensivmann ins Spiel und sollte auch direkt seinen Auftritt haben. Ein guter Angriff über links, dann die Flanke auf die rechte Seite, wo ein sonst solider Arbeloa nicht auf dem Posten war, Joaquin fiel der Ball vor die Füße. Abschluss, Tor! Wiederum großes Entsetzen in der Hintermannschaft von Madrid. Fragende Gesichter „Was macht Iker?“. Der Schuss ging direkt auf den Keeper, der ihn jedoch unmotiviert ins eigene Netz buxierte. Es war wahrlich nicht der Sahnetag des 28-jährigen. Gespielt waren da 80 Minuten.

Starkes Madrid mit „Köpfchen"
Doch was man hinten verbockte, musste man eben vorne wieder wett machen. Es war unglaublich, aber selbst auf diesen Nackenschlag hatten die „Blancos“ eine Antwort. Drei Minuten später. Foul vom zurückgeeilten Villa an Sergio Ramos. Freistoß von halbrechter Position. Xabi Alonso mit einem präzisen und harten Ball in die Mitte und der eingewechselte Garay, setzte sich umschlungen vom Gegenspieler durch und köpft zum 2:3 ein. Keine Chance für César, der Ball war genau gegen die Laufrichtung des Keepers. Noch war Zeit für Valencia den Ausgleich zu erzielen, nur was nützt die Zeit, wenn man keine Mittel findet. Madrid taktisch und auch in einigen Aktionen spielerisch überlegen, schaukelten das Spiel souverän dem Abpfiff entgegen.

Unter dem Strich

Schon die letzten guten Ergebnisse, setzten sich im Mestalla fort. Eine von Pellegrini taktisch perfekt eingestellte Mannschaft, bot bis auf wenige Ausnahmen, der hochgelobten Offensive der Gastgeber keine Möglichkeiten. Darüber hinaus konnte man selber einige Hochkaräter kreieren und drei Treffer erzielen - auch ohne Ronaldo und Kaká! Iker Casillas, durfte sich nach seinen zwei Fehlern bei seiner Offensive bedanken, dass der Abstand zum Erzrivalen aus Barcelona nicht vergrößert wurde. Pechvogel des Spiels war Pepe, der mit Verdacht auf eine Knieverletzung ausgewechselt werden musste. Sollte sich dies bestätigen, drohen dem Innenverteidiger bis zu 6 Monaten Pause, die Saison wäre für ihn gelaufen, ein herber Schlag für ein aufstrebendes Madrid.

geschrieben von Tobias A. Hellmann

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