Zum Abschluss der Vorbereitung 2010/11 ging es im letzten Testspiel als Premiere auf heimischen Rasen zu Werke. Vor ausverkauftem Haus bekam das Publikum erstmals die Neuzugänge im weißen Trikot zu Gesicht unter der Leitung vom neuen Startrainer, José Mourinho. Ein erfolgreicher Auftritt, so konnte man die Trofeo Bernabéu mit 2:0 gewonnen, wenn auch noch Sand im Getriebe zu erkennen war...
Nächstes Spiel – nächstes Aufgebot! Wie auch in den vorherigen Vorbereitungsspielen lässt „The Special One“ eine Elf auflaufen, die in dieser Konstellation nie zusammen spielte. Im Gegensatz zum vorgestrigen Match gegen Hércules Alicante hütete Stammkeeper Iker Casillas mit der Kapitänsbinde das Tor. Die Abwehrreihe stellte sich mehr oder weniger von selbst auf – Sergio Ramos und Neuzugang Ricardo Carvalho begannen in der Zentrale, auf den Außen durften wieder Marcelo und Lass ran. Die Doppel-Sechs bildete der Motor der Madrilenen, Xabi Alonso, und an dessen Seite der deutsche Nationalspieler Sami Khedira. Cristiano Ronaldo war ebenfalls wieder mit von der Partie und wirbelte auf dem rechten Flügel, während der andere Deutsche im Team der „Blancos“, Mesut Özil, seinen Gegenpart auf Links darstellte. Hinter dem Sturm in der Rolle des Spielmachers ging Youngstar Canales zu Werke, vor ihm bot Mourinho mit Goalgetter Higuaín die einzige Spitze auf, der trotz der überragenden Leistung von Karim Benzema im letzten Spiel den Vorzug erhielt.
Bevor es aber ans Eingemachte ging, nutzte man die Minuten vor Spielbeginn für eine Begrüßung der Neulinge. Sergio Canales, Ángel di María, Pedro León, Sami Khedira, Ricardo Carvalho und Mesut Özil – so lauten die Namen der insgesamt sieben Neuzugänge für die kommende Spielzeit. Und genau in dieser Reihenfolge trabten die neuen Gesichter nach und nach über den Platz des Santiago Bernabéus, um von den Rängen bei stehender Ovation in Empfang genommen zu werden.
Schon von Beginn war zu spüren, welches Team das Heft in die Hand nehmen würde. Die erste Ankündigung, wer Herr im Hause ist, gab es schon nach drei Minuten. Gegen das in schwarz-gelb spielende Peñarol erspielten sich die Gastgeber ihre erste Chance, als Xabi Alonso einen Flachschuss an den rechten Pfosten setzte. Keine vier Minuten folgte die nächste Möglichkeit, als Marcelo mit einer Flanke in die Mitte Higuaín bediente und dieser einnetzte – allerdings entschied das Schiedsrichtergespann auf Abseits. Wenig später versuchte es der Argentinier auf eigene Faust: Erst lies er drei Manndecker hinter sich, scheiterte aber letztlich vor dem Kasten am vierten Gegenspieler. Besonders auffallend in der ersten Viertelstunde agierten die Außenverteidiger Lass und Marcelo, die jeweils auf ihrer Seite durch schnelles Tempodribbling für viel Wirbel sorgen konnten. Vor allem Lass sorgte für einen echten Hingucker, als er nach 24 gespielten Minuten mit einem ansehnlichen Sololauf an der Torlinie im gegnerischen Strafraum an den Gegenspielern vorbeiflitzte und Higuaín mustergültig hätte bedienen können – aber der Referee will den Ball bereits hinter der Linie gesehen haben und entschied auf Abstoß.
Im weiteren Verlauf der ersten Hälfte schalteten die „Blancos“ zwar einen Gang zurück, dennoch präsentierten sie sich weiter ordentlich. Auch der uruguayische Rekordmeister kam immer mehr in Fahrt, wenngleich sie sich meistens nur über Standardsituationen an den Kasten von Casillas nähern konnten. Ebenfalls durch Standards fielen nach etwa einer halben Stunde die beiden DFB-Kicker auf, als Khedira, nach Freistoß von Özil, frei zum Kopfball kam, der letztlich nur über das Tor flog.
Für den sonstige Dreh- und Angelpunkt im Spiel der „Königlichen“, Cristiano Ronaldo, verlief der Tag weniger berauschend. Das Engagement konnte man ihm wahrlich nicht absprechen, dennoch zog der Portugiese meinst in Zweikampfduellen den Kürzeren und war nicht immer die erste Anspielstation, wie man es gewohnt war. Wer Ronaldo kennt, der weiß, dass bei ihm der große Ehrgeiz häufig überschwappt wenn es mal nicht läuft und er sein Temperament anschließend nicht immer im Griff hat. Aus Sicht der Gastgeber kam er so zum Glück mit einem blauen Auge davon, als er in der 39. Minuten – mit einer ordentlichen Ladung Frust – bei einer harmlosen Aktion einem Gästeakteur von hinten reinrutschte, auch wenn er zuerst den Ball gespielt hatte. Der Schiedsrichter beließ es bei einer Ermahnung und packte nicht in seine Tasche. Nur fünf Minuten später, kurz vor Abpfiff, kam „CR7“ erneut ohne Strafe davon, als er bei einer Ecke seinem Gegenüber klarstellen wollte, dass dieser die Finger von ihm lassen solle: Sein Manndecker fuhr ihm über den Kopf, ohne Böses zu wollen – Ronaldo hingegen blockte vehement ab und schickte diesem einige Wörter mit grimmiger Miene hinterher. Unmittelbar danach ging es in die Kabinen – Zeit genug, um zu verschnaufen und seine Emotionen zu sortieren.
Zur zweiten Hälfte rotierte Mourinho wie in allen vorherigen auch im letzten Testspiel noch mal ordentlich durch, hielt aber weiterhin an seiner 4-2-3-1 Formation fest. Für einen sehr lauf- und kampffreudigen Lass kam Álvaro Arbeloa ins Spiel, Gonzalo Higuaín räumte den Platz für Karim Benzema und auch für die beiden Deutschen war der Dienst beendet. Özil und Khedira gingen raus, für sie kamen jeweils Pedro León und Fernando Gago.
Die spielbestimmende Mannschaft waren nach Anpfiff die Madrilenen, die kombinationssicher an die erste Halbzeit anknüpfen konnte und bereits nach zwei Minuten wieder eine Torchance erspielte. Nach einem Pass von Xabi auf Benzema, der den Ball allerdings nicht richtig annehmen konnte, ergab sich die Möglichkeit für Ronaldo, dessen Schuss vom Schlussmann der Südamerikaner pariert werden konnte. Auch die Ecke zwei Minuten später fand den Weg zum Weltfussballer von 2008, dessen Schuss aber ebenfalls nicht den Weg am Keeper vorbei fand.
Kurze Zeit später dann der Schock:
Gago musste verletzungsbedingt raus – der Nächste auf der Verletzungsliste! Für ihn kam Landsmann Ángel di María in die Partie – und drehte mächtig auf! Der Neuzugang aus Lisabon sorgte für Hochbetrieb auf der linken Außenbahn, präsentierte sich teamorientiert beim Kombinationsspiel mit den Kollegen. Auch sein Gegenpart auf Rechts, Pedro León, sorgte für Belebung auf dem rechten Flügel. Durch den Ausfall von Gago musste Canales kurzzeitig auf der Position des „Sechsers“ aushelfen an Seite von Xabi, wurde aber wenig später von Allrounder Esteban Granero ersetzt. Schließlich konnte sich di María mit seiner Leistung in der 68. Minute belohnen: Erneut drang der wendige Argentinier in den Strafraum ein, dribbelte seinen Gegenspieler schwindelig und platzierte den Ball gekonnt am Torhüter vorbei – 1:0!
Die restlichen zwanzig Minuten drehte Peñarol abermals auf, kamen aber nicht an der gut gestaffelten Abwehrreihe der „Blancos“ vorbei, in der seit der 77. Minute Nachwuchsspieler Mateos anstelle vom ausgewechselten Ricardo Carvalho Profiluft schnuppern durfte. Auch der kurz zuvor eingewechselte Juanfran bekam die restliche Viertelstunde Zeit um zu zeigen, was er drauf hat. „Last but not least“ kam auch Rafael van der Vaart fünf Minuten vor Spielende zum Zug und setzte den Schlusspunkt: Im Sechzehner wurde der Holländer zu Fall gebracht und durfte anschließend selbst schießen – 2:0!
Im Anschluss der Partie meldete sich Mourinho, trotz Überzahl auf der Spielmacherposition, vor laufenden Kameras
zur Situation von van der Vaart, ob dessen kurze Einsatzzeit von Bedeutung sei. Eindeutiger hingegen scheinen die Akten Diarra und Drenthe zu sein: Beide wurden weder eingewechselt, noch im Nachhinein erwähnt. Vor allem bei zweiterem will man in den letzten Tagen der Transferfrist alles dafür in Kraft setzen, um ihn so schnell wie möglich aus der Gehaltsliste streichen zu können. Den Abgang von Diarra hingegen versucht man anscheinend etwas offensiv über die Bühne zu bringen:
Über dessen Situation äußerte sich im Vorfeld Valdano und bestätigt dabei Gespräche mit dem Abräumer aus Mali.
Auch wenn man dies in Madrid nicht an die große Glocke hängen wird: Die Ausbeute von insgesamt drei „Mini-Titeln“ in der abgelaufenen Vorbereitung kann sich sehen lassen. Dennoch ist noch lange nicht alles Gold was glänzt: Zwar wird der portugiesische Coach künftig auf einen in der Breite sehr gut aufgestelltes Aufgebot zurückgreifen können, aber trotz seines zwischenzeitlichen Lobs an sein Team und dessen Arbeit, benötigt es noch viel Arbeit zur Vollendung, im taktischen sowie spielerischen Bereich, ehe man die Ernte in der anstehenden Spielzeit einfahren kann…
Anzeige
Noch nicht registriert?
Jetzt registrieren!Vier Clásicos in 18 Tagen, der pure Wahnsinn! Bis zum 5. Mai wird Realmadrid.de euch auf dem...
Man muss schon ein überzeugter Optimist sein, um zu glauben, an einem Sonntagmorgen um 8:30 Uhr...
Die seit Wochen andauernde Achterbahnfahrt im „Caso Neymar“ konnte neue Beweise offenbaren –...
Er ist zweifelsohne der Mann der Stunde in Madrid. Cristiano Ronaldo war im letzten Jahr der...
Genau heute vor einem Jahr, am 17.8.2010, wurden sich Werder Bremen und Real Madrid endlich einig –...
Leserkommentare