Vor zwei Wochen schien die Frage um den spanischen Ligatitel endgültig geklärt, Barcelona gewinnt auch das zweite direkte Aufeinandertreffen der beiden Titelaspiranten. Drei Punkte Polster auf die „Königlichen“ aus Madrid und Sieger im direkten Vergleich. Doch die „Blancos“ haben nicht aufgesteckt und haben ihre Chance gerochen, nachdem Barça gegen Stadtrivalen Espanyol nur 0-0 unentschieden spielte. Mit dem Sieg gegen Valencia konnte Madrid nun wieder bis auf einen Punkt an die Katalanen heranrücken und kann beim nächsten Patzer Barcelonas wieder an die Tabellenspitze klettern. Ein „Finale furioso“, wovon man im Fußball gerne spricht, steht also bevor. Heute Abend der nächste Akt im Drama um die Meisterschaft: Barcelona muss gegen Schlusslicht Jerez um 18 Uhr vorlegen, Real Madrid um 20 Uhr in Saragossa nachlegen.
Womit keiner gerechnet hätte, wurde nun doch Wirklichkeit: Ricardo Izecson dos Santos Leite, kurz Kaká, wird dieses Wochenende überraschenderweise wohl sein Comeback geben! Der Brasilianer war, aufgrund einer sehr umstrittenen Adduktorenverletzung, mittlerweile knapp eineinhalb Monate außer Gefecht gesetzt. Die einen sagen, er schont sich für die WM, die anderen er leide an einer chronischen Verletzung, die Milan beim Transfer verschwiegen habe. Was wahr ist, weiß wohl niemand so richtig, glasklar ist jedoch, dass die ganze Fußballwelt sich auf die Rückkehr des brasilianischen Superstars freut.
Ein weiterer freudiger Rückkehrer ist Raúl González Blanco! Der Real-Kapitän konnte sich ebenfalls früher als erwartet von seiner Knieverletzung zurückmelden und das gerade rechtzeitig für das Saragossa-Spiel. Für ihn ist es ein ganz besonderes Auswärtsspiel, denn vor nicht ganz 16 Jahren debütierte er im „La Romareda“ für Real Madrid im zarten Alter von 17 Jahren. Der Beginn einer großen Karriere – die bald ein jähes Ende in Madrid haben wird? Gerüchten zufolge scheint sein Abgang diesen Sommer beschlossene Sache zu sein, doch er selbst bestritt dies prompt. Saragossa als Alpha und Omega der Karriere einer der größten Real-Legenden? Unvorstellbar!
Doch noch ist ja nicht einmal sicher, ob er denn überhaupt ins Spielgeschehen eingreifen darf, denn Higuaín und Ronaldo sind in der Startelf gesetzt und mit Benzema lauert ein weiterer Hochkaräter auf der Bank auf seinen Einsatz. Der Sturm ist klar, das Mittelfeld hingegen keineswegs. Mehr Möglichkeiten denn je, doch höchstwahrscheinlich werden die gleichen vier wie gegen Valencia auflaufen, sprich Alonso, Gago, Guti und van der Vaart. Dahinter muss die Viererkette ein weiteres Mal umgestellt werden, da Raul Albiol unnötigerweise in der Nachspielzeit gegen Valencia seine fünfte gelbe Karte gesehen hatte somit gesperrt ist. Für ihn wird der Argentinier Garay in die Startelf rücken, begleitet von Sergio Ramos in der Innenverteidigung. Marcelo und Arbeloa werden auf links beziehungsweise rechts die Viererkette komplettieren, die das Tor von Iker Casillas so gut es geht absichern soll.
Egal wie die Aufstellung aussehen wird, José Aurelio Gay wird seine Mannschaft aufs Höchste motiviert haben, denn er weiß, um was es beim Hauptstadtklub geht: „Sie spielen in der Liga um alles oder nichts, um Leben oder Tod; an jedem Spieltag!“ Zudem ist er sich bewusst, was für ein Kaliber heute Abend nach „La Romareda“ kommt. Anerkennende und schmeichelnde Worte des Kontrahenten: „Real Madrid ist eine Mannschaft, die dir Kopfschmerzen bereitet: Cristiano Ronaldo, Higuaín, die Pässe von Alonso, van der Vaart und wenn Guti erst spielt…sie haben erstklassige Spieler.“ Doch keine Mannschaft ist perfekt und so hat auch Real Madrid seine Schwächen, die Gay ausfindig machen konnte. „Ich habe weniger Angst vor dem Flügelspiel Madrids, denn sie kommen kaum über die Außen, das Zentrum macht mir mehr Sorgen“, stellt der Trainer der Aragonier fest. Ist da auch die Chance offensiv Akzente zu setzen? „Um gegen Madrid zu gewinnen müssen wir die kompletteste, die beste Partie der gesamten Spielzeit abliefern. Es wird eine sehr unbequeme Partie für beide Seiten mit hohem Tempo und wenig Räumen. Wir brauchen Glück im Angriff, im Aufbau und sehr viel Glück in der Abwehr. Was die „Königlichen“ an Potenzial im Sturm haben, ist unfassbar enorm“, analysiert der 44-jährige die Möglichkeiten seiner Schützlinge. Auch an der Einstellung der Madrilenen zweifelt Gay nicht und glaubt, dass sie Saragossa keineswegs unterschätzen werden: „Sie werden sehr motiviert sein, nach dem Unentschieden von Barcelona, wachgerüttelt, dass der Titel noch möglich ist. Es zählt für Madrid nur der Sieg. Ein Remis würde bedeuten, dass sie den Titel praktisch verloren haben, wenn Barcelona gegen Jerez gewinnt.“
Auch sein Gegenüber, Manuel Pellegrini, hat sich Gedanken über die anstehende Partie gemacht und hat sich und sein Team auf eine harte Begegnung eingestellt, Saragossa ist nicht umsonst auf Rang sechs der Rückrundentabelle. Auf Platz 16 stehend hat Saragossa nur einmal in den letzten fünf Partien verloren und unter anderem gegen den FC Valencia 3-0 gewonnen! Zudem betont der Chilene erneut, dass man sich nur auf sich konzentriert und sich nicht auf Barcelona fixiert hat. „Ein Spiel gegen Zaragoza ist immer schwer. Nach dem Trainerwechsel, haben sie gute Resultate erzielt und wichtig wird sein, dass wir ein gutes Match abliefern. Wir werden von Beginn an versuchen diese 3 Punkte zu ergattern. Was Barcelona macht ist uns grad egal. Wir haben schon vor dem Clásico gesagt, dass wer auch immer gewinnt, oder verliert, noch nichts erreicht, oder verloren hat. Wir müssen Ergebnisse erzielen und dann sehen was sie machen. Wir wissen was zu tun ist.“ Der Showdown kann beginnen. Erste Hürde: Real Saragossa!
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