Mit einem 3:2 konnten die „Blancos“ ihr erstes Testspiel gegen den mexikanischen Rekordmeister auf ihrer USA-Reise für sich entscheiden. Vor 47.338 Zuschauern im Candlestick Park von San Francisco gelang Mourinhos Schützlingen der erste Sieg in einer neuen Ära. Gegen Club América, der sich nach zwei Spielen bereits im Liga-Alltag befindet, wurden viele neue Gesichter eingesetzt, während der größte Teil der WM-Teilnehmer nicht von der Partie war.
„Mou“ schickte seine Jungs mit einem 4-5-1 aufs Feld, hinter der einzigen Spitze mit einem Spielmacher und zwei offensiven Flügeln. Im Tor war, wie erwartet, der polnische Ersatzmann Jerzy Dudek aufgeboten, Stammkeeper Iker Casillas wurde ebenso, wie alle seine WM-Kollegen geschont. Die Innenverteidigung bildete der vor der WM genesene Abwehrchef Pepe, an seiner Seite startete Ezequiel Garay. Auf der berühmten „Problemzone“ der Madrilenen, der linken Verteidigerposition, durfte, wie häufig unter Ex-Coach Manuel Pellegrini, Marcelo ran, der zudem Kapitän war. Sein Gegenpart auf der rechten Seite bildete Nachwuchsspieler Juanfran. Im defensiven Mittelfeld funktionierten Gago und Lass, die beide überraschenderweise nicht zum WM-Aufgebot ihrer jeweiligen Heimatländer nominiert worden waren. Auf den Außen agierte erstmals Neuzugang Pedro León rechts, auf der anderen Seite durfte Superstar Cristiano Ronaldo ran, der im Spielverlauf gelegentlich den Weg in die Zentrale suchte , um dort hin und wieder die Rolle des Spielmachers vom anderen „Neuling“ Sergio Canales zu übernehmen, der auf dem Papier hinter den Spitzen aufgestellt war. Einzige Spitze war schließlich der ebenfalls für die WM gestrichene Karim Benzema, der den Vorzug vor Gonzalo Higuain erhielt.
In Sachen Trikotnummern konnte das Starensemble für Überraschungen sorgen – so wurde beispielsweise aus „CR9“ wieder „CR7“! Der 94-Millionen-Euro-Mann schnappte sich kurzerhand wieder seine geliebte Rückennummer 7, die vor allem für die Fans der „Merengues“ einen großen Status hat. Seine „eigentliche“ Nummer 9 bekam Benzema und dieser wiederum gab seine 11 „El Pirata“, Esteban Granero, weiter. Der neue Hoffnungsträger Canales hatte die 16 auf dem Buckel, während Di Maria die 22 übernahm und Pedro León die 21 trug. Allerdings gilt es zu beachten, dass dies keinesfalls die endgültigen Nummern sein müssen, da wohlmöglich noch die ein oder andere „Umbaumaßnahme“ im Kader erfolgen wird. Was aber garantiert bleiben wird ist das Trikot-Set, in dem sich die Akteure gestern erstmals präsentierten.
Vor allem ein Akteur wusste in der ersten Halbzeit als Hauptdarsteller zu überzeugen: Karim Benzema, der für die Experten wie ausgetauscht wirkte. Gemeinsam konnte er mit seinem neuen Kollegen Canales und Pedro León, der ebenfalls überraschend stark und sehr elegant auftrat, sowie Cristiano Ronaldo in vielen Situationen überzeugen, ob im kollektiven Zusammenspiel oder in sehenswerten Einzelaktionen. Beispielsweise in der 34. Minute, als der Franzose mit einem Außenrist-Doppelpass mit Ronaldo über die Außenbahn in den gegnerischen Strafraum eindringen und Canales durch direktes Zuspiel vor dem Tor bedienen konnte, letzterer musste nur noch zum 1:0 Führungstreffer einnetzen. Gerade für den jungen Spanier und Benzema, der es im vergangenen Jahr nicht immer leicht hatte, war dieser feine Spielzug ein wichtiger Moment, um an Selbstvertrauen zu gewinnen.
Unterm Strich konnte man im Verlauf der ersten Halbzeit viel Positives zur Kenntnis nehmen. Die Abwehr um Pepe stand weitestgehend wie eine Mauer, die Doppel-Sechs entpuppte sich als ein starkes Duo und die neuen Spanier bei den Madrilenen wussten ebenfalls mehr als zu überzeugen. Einzig der sonst konstante Cristiano Ronaldo, vergangene Saison häufig Spieler des Spiels, fiel inmitten seiner Teamkollegen nicht so häufig auf. Zur zweiten Halbzeit wurde dann kräftig durchrotiert: Für Dudek, Juanfran, Gago, Marcelo, Pedro León, Benzema und Canales kamen Higuain, Granero, Diarra, Drenthe, Di María, Nacho und Adán in die Partie.
Nach dem Wideranpfiff verlor das Spiel durch die vielen Wechsel logischerweise an Rhythmus und das Spielgeschehen wirkte nicht mehr allzu flüssig. Das nutzen die Hausherren aus Mittelamerika aus und glichen in der 53. Minute zum 1:1 aus, Torschütze war Enrique Esqueda. Rund zehn Minuten später folgte der zweite Streich und die Mexikaner drehten die Partie, Vicente Sanchez netzte zum 1:2 in der 61. Minute ein. Aber es dauerte keine zwei Minuten später, da klingelte es schon wieder im Kasten – allerdings bei der Heimmannschaft. Direkt nach Anstoß wollten die Gäste aus der spanischen Haupstadt Antwort auf den Rückstand geben und taten dies prompt: „CR7“ mit einem Pass in die Spitze auf Higuain, der in gewohnter Manier eines Torjägers am Torhüter vorbeischiebt – 2:2. Mit dem Ausgleich übernahm der spanische Rekordmeister wieder das Ruder und kontrollierte von nun an wieder das Geschehen. Und in der 80. Minute war es dann auch schließlich der Moment des Cristiano Ronaldos: Freistoß halbrechte Seite vor dem Strafraum, rund 18 Meter vor dem Tor. Fünf Schritte nach hinten, bereitstellen wie ein Cowboy, kurz in sich gehen und Schuss – Tor! Der Portugiese sorgte mit seinem Freistoßtreffer, der sich in gewohnter Flugkurve ins Tor senkte, für den Schlusspunkt dieser Partie und letztlich auch für den Siegtreffer.
Unterm Strich hinterließen die Jungs des neuen Star-Coachs José Mourinho eine gute und sichere Figur, vor allem die Neuzugänge Canales und Pedro León präsentierten sich sehr überzeugend und dürften so für viel Vorfreude unter den Fans gesorgt haben. Auch Benzema und Pepe konnten in gewisser Weise für ein „Comeback“ sorgen, nachdem beide Akteure in der letzten Saison aufgrund von verletzungs- als auch formbedingten Gründen nur selten zum Zug kamen. Aus dem Vollen geschöpft hatte Mourinho nicht, so blieben die frischgebackenen Weltmeister Albiol, Arbeloa, Casillas, Ramos und Xabi die gesamten 90. Minuten draußen, ebenso ein anderer „Neuling“ der Madrilenen, Sami Khedira. Zusätzlich durften noch Kaka und Van der Vaart das ganze Spiel vom Seitenrand aus betrachten. Am kommenden Samstag folgt das nächste Testspiel auf der USA-Reise gegen den Club von Ex-„Madridista“ David Beckham, Los Angeles Galaxy.
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