Am Sonntag startet die neue Saison in der spanischen Priméra Division und Real Madrid blieb über die Vorbereitung ungeschlagen. So ganz überzeugen konnte der Rekordmeister seine Fans jedoch noch nicht. Torhüter und Kapitän Iker Casillas kommentierte im Interview die vergangenen Wochen und gab seine Prognose für die kommende Spielzeit ab - natürlich kam auch der große Konkurrent Barça nicht zu kurz...
Beim gestrigen 2:0-Erfolg im Rahmen der Troféo Bernabéu absolvierte die neue Mannschaft um Trainer José Mourinho seinen letzten Härtetest vor dem am Sonntag anstehenden Saisonstart auf der Ferieninsel Mallorca. Neben diesem Sieg konnte man auch alle anderen Gegner in der Vorbereitung schlagen - sogar Bayern München. Einzig gegen Standard Lüttich spielte man nur Remis. Auch wenn man diese Partien als positiv bezeichnen kann, bleibt noch der Eindruck, eines neu zusammengewürfelten Teams, das noch nicht richtig eingespielt ist. Mit Canales, Khedira, Pedro Léon, di Maria, Carvalho und Özil wurden sechs neue Spieler eingekauft - klar, dass das Zusammenspiel noch nicht so harmoniert, wie man es sich in Madrid wünscht. Schaut man zum Erzrivalen Barça, sieht das ganz anders aus. Das Duo Xavi-Iniesta fürchtet man schon jetzt, die Ehrfurcht vor Wunderkind Messi ist riesig - und dazu kommt Toptorjäger David Villa, der die Katalanen für 40 Millionen Euro in der Offensive noch einmal verstärkt. Torhüter Iker Casillas blieb bei seinem Interview vor der Saison aber gelassen: „Noch immer bleiben uns vier Tage bis zum Sonntag, in denen wir uns intensiv auf Mallorca vorbereiten können. Wir hatten bislang kaum die Zeit, richtig miteinander zu spielen. Nach der WM und dem Urlaub ging alles ganz schnell. Bei Barcelona ist das anders, die sind eingespielt und haben ein festes Team. Wir sollten jedoch nicht auf Barcelona schauen, sondern wir müssen unser eigenes Ding machen und unsere eigene Spielweise entwickeln. Die letzten Jahren haben wir uns mehr mit Barça beschäftigt, als mit uns selbst. In dieser Saison ist das anders. Wir schauen intensiv von Spiel zu Spiel. Als Nächstes geht es nach Mallorca, wo wir alles geben werden!“
Gleichzeitig richtete der Kapitän jedoch einen Appell an die eigenen Fans und nahm den Druck von seiner Mannschaft. Besonders nach der Ankunft von José Mourinho setzen viele wieder ihre Hoffnung auf das Triple. Der Maßstab der Anhänger und Presse ist, wie in jedem Jahr, enorm hoch. „Es ist zu früh, um an Barcelona zu denken und großartige Sensationen zu erwarten. Das Team wurde verjüngt. Wir sind eine junge, aber sehr motivierte Truppe. Die Leute sind wie in jedem Jahr voll Hoffnung, aber wir brauchen jede Unterstützung der Fans, um unsere Ziele zu erreichen. Dann bin ich auch mehr als zuversichtlich, dass wir im nächsten Mai noch in allen drei Wettbewerben mitspielen“, so der 28-Jährige. Das Spiel der Madrilenen hat sich unter Mourinho definitiv verändert. Vor allem die Defensive soll und wird viel besser funktionieren müssen, um in der Champions League über das Achtelfinale hinaus zu kommen. Einen Marcelo, der vor Monaten noch wegen seines desolaten Abwehrverhaltens kritisert und ausgepfiffen wurde, hat man in den vergangenen Tagen beispielsweise so sicher wie noch nie gesehen. Doch nicht nur die Spielweise, sondern der gesamte Klub hat sich über den Sommer revolutioniert. Langjährige Ikonen wie Raúl und Guti verließen die Königlichen, Talente statt 'fertige' Superstars wurden eingekauft. „Viel hat sich verändert. Es sind junge, hungrige Spieler hierher gekommen, die noch viel Zeit brauchen. Man darf noch nicht zu viel erwarten. Das ist ein Projekt und wenn die jungen Spieler vollkommen gereift sind, wird diese Mannschaft auch wieder viele Titel gewinnen“, meinte der Weltmeister weiter, der mit diesen Worten auch gleichzeit bewirken wollte, Akteure wie Canales, aber auch Khedira und Özil, von ihrem Druck zu entlasten.
Doch nicht nur seine Kollegen, sondern auch den neuen Trainer, José Mourinho, nahm Casillas in Schutz. Mit dessen Ankunft wandelten sich die Ansichten vieler Fans. War man die letzten Spielzeiten abgeschlagen in Liga und Champions League, nur ein Schatten Barcelonas, kam unter Mourinho plötzlich das Gefühl, von Heute auf Morgen wieder Großes vollbringen zu können. „In diesen wenigen Wochen, in denen der Trainer mit dem Team zusammenarbeitet, ist es klar, dass noch nicht alles rund läuft. Bis wir uns vollständig mit seinen Ideen und Vorstellungen identifiziert haben, wird es noch eine Weile brauchen. Die Mannschaft wächst dennoch, und zwar stetig. Aber man darf auch nicht denken, dass Mourinho sofort Wunder bewirken kann. Auch er braucht Zeit. Wenn man mir letztes Jahr gesagt hätte, dass wir am Ende 96 Punkte holen, dann hätte ich das nie für möglich gehalten. Man muss Schritt für Schritt denken“, erklärte der spanische Schlussmann.
Zum Abschluss des Interviews kommentierte Casillas noch die kuriose Aussage Mourinhos, im Falle eines Falles sogar
Sami Khedira oder Sergio Ramos ins Tor zu stellen. „Mich hat das nicht überrascht. Mourinho rechnet mit allem und muss jedes Szenario in Erwägung ziehen. Warum also nicht? Jede Einzelheit wird durchgeforstet“, meinte die Nummer 1 mit einem breiten Grinsen. Auch gab 'San Iker' seine Meinung zu den Abgängen Raúls und Gutis ab: „Sie fehlen mir, da sie für mich eigentlich nie wegzudenken waren. Das stimmte mich traurig, als sie gingen. Aber das ist menschlich und normal, irgendwann wird mir das gleiche Schicksal widerfahren...“
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