11.12.2011, 02:30
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„Bei allem Respekt, aber das Glück spielte eine große Rolle“

Der Schock sitzt tief: Einen solchen Spielverlauf hätte wohl kaum einer der Beteiligten erwartet. Nach einem furiosen Auftakt samt Blitztor von Benzema verschenkte Real Madrid gegen den ewigen Erzrivalen den prestigevollen Sieg und steht am Ende mit leeren Händen da. Die Lehre das Abends: 15 starke Minuten reichen gegen Barcelona für einen Sieg nicht aus. Dessen ist sich auch José Mourinho bewusst, der nach dem Spiel das Zepter oder besser gesagt das Mikro zur Hand nahm und Stellung bezog. Seine Devise? Diesen Rückschlag so schnell wie möglich vergessen und nach vorne blicken! Zumindest wäre man mit einem Sieg am nächsten Wochenende wieder zuoberst auf dem Treppchen zu finden.

„Bei allem Respekt, aber das Glück spielte eine große Rolle“

War erstaunlich gelassen und ruhig, José Mourinho - Foto: Elisa Estrada, Realmadrid.com

Es kam alles anders: „Es herrscht eine traurige Stimmung“

MADRID. Die Presseschar staunte nicht schlecht, als plötzlich José Mourinho hinter dem Mikrofon saß und sein Statement zur enttäuschenden Partie gab. Kein Wunder: Eine Niederlage ist Chefsache und man muss auch in solchen Situationen seinen Mann stehen können. „Ich bin gekommen, weil wir verloren haben. Ich schicke unter solchen Umständen nicht meinen Assistenten.Vorher war das kein Problem, denn dann musste man noch für nichts Gerade stehen.“ Kein verbaler Ausfall oder aggressiver Ton – „the Special One“ hielt sich erstaunlich gut in Zaum und verbreitete eine ungewohnte Ruhe, gab aber klar zu verstehen, dass man sich den Ausgang dieser Partie anders vorgestellt hatte. „In der Umkleidekabine herrscht eine traurige und ruhige Stimmung. Vor dem Spiel hatten wir gesagt, dass wir emotional sehr ausgeglichen sind und das dies sich auch nicht ändern wird falls wir sechs Punkte Abstand hätten oder eben gar keinen. Wir haben schlicht und einfach ein Spiel verloren. Wenn wir in Sevilla Punkte holen, sind wir wieder Erster“, so das nüchterne Fazit des Portugiesen.

Die Reaktionen:Externer Link„Ausgerechnet gegen Barça mussten wir wieder verlieren“

Auch über den Schiedsrichter wollte und konnte der 48-Jährige keine negativen Worte finden. Nicht einmal die Tatsache, dass ein Lionel Messi eigentlich vom Platz hätte gestellt werden müssen, brachte den sonst teilweise jähzornigen Coach nicht aus der Fassung. „Aus meiner Sicht gesehen, hätte er vom Platz gestellt werden müssen, aber möglicherweise hat der Schiedsrichter es besser gesehen als ich und es war keine rote Karte. Ich möchte niemanden kritisieren, solange ich die Bilder am Fernseher nicht gesehen habe, das wäre sonst ungerecht.“ Doch nicht nur Mourinhos ruhige Art überraschte, sondern auch die Aufstellung die er zum Anpfiff präsentierte. Vom berüchtigten 4-3-3 war nämlich nichts zu sehen. Wie kam’s? „Wir spielten Zuhause und wir wollten gewinnen und offensiv sein. Ich erwartete, dass wenn wir Zuhause spielen, Özil eine sehr gute Leistung abliefern würde.“

Ronaldo ausgebuht – „Normalerweise haut er den rein“

Doch leider kam es nicht dazu – erste Halbzeit hui, zweite Halbzeit pfui! So etwa könnte man den Spielverlauf polemisch zusammenfassen. Fakt ist, dass Real Madrid in der zweiten Hälfte kaum wiederzuerkennen war. Tragischer Hauptdarsteller des Abends war ausgerechnet Cristiano Ronaldo, der einen rabenschwarzen Tag erwischte. Wenn selbst ein José Mourinho seinen Liebling zur Brust nimmt, wenn auch nur subtil, dann kann definitiv etwas nicht stimmen: „Fußball ist ein Spiel und die Details sowie das Glück sind ein Teil davon. Mit dem 1:0 hätten wir den zweiten Treffer erzielen müssen und ein fantastischer Spieler, wie Ronaldo, hätte dies unter normalen Umständen auch geschafft. Mit einem 2:0 wäre das Szenario komplett anders gewesen, da die erste Halbzeit sehr ausgeglichen war. Das zweite Tor von Barcelona war einfach nur Glück, da war kein außerordentliches Können oder ein Fehler dafür verantwortlich. Eine Minute später vergaben wir das 2:2. Danach hatten sie den psychologischen Vorteil um zu gewinnen. Das 1:3 war eine logische Konsequenz. Aber wir hätten auch den zweiten Treffer erzielen können. Ohne Zweifel machte Kaká aus reinem Pech den Schuss nicht rein, es gab keine Glanzparade des Torhüters. Ohne dem Gegner seinen Verdienst kleinzureden, aber das Glück spielte heute eine große Rolle“, so die Analyse des Trainers. Nicht nur der Mann an der Seitenlinie erkannte die schlechte Leistung des Portugiesen, sondern auch die Anhängerschaft im Bernabéu, welches die Performance des Ex-Weltfussballers mit Pfiffen quittierte. „Für so etwas habe ich während dem Spiel keine Zeit, ich sitze auf der Bank. Ich habe keine Zeit um mich zu freuen oder ein Spiel so zu sehen, wie ihr es könnt.“

Das sagt Barcelona: Externer Link„Der Sieg war verdient, wir waren sehr überlegen“

„Die Statistik sagt, dass Barcelona besser ist“

Was den Chefcoach tierisch aufregte, war das unentschlossene Auftreten seiner Schützlinge. Dafür sah er eine Aktion als Sinnbild für die ganze Partie an. „Der erste Gegentreffer hatte mir gar nicht gefallen, denn solche Treffer mussten wir gegen Barcelona schon öfters erleiden. Es gefällt mir gar nicht, wenn ein Mittelfeldspieler in einer Situation, wo die Chance den Ball zu ergattern etwa Fünfzig zu Fünzig standen, den Fuß zum Ball streckt, dann wieder zurückstreckt und der Gegner einen typischen Konter ausfahren kann. Der Ball muss dort bleiben. Ich verstehe, dass meine Spieler Angst vor solchen Situationen haben, denn die Geschichte hat gezeigt, dass wir in solchen Situationen gegen diesen Gegner eine gelbe Karte erhalten. Doch diesen Ball musste man gewinnen, wir haben ihn nicht gewonnen und es ergab sich eine Konterchance. In einer Partie in der man 1:0 führt, sollte so etwas nicht passieren sofern man über die nötige mentale Aggressivität verfügt. Das hat uns massiv beeinflusst.“

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Eigentlich holte man José Mourinho ins Boot um die Hegemonie der Katalanen endlich brechen zu können, doch nach knapp eineinhalb Jahren sieht die Statistik alles andere als rosig aus. „Sie haben mehr Spiele gewonnen als wir und das kann man einfach analysieren: Wer mehr Spiele gewinnt, ist besser als sein Gegner. Denn mit der Zeit vergessen wir Pepes rote Karte, den aberkannten Treffer Higuaíns in Barcelona und am Schluss bleiben nur die Zahlen übrig. Dennoch sage ich: Wir haben ein Finale gegen sie gewonnen, dies ist weitaus von größerer Bedeutung als diese Partie, denn die Meisterschaft geht weiter.“ Am kommenden Wochenende haben die Blancos dann auch wieder die Chance allein auf dem obersten Treppchen zu stehen, sofern man beim kommenden Auswärtsspiel in Sevilla mindestens einen Punkt holen kann.

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geschrieben von Gian Dominguez

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