Die schlimme Nachricht vom Langzeitausfall des Brasilianers Kaká ist noch nicht verdaut, der Schock sitzt tief. Doch gerade diese Hiobsbotschaft könnte einem aufgehenden Stern sehr gelegen kommen, denn Sergio Canales – seines Zeichens das wohl größte Talent Spaniens – könnte diese Gelegenheit beim Schopfe packen und sich zum neuen Regisseur unter Mourinho entwickeln.
Drei bis vier Monate Pause und eine lange Reha-Zeit nach dem Überstehen der Verletzung drohen dem Weltfußballer von 2007. Angesichts dieser Tatsache braucht man wohl nicht mehr in der Hinrunde mit ihm zu rechnen, bis zum Jahreswechsel muss man auf den Rechtsfuß verzichten und das Bernabéu wird er bis dahin höchstens als Zuschauer betreten. Das kommt für den Neu-Coach der „Merengues“ sehr ungelegen, denn das System wurde eigentlich auf ein 4-2-3-1 festgelegt. Schon aus Chelsea- und Inter-Zeiten weiß man, dass „the special One“ sehr großen Wert auf einen Drahtzieher hinter den Spitzen bzw. der Spitze legt und auch der Wegfall des 65-Millionen-Mannes wird an der taktischen Einstellung nichts ändern. Nun stellt sich die Frage: Wer nimmt diese Rolle ein und ersetzt den Ex-Mailänder in der Rolle des Spielgestalters? Als erstes denkt man an Rafael van der Vaart, denn seit Jahr und Tag spielt der Holländer auf der Position des Spielmachers. Zwar hat er das Kopf-an-Kopf-Rennen gegen Wesley Sneijder verloren und fand sich bei der Weltmeisterschaft 2010 auf der Bank wieder, doch trotzdem hat er auch unter Manuel Pellegrini oft hinter dem Doppelsturm fungiert! Auch der HSV, bei dem der „Oranje“-Kicker vor seinem Wechsel an die Concha Espina die Kapitänsbinde trug, erinnert sich an den „Zehner“ van der Vaart. Doch auch eine kleine Wandlung ist denkbar; so könnte der „Spiemacher“ zur „hängenden Spitze“ mutieren. Die Lücke des spielenden Stürmers könnte Karim Benzema füllen, der gegen Club América eine sehr überzeugende, erste Halbzeit spielte und unter der Regie Mourinhos scheinbar zu alter Stärke findet. Auch Superstar Cristiano Ronaldo, der in der letzten Spielzeit sehr häufig das spielende Gegenstück zu Gonzalo Higuaín mimte, könnte diesen Part übernehmen.
Doch gerade einer, den anfangs niemand auf der Rechnung hatte, könnte die Konkurrenz ausstechen und sich in das Herz des Trainers und der Fans kicken: Sergio Canales! Das Wunderkind aus Santander hat in der vergangenen Saison oft als Spielgestalter beim Abstiegskandidaten gespielt und war dort die überragende Figur. Auch im direkten Duell gegen seinen neuen Arbeitgeber hat er die Abwehr der „Königlichen“ oft in Verlegenheit gebracht und für Gefahr gesorgt. Im Februar diesen Jahres hat er den Vertrag beim spanischen Rekordmeister unterschrieben – das einzige Fragezeichen blieb nur hinter der Frage, wann er sein Debüt feiern wird, denn eigentlich war geplant, dass der Blondschopf für mindestens ein Jahr zurück an seinen Heimatverein Racing verliehen wird. Für eine kleine Bonussumme wurde er dann doch schon in diesem Sommer „königlich“ und durfte bei seinem Einstand eine tolle Leistung, gekrönt mit dem selbst-erzielten 1:0, feiern. „Das ist ein Debüt, welches ich nie im Leben vergessen werde. In meinem ersten Spiel gleich ein Tor schießen und einen Sieg feiern zu dürfen, ist echt das Beste, was man sich vorstellen kann“, gab sich der Linksfuß nach dem Testspiel begeistert. Bei der U19-Europameisterschaft zog er ins Finale ein und war der Top-Scorer des Tuniers! Beim Halbfinale war er an allen Toren beteiligt, denn er bereitete die ersten Zwei vor und vollendete das Dritte selbst, 3:2 hieß das Ergebnis gegen die Junioren aus England am Ende. ‚Mou‘ höchstpersönlich hat vom Vorstand gefordert, dass man den 19-Jährigen direkt verpflichten soll, indem man die Ablösesumme, wie vorher verhandelt, ein bisschen erhöht. Wird das Juwel schon in diesem Jahr zum Weltstar geschliffen?
Die folgenden Vorbereitungsspiele könnten diese Frage beantworten und schon am 08.08. haben alle Anwärter auf den fehlenden Stammplatz die Chance, gegen L.A. Galaxy zu untermalen, wer der Geeignete für diese Rolle ist.
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