Im kleinen Städtchen Ponferrada waren heute alle auf den Beinen, um das größte Team der Welt zu bestaunen. Alle, bis auf 11 hochmotivierte Männer. In einem ordentlichen Spiel beider Mannschaften konnte der haushohe Favorit durch Tore von Callejón und Ronaldo das erste Match für sich entscheiden. Das Spiel mit dem Ball lief nicht immer flüssig, bzw. wurde durch die Hausherren oft unterbrochen und vorne kam es dann oft zum gefürchteten „Verdaddeln“. Dennoch ist dieser knappe Sieg keine Blamage, der Pokalsieger tat das Nötigste und konnte seit 2006 mal wieder ein Auftaktspiel gewinnen.
Selbstvertrauen und Zärtlichkeiten für Ronaldo - Foto: Víctor Carretero, Realmadrid.com
PONFERRADA. Blendend, nahe Blitzlichter der Fotoapparate am hautnahen Spielfeldrand. Ein Stadion, dessen Kapazität für das Traum-Los um 3% aufs nähtestrapazierende Maximum erhöht wurde. Und eine Wäscheleinen-Choreo, die die gesamte Südtribüne verdeckte… Clásico war gestern. Heute ist Pokal! Ein 68.000 Seelen großes Städtchen im Nord-Westen Spaniens freute sich auf königlichen Besuch aus der Hauptstadt. Ein typisches „David gegen Goaliath“-Spiel! Reiseführer José Mourinho warnte unter der Woche zwar noch vor
der trügerischen Ausgangslage angesichts des drittklassigen Herausforderers und er sollte aufgrund der torlosen und erwartet Widerstands-geprägten ersten 20 Minuten auch recht behalten, doch dann hatte sich sein umgewürfeltes Team an sich selbst, den Gegner, den nasskalten Regen und tiefen Spielteppich gewöhnt und die Torchancen-Produktion gestartet haben.
In diesen Anfangsminuten zeigte der Titelträger gleich, wen der angriffslustige Drittligist da zu herausfordern versuchte. Dem aggressiven Zweikampfverhalten der Kastilianer wusste man gleich ein paar warnende Fouls entgegen zu setzen, worauf der bellende Gegner sich Stück für Stück in den eigenen Unterschlupf zurückzog. Ansonsten beriefen sich die heimstarken Gäste auf das Bambini-System und die Bauern-Taktik „Alle auf den Ball, alle auf Ronaldo!“ Aber außer einem netten Familienalbum-würdigen Fallrückzieherversuch nach einer Ecke gewährte die Defensive um Rechtsverteidiger Altintop, Varane, Albiol und dem bockstarken Kapitän Marcelo dem Gegner nicht viele Möglichkeiten. Und vorne musste man sich wohl erst noch aneinander gewöhnen: Gonzalo Higuaín, José Callejón und die beiden ehemaligen Weltfußballer Kaká und Ronaldo taten sich auf der Torejagd nicht immer leicht, während Nuri Sahin und Sami Khedira im zentralen Mittelfeld für Ballsicherung und -verteilung zuständig waren. Bis zum 0:1 in der 29. Minute hätte Ronaldo schon zwei Mal treffen können, doch nach einem hübschen Solo machte ihm erst Keeper Quintana die kurze Ecke zu und wenig später erreichte er Callejóns Pass zum Einschieben nicht mehr. Man hat’s nicht leicht als vom Gegner dicht beschützter Weltstar. So musste es eben dessen spanischer Sturmkollege kurz darauf selbst machen als er Khediras tiefe Flanke von halb rechts aus kürzester Distanz und mit dem schwächeren linken Fuß in den Winkel weiterleitete. Erneut ein Tor des Edelreservisten, der 2007 mit Adán und Granero als einziger vom derzeitigen Kader auf die Blau-Weißen traf – damals noch mit der Castilla in der Segunda División B.
Weihnachtsgeschenk? Wie wär's mit Fanartikeln der Königlichen?! Spielhälfte Zwei war dann das totale Spiegelbild der ersten: Ponferradino hatte einen ordentlichen Schluck aus Trainer Barragáns Zaubertrank genommen – die motivationsstimulierende und kräftebringende Wirkung hielt aber wie zuvor nur 20 Minuten an, Albiol sah erneut den gelben Karton und der zweite Treffer Reals fiel ebenfalls erneut nach einer gespielten halben Stunde. Bis zur 74. Minute ging es aber ziemlich turbulent her, fast wäre sogar das Gegentor gefallen. Aber der leicht aufgerückte Adán konnte eine verunglückte Flanke oder einen über-genialen Bogenschuss Domenechs aus 30 Metern gerade noch mit den Fingerspitzen an den Querbalken lenken. So witterten auch die 8.500 Zuschauer noch eine Chance, aber die ausgelobte 500,- € Prämie für ein Tor gegen den Erstligisten sollten heute stecken bleiben. Obwohl bei Real nicht allzu viel zusammen ging. Hatte man mal einen Angriff ordentlich gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Lemminge aufgezogen, wollte man das Tor zu schön machen, brauchte zu lang, wurde gefoult oder der Platz im gegnerischen Strafraum schnürte sich zu. Missverständnisse im Hakenlastigen Passspiel und ein zu statisches Bewegungsverhalten taten ihr übriges. Und als hätte Albiols berechtigter gelb-roter Platzverweis für den nötigen Raum auf dem Rasen gesorgt, konnten die Merengues endlich erhöhen. Von gelösten Knoten über fallende Steine lassen die Vergleiche hier einiges zu: Das 0:2 war das Happy End eines erneut unglücklichen und stark bewachten Cristiano Ronaldo. Nachdem er, Higuaín & Co. zuvor schon schönste Chancen ausließen, hatte der Portugiese in Minute 74 die nötige Kaltschnäuzigkeit, den Ball unter Torhüter Quintana aus wenigen Metern durch zu spitzeln. Higuaín hatte ihn zuvor im Lauf bedient und in Ronaldos typischen starken Antritt konnte dann doch endlich ein Unterschied zwischen ihm und seinem haudegenen Bewacher Samuel festgestellt werden. Als Gratulanten reihten sich dann alle Kollegen beim 26-jährigen ein, förderten weiterhin das angeknackste Selbstvertrauen des Superstars und damit sich daran auch nichts mehr änderte, nahm Mourinho seinen Schützling gleich vom Platz und brachte den jungen Debütanten Jesé Rodríguez. Zuvor waren bereits Granero und Ramos für Kaká und den erneut nicht komplett souveränen und teilweise unsicheren Sahin gekommen.
Mourinhos Reaktion:
„Wir haben unsere Mission erfüllt – auch ohne Glanz“
Danach passierte nicht mehr viel. Ponfe ergab sich seinem Schicksal und Madrid wollte die Hausherren vorm lautstarken Publikum nicht demütigen, immerhin hat man mit dem Aufstieg in Liga 2 wie Reals Castilla ehrgeizige Ziele. Der Titelverteidiger siegte also mit 0:2 gegen den Drittligisten SD Ponferradina. Typisch „David gegen Goaliath“ – die Stadt und der Verein, dessen Präsident sogar bekennender Real-Fan ist, freuten sich zwar immens über das königliche Traum-Los und die einmalige Gelegenheit sich mit Weltstars zu messen, doch handelte es sich auch nicht um Kreisklasse- sondern Profifußballspieler. Schlussendlich kann der amtierende Pokalsieger in solchen Spielen also nur schlecht aussehen – entweder man zaubert ganz nach Erwartung, oder für den Fall, dass man mehr als nur 11 gegnerische Fans und Bewunderer sich gegenüber stehen hat, wird es eben holpriger – und das riecht dann sofort nach einer Sensation. Das Spiel hätte aber auch 1:5 ausgehen können, wer weiß. Mourinho weiß dafür, dass man seit 2006 endlich mal wieder ein Auftaktmatch gewonnen hat. Dem Spieler mit der Rückennummer 7 mag der ein oder andere Kritiker sicher noch einen „Clásico-Schock“ einreden, doch davon wird man in Madrid nichts wissen wollen. Am Samstag geht es in Sevilla um die Zurückeroberung der Tabellenspitze und als feierlicher Jahresabschluss könnte theoretisch ganz Ponferrada am kommenden Dienstag zum Rückspiel ins Santiago Bernabéu einfahren – so viele gehen da locker rein!
Weihnachtsgeschenk? Wie wär's mit Tickets zu den Königlichen?! Flash ist Pflicht!
SD Ponferradina: Orlando Quintana; David Malo, Samuel, Alan Baró, Sergio Rodríguez; Carlos Ruiz, Isaías; Borja Valle, Borja Sánchez, Luis Domenech (Acorán '60); Yuri
Real Madrid: Adán; Altintop, Varane, Albiol, Marcelo; Khedira, Sahin (Sergio Ramos '70); Callejón, Kaká (Granero '70), Cristiano Ronaldo (Jesé '78); Higuaín
Tore: 0-1 '29: Callejón; 0-2 '74: Cristiano Ronaldo
Schiedsrichter: Iglesias Villanueva
Gelb-Rote Karte: Raúl Albiol '68
Stadion, Zuschauer: Estadio El Toralín, 8.500 Zuschauer
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