10.09.2010, 19:18
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Interviews

Das Kritikfeuerwerk geht weiter: „Özil und Khedira distanzieren sich zu sehr!“

Bei kaum einem Team ist der Druck so hoch wie bei Real Madrid. Die Mannschaft muss Jahr für Jahr Titel gewinnen, ansonsten haben die Medien ein neues schwarzes Schaf gefunden. Aber auch individuell gesehen sind Tag für Tag und Spiel für Spiel Höchstleistungen gefragt, denn wer vor der Vorbereitung einen Stammplatz hatte, darf sich nicht sicher sein, den beim Saisonstart immer noch zu haben. Davon kann Alvaro Arbeloa ein Liedchen singen – und das tat er bei seinem heutigen Interview mit ‚Agencia EFE‘ auch. Außerdem sprach er über die Situation im Team und seine persönliche Zielsetzung ...

„Das Rennen um die Stämmplatze ist jetzt noch härter!“

„Neuer Trainer, neues Glück“ – ein altbekanntes Stichwort im Fußballgeschäft. Doch das alles kann auch in die komplett falsche Richtung schießen. Neu-Coach Mourinho stellte von Anfang an klar, dass Leistungen über Namen stehen. Nicht der Marktwert entscheidet über Stammplatz oder nicht, sondern der Fleis und die Stärke der Spieler. Unter Manuel Pellegrini gehörte Arbeloa, 2009 vom FC Liverpool an die Concha Espina gewechselt, noch zum Startensemble, stand so gut wie immer beim Anpfiff auf dem Rasen und war defensiv eine Bank! Doch der Nachfolger des Chilenen hat andere Pläne: Schon seit seiner Zeit beim FC Porto baut der Stratege auf Außenverteidiger, denen Sprints, Vorstöße und Flanken ins Genom übertragen wurden. In dieses Profil passt Weltmeister Sergio Ramos perfekt rein, doch Arbeloa, bei dem ab der Mittellinie bekanntermaßen Schluss mit lustig – bzw. Schluss mit Weltklasse – ist, musste daraufhin seinen Posten an Brasilianer Marcelo abgeben. „Das Rennen um die Stammplätze ist diese Saison noch härter. Jeder muss zeigen, was er kann, um spielen zu dürfen. Manche müssen sich sogar beweisen, um nicht gehen zu müssen“, kommentierte der spanische Nationalspieler die Situation im Team. Und auch „The Special One“ verlangt mehr von den Akteuren, denn wer spielen will, muss schwitzen, kämpfen und vor allem überzeugen: „Ich mag Mourinho sehr. Es ist an der Zeit, dass ich zeige, was ich in England gelernt habe. Spieler, die in der ‚Premier League‘ unter Vertrag standen, sind hartes und intensives Training sehr gewohnt und auch hier sind besonders die physischen Übungen schweißauftreibend“. Das Durchschnittsniveau ist deutlich gestiegen, denn neben Weltstars wie Carvalho und Di María sind auch Talente wie Canales und Özil zum Starensemble gestoßen. Die Meinung des „Ex-Reds“ zu den Verpflichtungen ist rundum positiv – doch ein bitterer Nachgeschmack bleibt, denn nach ‚Mou‘ äußert auch der Abwehrallrounder Kritik an den DFB-Stars: „Die Einkäufe verstärken uns und Leute wie Canales, León und Angel Di María haben sich super integriert, was auch daran liegt, dass sie spanisch sprechen. Nur die Deutschen machen mir etwas Sorgen, wir versuchen so mit ihnen zu kommunizieren wie es geht, aber sie distanzieren sich noch und die Kommunikation stimmt nicht“, musste der 27-jährige gestehen.

„Wenn wir Geduld haben, wird unsere Arbeit Früchte tragen“

Das jetzige Geschehen ist damit abgehakt und Arbeloa ist der Nächste, der Fans und Presse einen kleinen Einblick in die Trainingseinheiten geschenkt hat. Nun wirft der „königliche“ Linksverteidiger einen Blick zurück auf die Spielzeit 2009/2010, in der das Projekt „Galacticos 2.0“ scheiterte und man – zum zweiten Mal hintereinander – komplett titellos in den Urlaub bzw. nach Südafrika gefahren ist. Trotz der überschrittenen 100-Tore-Marke, einer Rekord-Punkteausbeute und vielen Kantersiegen ist die Vitrine leer geblieben, doch der einstige Canterano zeigt sich insgesamt zufrieden, auch wenn ihm der Mediendruck und die Tatsache, dass der spanische Rekordmeister Jahr für Jahr zum Siegen verdammt ist, bewusst sind: „Wir haben gute Arbeit geleistet. Natürlich ist es immer schlecht, keinen einzigen Pokal gewonnen zu haben, denn die Fans und der Verein wollen mindestens eine Trophäe pro Spielzeit. Auch heuer müssen wir geduldig sein, denn das neue Projekt hat gerade angefangen. Unsere Arbeit wird Früchte tragen, da bin ich mir sicher, doch das kommt erst mit der Zeit“, tröstete er die Madridistas über 24 erfolgslose Monate hinweg. „Gut‘ Ding will Weile haben“, bei dieser Devise schließt sich das „Schnäppchen“ seinem neuen ‚Dirigenten‘ an. Doch mittlerweile haben die „Galaktischen Version 2“ ihren einjährigen Geburtstag gefeiert und mit dem zweimaligen Champions League-Sieger unterschrieb ein Trainer, der Stars, Druck und vor allem Siege gewohnt ist. Trotz der gefordeten Geduld ist träumen erlaubt, denn Selbstvertrauen und hohe Ziele sind in der Hauptstadt nichts Neues – besonders, wenn die Mannschaft wie eine eingespielte Einheit funktioniert: „Es ist sehr wichtig, gut in diese Saison zu starten. Mit Casillas haben wir einen neuen Kapitän, der dieser Aufgabe vollkommen gewachsen ist. Ich habe tolle Mitspieler und wir ziehen alle an einem Strang. Alle sind sich ihrer Verantwortung bewusst und erfüllen ihre Pflichten, zum Beispiel Xabi Alonso, der wegen seinem Talent und seiner Führungspersönlichkeit Verantwortung übernimmt“.

geschrieben von Thomas Kellermann

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