Der Kommentar zum Clásico von Chefredakteur Tobias A. Hellmann.
Am Ende war auch Mourinho ratlos - Foto: Ángel Martínez, Realmadrid.com
Die Geschichte wiederholt sich. Der Alptraum, er geht bitterböse in die nächste Runde. Auch nach vier Jahren, teuren Transfers, einem vermeintlichen Heilsbringer auf der Bank und einer unglaublichen Siegesserie im Rücken konnte das Team den Rivalen aus Barcelona nicht stoppen. Dabei hätte sich der Start nicht besser erträumen lassen können. Nach 22 Sekunden in Führung zu gehen, es war der erhoffte moralische Schub. Für gewöhnlich ist es das Team des Portugiesen, das dann wie kein zweites Oberwasser gewinnt und den Rivalen mit allem Selbstvertrauen der Welt an den Abgrund treibt. Doch es kam anders. Man muss so fair sein und Barcelona zu dieser Leistung gratulieren. Trotz dem Blitztor verloren sie nicht den Kopf, spielten ihren Stil radikal weiter und ließen sich nicht verunsichern. Nicht einmal Valdés, der diesen groben Abspiel-Bock schoss, begann zu schwimmen. Im Gegenteil. In den darauffolgenden Szenen forderte er das Schicksal heraus, spielte einen riskanten Ball nach dem anderen und siegte. Die breite Brust und das verwurzelte Vertrauen in die ureigene Stärke, es imponierte nicht nur mir. Ist dieses Barcelona zu schlagen? Wir haben es im Finale der Copa del Rey sehen können. Auch haben wir sehen können, was in diesem Duell den Ausschlag gibt. Es liegt nicht an den fußballerischen Qualitäten der Einzelspieler, nein, es ist reine Kopfsache. Ich weiß nicht, ob es an der psychologischen Vorbereitung Mourinhos etwas zu rütteln gibt, aber wenn dieselben, die zuvor spielten wie junge Halbgötter, diese rot-blauen Trikots sehen, dann sind die Risse im Gebilde zu tief und das Gesamtbild nicht mehr wieder zu erkennen. Die Körpersprache, Gestik und Mimik – demonstrierte Ratlosigkeit und pure Enttäuschung und das bereits während der 90 Minuten auf dem Platz. Es scheint, als wäre der Druck zu groß, die Erwartungshaltung zu erdrückend, anders ist dieser Abfall nach dem 1:2-Rückstand nicht zu erklären. Im Kopf beschäftigte man sich mit der Niederlage und es streckte sie nieder. Positive Antworten fand keiner, nicht der Erfahrenste, nicht der Jüngste. Am Ende darf man mit dem 1:3 noch zufrieden sein, Iker Casillas sei Dank!
José Mourinho sprach in seiner Analyse nach der Partie vom Faktor Glück. Ohne Frage, bei einem Duell dieser Klasse spielen Details und auch das Glück ihren Part. Doch war es einfach nur Pech? Ist die Antwort so simpel gestrickt? Cristiano Ronaldo war für mich das Sinnbild dieses Spiels. Ein Superstar, der sich mit Lionel Messi um die höchsten Trophäen im Spitzenfußball zankt wie zwei junge Welpen um den Futternapf, blockierte, war nicht er selbst. Die Chance zum 2:0 vergab er so kläglich, dass selbst ihm der Schrecken in die Glieder fuhr. „Unter normalen Umständen macht er diesen Ball rein“, so Mourinho. Normale Umstände? Was sind normale Umstände für einen Spieler der Extraklasse, der nicht minder diese Art von Partien braucht und sucht, um seine Extravaganz unter Beweis zu stellen? Auch der letzte im Stadion merkte beim vergebenen 2:2 aus kürzester Distanz, dass der Portugiese heute kein Bein mehr auf den Boden bringt. Seine Freistöße? Mit einem Wort harmlos. Blind und verzweifelt in die Mauer. Beängstigender war da schon sein Blick, einen engeren und leereren Tunnel hätte es wohl nicht geben können. Es nützte auch nichts, sich hilfe- und haltsuchend zum Publikum zu wenden, Pfiffe und Beschimpfungen prassten auf ihn ein. Kapitän Casillas stellte sich nach dem Match vor ihn, sprach von der Pflicht aller Spieler und nicht nur derer Cristianos. Sein Hunger nach Siegen und Titeln treiben ihn immer wieder zu Höchstleistungen, doch gegen Barcelona war diese extra Ambition, dieser extra Druck wohl genau der selbstgeschnitzte Knüppel, der ihn zu Fall brachte.
David Fernández Borbalán. Im Supercopa-Rückspiel im August stellte er noch drei Spieler vom Platz, so wünschten sich vor diesem Clásico alle danach nur über das Spiel zu sprechen und nicht über die Leistung des Unparteiischen, noch über Gewaltexzesse auf dem Rasen und den Rängen. Es sollte (fast) dabei bleiben. Die zweite Gelbe Karte für Lionel Messi ließ er stecken, Mourinhos Ärger zum Trotze. Messi bleibt unantastbar. Doch verzichtete Borbalán auf der Gegenseite ebenso auf eine dunklere Kartenfarbe. Als Ramos den Argentinier in die Parade fuhr, konnte der Fußball von Glück sprechen, dass nichts schlimmeres passierte.
Wie geht es nun weiter? Nun, zuerst einmal geht es weiter und das recht rasch gegen Sevilla. Ein Auswärtssieg im Sánchez-Pizjuán ist gleichbedeutend mit der erneuten Tabellenführung. Es gilt für Mourinho, nun die dagewesene Stabilität erneut heraufzubeschwören. Wir wissen alle, dass der Weg zur Meisterschaft über den FC Barcelona führt. Wenn man diesen Gegner jedoch scheinbar nicht im direkten Duell in die Knie zwingen kann, dann kann man den Titel nur über Beständigkeit und Konstanz gewinnen. Und da sah es in dieser Saison bisher fabulös aus. Es mögen die letzten vier Jahre lehren, dass der FC Barcelona (noch) eine Nummer zu groß ist, doch 109 Jahre Historie lehren ebenso, dass dieser Verein sich niemals geschlagen gibt. Das Schöne am Fußball: die Chance auf die Revanche wird kommen…
Noch ein Wort zu den Fans: Die bittere Enttäuschung machte nicht – besonders nicht – vor den Fans halt. Die Vorfreude war immens, der Schlag ist demnach umso gewaltiger. Doch wie das Team und der ganze Verein in der Niederlage Größe beweisen muss, so sollten auch die Fans diese Niederlage akzeptieren und den Glauben an das Team und Umfeld nicht verlieren. Wer den Glauben verliert, der hat die Niederlage bereits unterzeichnet. Im Geiste trauern Fans und Spieler zusammen, so werden wir auch in Zukunft wieder gemeinsam jubeln. Ganz sicher.
Anzeige
Noch nicht registriert?
Jetzt registrieren!Glücklich, gelöst und vor allem Stolz auf das Erreichte präsentierte sich Cheftrainer José Mourinho...
Fans, Kameras und Bodyguards folgen Cristiano Ronaldo auf Schritt und Tritt. Superstars wie der aus...
Man muss schon ein überzeugter Optimist sein, um zu glauben, an einem Sonntagmorgen um 8:30 Uhr...
Karim Benzema hat dank seiner zwei Treffer gegen San Sebastian Geschichte geschrieben: Der...
Real-Präsident Florentino Pérez legt noch einen drauf! Nach der Präsentation des neuen Bernabéu...
Leserkommentare