Und da ist er - der erste Sieg gegen eine Spitzenmannschaft in dieser Saison! Mit 2:0 setzte sich Real Madrid gegen den AC Milan, in einem der prestigeträchtigsten Spiele des Wettbewerbes, durch. Defensiv gut stehend, offensiv gefährlich, präsentierte sich die Mourinho-Truppe in bestechender Form, gegen einen Gegner, der trotz der Neuverpflichtungen in diesem Sommer, keine Angst und Schrecken verbreiten konnte…
Wollte Mourinho vor der Partie noch den Druck von seinem Team nehmen, war spätestens beim Anblick der gebannten Fanscharen und der unzähligen Medienvertretern klar, dass dieses Spiel ein Highlight im Weltfußball ist, jedoch keinesfalls „ein normales Spiel“, wie es der Coach klar machen wollte.
Gestartet wurde dieses Spektakel ohne Überraschungen. Experimente fehl am Platz. Kapitän und Nummer 1 im Tor, Iker Casillas, fand sich hinter der Abwehr um Arbeloa, Pepe, Carvalho und Marcelo wieder. Sergio Ramos musste verletzt passen, sein Landsmann Arbeloa sprang für ihn in die Bresche. Selbiges gewohntes Bild im Mittelfeld: Abräumer Khedira an der Seite von Aufbauspieler Xabi Alonso, der die Fäden aus der Defensive heraus zog. Özil als deutscher Antreiber und Kreativspieler, war mit der Aufgabe auf den Platz geschickt worden, Higuaín, Ronaldo und Di María in Szene zu setzen…
Rein in die erste Halbzeit, volles Haus im Bernabéu und wie es sich für diesen Rahmen gebührt, war die Stimmung hervorragend! Doch für den ersten Aufreger sorgten weder die Gäste noch die „Königlichen“ - ein Flitzer bahnte sich seinen Weg auf das grün, zwar bekleidet, aber wendig wie ein Hase nahm er es gleich mit 6 heraneilenden Helfern auf, erst bei der angesetzten Blutgrätsche musste er die Segel streichen.
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Das dieses Malheur die Konzentration der Hauptstädter nicht beeinflusste, wurde nach wenigen Minuten klar, denn Madrid legte los wie die Feuerwehr, allen voran Ronaldo. Der Portugiese wollte es am heutigen Abend wissen, agierten auf dem gesamten Platz brandgefährlich. In der 12. Minute konnte Milan eine Ecke klären, doch die zu kurze Abwehr sprang Xabi Alonso vor die Füße. Der Weltmeister konnte nur durch ein Halten gestoppt werden – Freistoß! 16 Meter, zentrale Position, Ronaldo mit dem Blick „dich versenke ich, ob du willst, oder nicht“ – Anlauf und rums, drin das Ding! Unfassbar, doch die Mailänder Mauer war des Namens nicht würdig, Ibrahimovic dreht sich weg, Mourinho war es grade recht, der Jubel war bezeichnend, diese Führung tat richtig gut!
Beflügelt durch das Tor, rannte Ronaldo wiederholt über seine linke Seite auf die Abwehr zu, ein paar Haken, Kopf hoch, Pass in die Mitte und Özil war zur Stelle! Der Deutsche schob mit seinem schwächeren Rechten den Ball aufs Tor, Pechvogel Bonera sprang das Leder an die Schulter, keine Chance für Amelila, 2:0 nach 15 Minuten!
Bereits in dieser frühen Phase der Partie, durfte man sich die Frage stellen, was mit dem ruhmreichen Milan geschah. Der zynischen „Altherren-Mannschaft“ alle Ehre machend, präsentierten sich die Lombarden erschreckend schwach. Gedanklich nicht auf der Höhe, physisch nicht in der Lage gegenzuhalten und betagt, dass die Ronaldos und Di Marías durch die sonst so sattelfeste Abwehrreihe wie das Messer durch die warme Butter glitten. Es hatte phasenweise den Anschein, als wären Wachsfiguren aus Madame Tussauds Kollektion im Stadion postiert, sporadische Bewegungen konnte diese Annahme jedoch widerlegen. Was auch immer die Ansage von Trainer Allegri an seine Mannen war, das Resultat war schauderhaft.
Das kurze Zeit später ein klarer Elfmeter an Ronaldo nicht gegeben wurde, geriert fast zur Nebensache, denn es ging Schlag auf Schlag. Die Italiener wagten sich nach einer halben Stunde etwas mehr nach vorne, so bekam Pirlo nach einem Freistoß seine erste Möglichkeit. Was für Madrid ein Ronaldo ist, ist ein Pirlo für die „Rossonerri“, so klatsche das Spielgerät an die Latte, auch San Iker durfte einmal durchpusten…
Es hätte vor der Halbzeit zwingend das dritte Tor fallen müssen. Chancen waren im Überfluss vorhanden, doch weder in Überzahlsituationen beim Konter, noch wenige Meter vor dem Tor, wollten die Spieler den Sack zu machen. So hatte Milan durch Seedorf noch einen nennenswerten Abschluss. Man durfte nach Abpfiff der ersten 45 Minuten ohne zu übertreiben, ungläubig aufs Geschehen blicken. Waren die Gäste einfach zu schwach, nicht richtig eingestellt, oder war Madrid zu stark und hat mit Mourinho ein permanentes Ass im Ärmel?
Die zweite Halbzeit begann etwas konfus, eine Art Abtasten schien verordnet. Doch da von den Mailändern nichts kam, entschieden sich die Madrilenen kurzerhand wieder das Zepter in die Hand zu nehmen, dabei sollten die Argentinier des Teams im Rampenlicht stehen. Zuerst war es Özil der den Ball stibitzte, Di María mit feinem Chip auf Higuaín, doch der Torwart war auf seinem Posten. Danach war es Higuaín, der als Vorbereiter auftrat, Querpass in den Strafraum, doch Angel mit der hohen Hakenkunst, ohne Glück. Das Spiel plätscherte auf hohem Niveau vor sich hin, Madrid ohne Zugzwang, Milan ohne Engagement, ohne Esprit, enttäuschend. In der 71. Minute hätte das 3:0 nun fallen müssen, doch wieder ein Lapsus vor dem Tor. Marcelo fasste sich ein Herz und dribbelte durch die halbe Defensive. Als anständiger Gast gaben die Italiener Begleitschutz und ließen den Brasilianer gewähren, ein kluger Pass auf den Elfmeterpunkt und Ronaldo ebenso freistehen mit dem technischen Fehler – kein Jubel, dafür Kopfschütteln.
Das Highlight der Schlussphase, war die Einwechslung von Robinho, der in der 72. Minute für den blassen Ronaldinho kam. Der Ex-Spieler der „Blancos“ belebte das Spiel seines Teams sichtlich, war an allen Offensivaktionen beteiligt und wollte sein Tor machen, permanent begleitet von Pfiffen der nachtragenden Fans im Santiago Bernabéu.
Schiedsrichter Pedro Proenca, der viermal Gelb zeigte, aber keine größeren Schwierigkeiten mit der Partie hatte, pfiff einen souveränen, ja fast schon überraschend kontrollierten Sieg Real Madrids ab. Was in der letzten Saison noch zur mentalen Blockade führte, scheint unter Mourinho direkt im ersten Spiel gegen ein Schwergewicht besiegt: Der Fluch in den Topmatches! Mit einem weiteren Punkt aus den ausstehenden 3 Spieltagen, sollte man qualifiziert sein und dann wird sich in der KO-Phase zeigen, ob das Team den „Winner-Spirit“ ihres Coachs verinnerlicht hat.
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Spielort: Santiago Bernabéu (80.000, ausverkauft)
Real Madrid: Casillas; Arbeloa, Carvalho, Pepe, Marcelo; Khedira, Xabi Alonso; Di María (Granero, m.87), Özil (Lass, m.82), Cristiano Ronaldo; und Higuaín (Benzema, m.89).
AC Milan: Amelia; Zambrotta, Bonera, Nesta, Antonini; Gattuso (Boateng, m.58), Pirlo, Seedorf; Ronaldinho (Robinho, 72), Pato (Inzaghi, m.78) und Ibrahimovic
Tore: 1-0, m.13: Cristiano Ronaldo. 2-0, m.14: Özil
Schiedsrichter: Pedro Proença (POR)
Gelbe Karten: Bonera (73), Boateng (76), Antonini (80) - Di María (81)
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