10.08.2010, 16:41
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Reportagen

Drenthe und Madrid - ewige Qual oder doch Happy End?

Im Jahr 2007 ging ein Stern am europäischen Fußballhimmel auf – Royston Drenthe spielte bei der U21 EM alle in Grund und Boden und wurde daraufhin auch zum besten Spieler des Turniers gewählt. Mittlerweile ist das Licht des „Drentschen Sterns“ deutlich schwächer geworden. Auf die steile Karriere bei der holländischen U21 folgte nicht ein einziges A-Länderspiel für die „Oranje“. Auch bei Real Madrid läuft es für den 1,67m kleinen Flügelflitzer mehr schlecht als recht. Wars das nun für den jungen Holländer oder kann er das Ruder irgendwie doch noch rumreißen?

Als Riesentalent gekommen - heute nur noch belächelt und verspottet

Vor drei Jahren wurde Royston Ricky Drenthe für 14 Millionen Euro von Feyenoord Rotterdam verpflichtet. Im selben Jahr verließ auch Verteidiger-Legende Roberto Carlos den Verein. In Drenthe hat man für ihn einen geeigneten Nachfolger gesehen. Das war zu diesem Zeitpunkt auch kein Wunder. Bei der U21 EM in den Niederlanden konnte er auf ganzer Linie überzeugen. In der Verteidigung war er bombensicher und nebenbei sorgte er auch noch bei seinen gefährlichen Vorstößen für Torgefahr. Durch seine Treffer und sein Kampfgeist konnte er dem Gastgeberland dann letztendlich auch den Titel bescheren. In Holland war man happy und in Madrid auch. Schließlich war man sich sicher, dass man mit ihm quasi „Roberto Carlos 2.0“ verpflichtet hat.

Doch es kam alles anders. In der ersten Saison bei den Königlichen brachte er es gerade mal auf 18 Spiele, wovon er elf Mal eingewechselt wurde. Sein Wechselpartner war dabei meist Marcelo, der auch 2007 zu den Madrilenen stoß und einen deutlich besseren Start erwischte. Auch im nächsten Jahr wurde es nicht besser. Nur fünf Einsätze von Beginn an standen für den Verteidiger zu Buche - ein Witz im Vergleich zu den 24 Starteinsätzen seines 21-jährigen Konkurrenten. Der Brasilianer zeigte konstantere Leistungen, während Drenthe bei seinen Einsätzen regelmäßig patzte. Mit teilweise gellenden Pfeifkonzerten wurde die schwache Leistung des Linksfußes kommentiert - und die Fans legten noch eine Schippe drauf: Die Pfiffe verwandelten sich in schallendes Gelächter, das eigene Fanlager verspottete ihren Akteur - für den Holländer eine enorme Belastung. Es ging sogar so weit, dass er den damaligen Trainer, Juande Ramos, darum bat, ihn nicht aufzustellen. „Drenthe hat mich darum gebeten, nicht aufgestellt zu werden. Er leidet unter Angst und Beklemmung", so Ramos damals in einem Radiointerview. 

In der Letzten Saison erschwerte sich seine Situation nochmal, denn mit Arbeola kam ein Verteidiger, der auch links in der Viererkette verteidigen konnte. Marcelo rückte somit meist vor ins linke Mittelfeld, während der spanische Neuzugang seinen alten Platz einnahm. Dies machte er zumindest in der Defensive so gut, dass der 23-jährige Niederländer in den Plänen von Ex-Trainer Pellegrini keine Rolle mehr spielte und nur noch auf drei Einsätze in der Startelf kam. Auch unter Mourinho sind seine Karten in der neuen Saison kaum besser. Marcelo und Arbeola sind vor ihm gesetzt und es ist nicht auszuschließen, dass noch ein linker Verteidiger den Weg nach Madrid findet.

Vorbereitung bisher enttäuschend – letzte Chance gegen Bayern?

Und selbst wenn kein weiterer Verteidiger mehr kommt, müsste schon beinahe ein Wunder passieren, dass der Neffe von Edgar Davids regelmäßige Einsätze erhält. Denn mit der diesjährigen Vorbereitung hat er sich bis jetzt keinen Gefallen getan. Im Spiel gegen den Becks-Verein, Los Angeles Galaxy, konnte man deutlich sehen, warum viele Fans ihn nicht mehr in Madrid haben wollen. Sein Stellungsspiel war miserabel und als wäre das nicht schon genug, verursacht er auch noch durch einen überflüssigen Karate-Kick einen Elfmeter. Dadurch dürfte er eine Menge Kredit bei Mourinho verloren haben. Beim Beckenbauer Abschiedsspiel gegen den letztjährigen Champions League Finalisten Bayern München dürfte er nun die letzte Chance haben, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Seine direkte Konkurrenz, Marcelo und Arbeloa, sind auf Länderspielreise und somit ist der Platz frei für Royston Drenthe. Nun liegt es an ihm, sein Potenzial, was er ohne Zweifel hat, gegen den deutschen Rekordmeister abzurufen. Wenn dies nicht gelingt, sollte er sich wohl ernsthaft überlegen, ob Real Madrid der richtige Verein für ihn ist, denn hier ist der Leistungsdruck enorm und mit einer weiteren Saison auf der Bank oder auch auf der Tribüne würde er sich keinen Gefallen tun…

geschrieben von Matti Heubner

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