04.08.2010, 20:07
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Reportagen

Duell um den Stammplatz - van der Vaart der lachende Dritte?

Die Saisonvorbereitung läuft bereits auf Hochtouren und mit der Ankunft der frisch gebackenen Weltmeister Xabi Alonso und Sergio Ramos ist das Star-Ensemble der Madrilenen komplett. Während abseits des Trainingsplatzes täglich Spekulationen über die mögliche Vorgehensweise von José Mourinho erscheinen, wie dieser seinen Schützling Kaká wieder auf Fordermann bringen könnte und ebenfalls zahlreiche Meldungen um den neuen Hoffnungsträger Sergio Canales die Runde drehen, blickt Realmadrid.de auf die Situation eines anderen Spielers…

Saisonrückblick 09/10: Vom Abstellgleis zum Edeljoker

Eigentlich war Rafael van der Vaart schon weg: Mit dem Amtsantritt von Florentino Peréz folgte ein großer Umbruch – der Kader wurde umgekrempelt, Stars wie Cristiano Ronaldo und Kaká wurden verpflichtet und im Gegenzug wurden die „Altlast beseitigt“. Flügelflitzer Arjen Robben sowie Spielgestalter Wesley Sneijder wurden vom Hof gejagt und schlossen sich ihren neuen Vereinen (Anm. d. Red.: Robben zu Bayern, Sneijder zu Inter) an, bei denen beide jeweils voll einschlugen und sich als wahre Glücksgriffe entpuppten. Kurios: Beide Akteure standen sich mit ihrer Mannschaft im CL-Finale gegenüber – in ihrer alten Wirkungsstätte, dem Santiago Bernabéu.

Ebenfalls das Weite suchen sollte damals van der Vaart, der nicht einmal eine Rückennummer zugeteilt bekommen hatte. In der internationalen Presse war sogar von „Mobbing“ die Rede, was den Umgang mit dem 27-Jährigen anbelangte. Allerdings flatterten bis zum Ende der Transferperiode im Sommer 2009 keine ernstzunehmenden Angebote für ihn ins Haus, er musste also bleiben. Aber der Holländer gab sich kämpferisch, lies sich von seiner Rolle als Außenseiter im Kader nicht klein kriegen und belohnte sich durch harte Arbeit. Mit den Verletzungen von Kaká und Guti rückte van der Vaart wieder zum Kreis der Alternativen und hatte schließlich am 20. Dezember, im Ligaspiel gegen Real Zaragoza, seinen persönlichen Höheflug: Zwei Tore erzielt, zudem eine Menge Respekt bei Fans und Zuschauern geerntet. Im weiteren Verlauf der Saison gehörte er unangefochten zur erweiterten Stammelf, wusste häufig mit seiner Leistung zu überzeugen und erzielte weitere wichtige Treffer, wie beispielsweise den 3:2-Siegtreffer am 6. März in der Nachspielzeit gegen den FC Sevilla.

Kaká? Canales? Oder heißt der lachende Dritte am Ende van der Vaart?

In der abgelaufenen Spielzeit hatte van der Vaart vor allem durch die Ausfälle von Kaká profitiert. Der Brasilianer, der im vergangenen Sommer für stolze 65 Millionen vom AC Mailand verpflichtet wurde, konnte bisher nie Fuß fassen und sammelte sich viel Hohn und Spott ein – die Presselandschaft sprach von einem Mega-Flop. Zwar war der 28-Jährige immer gesetzt unter Ex-Coach Manuel Pellegrini, doch richtig überzeugen konnte er nur selten. Während die einen davon ausgingen, er würde im falschen System agieren, meinten die anderen, er sei im Kopf noch nicht in Madrid angekommen – tatsächlich aber hat sich der Mittelfeld-Star laut eigener Aussage mit Schmerzen in der Leistengegend die gesamte Saison über plagen müssen, dadurch konnte er nie aus den Vollen schöpfen. Nach einer ebenfalls eher durchwachsenden Weltmeisterschaft erwartet den neuen Trainer José Mourinho nun eine große Aufgabe: Den ehemaligen Weltfußballer wieder in Topform bringen!

Ein anderer Konkurrent vergangene Saison war der mittlerweile in die Türkei abgewanderte Guti. Auch er pendelte von Bank und Platz hin und her, im Gegensatz zu Kaká war dies jedoch nicht Verletzungsbedingt, sondern aufgrund eines seit Jahren bekannten Problems: Gutis mangelnder Konstanz. Mal Genie, mal Wahnsinn – die „Diva“ war häufig unberechenbar, dennoch war er vor van der Vaart die erste Alternative in der Zentrale unter Pellegrini. Allerdings steht mit Sergio Canales, der als Nachfolger der abgewanderten Vereinsikone gehandelt wird, bereits in den Startlöchern. Auf den gerade erst 19-jährigen Spanier setzt man große Stücke, jüngst wurde er Vize-U19-Europameister und soll schon ab dieser Saison langsam an das Team herangeführt werden. Ob es auf Anhieb zur Stammkraft reicht bleibt abzuwarten, aber es dürfte klar sein, dass der Juniorennationalspieler mit seiner unbekümmerten Art nicht im Schatten der Stars bleiben will und auch um seine Chance kämpfen wird.

Fest steht bislang noch nicht, wer in Zukunft unter Regie von „The Special One“ als Stammkraft auflaufen wird. Auf dem Papier scheint es ganz klar Kaká zu sein, allerdings ist es ungewiss, ob er tatsächlich seine Leistenprobleme in den Griff bekommen sollte. Als Ersatz steht neben Rafael van der Vaart der Youngstar Sergio Canales zur Auswahl, beide werden um ihre Einsatzchancen kämpfen, wobei der der Niederländer dank eines Erfahrungs-Bonus die Nase vorne haben dürfte. Man darf gespannt sein, wer diesen Dreikampf letztlich für sich entscheiden wird.

geschrieben von David Dorr

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