Eine erfolgreiche, intensive und effektive Vorbereitung mit sieben Siegen aus sieben Spielen. Das Sommerloch zeigte sich teilweise langweilig und trostlos, so manche Transferneuigkeiten sorgten für Spannung, aber auch so manches Mal für Unmut, wie beim „Caso Neymar“. Doch erfreulich waren stets die Testspiele der Merengues, die alle Partien für sich entschieden und mit 27 geschossenen Toren ihre geballte Offensivkraft unter Beweis stellten. Lediglich fünf Male mussten Casillas und Co. hinter sich greifen. Nun scheint man gewappnet für das Hinspiel des Supercups im Bernabeu, doch so manche Verletzung nagt am Superhirn Madrids, José Mourinho.
Ronaldo blickt auf eine perfekte Vorbereitung - Foto: Ángel Martinez, Realmadrid.com
MADRID. Auf der ersten Etappe der Vorbereitung 2011/2012 ging es für die Königlichen nach Amerika. Erster Gegner: L.A. Galaxy. Das Team um den Ex-Madridista David Beckham konnte den Merengues aber nicht sehr viel abverlangen und unterlag den Galaktischen mit 1:4. Die Sprösslinge Callejón und Joselu konnten mit ihrem ersten Auftritt für die Blancos auch gleich jeweils ein Tor bejubeln, Ronaldo und Benzema legten auch jeweils noch einen nach. Selbst ein fast abgestorbener Kaká bewies sich und wirbelte in L.A., nahm Duelle auf und trat positiv in Erscheinung. Vor allem aber war es der Neuzugang Fábio Coentrão, der in seinem Debüt im weißen Trikot gleich
glänzen konnte und zeigte, dass die 30 Millionen Ablöse kein Verlust-Geschäft darstellen sollten. Schade war es allerdings, dass Nuri Sahin und Hamit Altintop verletzungsbedingt ausfielen und den ersten Erfolg teilnahmslos feiern mussten.
Auch im zweiten Testspiel im Rahmen der World Football Challenge, konnten die Madridistas überzeugen. Zwar dauerte es über 70 Minuten, bis das erste Tor gefeiert werden konnte, doch dann ging es Schlag auf Schlag und CR7 servierte die Mexikaner
eiskalt mit einem Hattrick ab. Der Einsatz der beiden Türken Sahin und Altintop blieb weiterhin aus.
12 Tage harte Arbeit und 2 Testspielsiege in Los Angeles und San Diego lagen hinter Mourinho und seinem Team. Nun stand das Testspiel in Philadelphia auf dem Plan. Ein weiter Pass über knapp 60 Meter von Xabi Alonso ermöglichte bereits in der zweiten Minute das Tor von José María Callejón. Das Spiel dominierte Real, Özil legte noch einmal nach, doch die Partie ging fast enttäuschend
nur 2:1 aus. Dafür konnte Mourinho jedoch wieder wild herumwechseln und verschiedene Formationen und Taktiken ausprobieren.
Die Ex-Bundesligaspieler Sahin und Altintop waren immer noch verletzt, jedoch gab es noch zwei andere bekannte Gesichter, die sich in Deutschland präsentieren wollten: Mesut Özil und Sami Khedira.
Mit einem klaren 3:1 musste man sich auch wieder von Deutschland verabschieden, die Tour ging für die Blancos nämlich weiter nach England. Highlight war im ausverkauften Olympiastadion das Freistoßtor von Cristiano, der die Massen wieder zum Jubeln brachte und nach vier Testspielen bereits fünf Tore auf seinem Konto verbuchen konnte. Auch der Sohn algerische Zuwanderer, Karim Benzema, stach zweimal zu und rief seine bis dato beste Leistung in der „Pretemporada“ ab.
Die Partie auf der Insel war aus Mourinhos Sicht „die schlechteste der Vorbereitung“, Real gewann jedoch. Der Youngster Callejón lochte zum dritten Mal ein und auch Benzema machte mit seinem vierten Tor den Sack zu in Leicester.
Das 2:1 war nun wirklich kein Leckerbissen für Fußballfans, zumindest konnte man die Merengues in zwei verschiedenen Suits sehen.
Ein Fußball-Festival bahnte sich an. Tausende Chinesen boten Real einen gebührenden Empfang mit Bannern und zahlreichen Fanartikeln, Kaká wurde besonders gefeiert. Man musste als waschechter Madrilene fast Mitleid mit den armen Chinesen haben, denn
die Spanier deklassierten Guangzhou Evergrande mit einem 7:1 und zeigten der Fußballwelt den (noch) gravierenden Unterschied zwischen Europa und Asien auf. Die beiden „Deutschen“ Khedira und Özil sorgten für die ersten beiden Tore in China, Benzema traf gleich zweimal, Cristiano durfte natürlich auch wieder feiern und abschließend brachte die Einwechslung Di Marias noch eine direkte Torvorlage und auch ein Tor hervor. Immer noch verletzt: Altintop und Sahin, dazu Granero angeschlagen.
Es sollte abschließend einen weiteren Abschuss auf dem asiatischen Kontinent geben. Sage und Schreibe
6:0 ging das letzte Spiel der Vorbereitung aus. Benzema schoss sein siebtes und achtes Tor, Cristiano sein siebtes und sogar Higuaín traf endlich, genauso wie Kaká, auch wenn nur mittels Elfmeter. Di Maria netzte zum 3:0 ein und zeigt abermals seine individuelle Klasse und die bestechende Technik. Endlich ging es wieder zurück in die Heimat, wo nach ein paar Tagen Pause, die letzten Trainingseinheiten durchgeführt werden sollen, um am kommenden Samstag gegen Barça topfit und bereit zu sein, nach 12 Jahren wieder die spanische Supercopa zu gewinnen.
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Wie wichtig eine Vorbereitung ist, lernt man schon in der Jugend und auch diese „Pretemporada“ konnte dem Trainer der Königlichen, José Mourinho Aufschluss darüber geben, wer, wo, wie spielen wird in der nächste Saison. Ein Benzema hat dem Trainer zum Beispiel eindeutig und sehenswert bewiesen, dass er
physisch und auch
psychisch zu 100 Prozent fit ist und als „Stamm-Neuner“ für die Merengues Geschichte schreiben will. 7 Testspiele, 8 Tore. Die Zahlen sprechen für ihn. Und was ist mit „El Pipita? Der Argentinier hat es schwer, hat er sich doch noch immer nicht von seiner Verletzung erholt, bei seinen Einsätzen zuletzt nicht genug Abgebrühtheit vor dem Tor gezeigt. Die Abwehr scheint jedoch insgesamt souverän und abgeklärt, nur fünf Gegentore sind zu verzeichnen. Varane, Arbeloa, Albiol und Nacho zeigten immer wieder, dass Mou in der Not auf sie zählen kann. Am kommenden Samstag könnte dies schon eintreten, denn der 25-jährige
Sergio Ramos klagt wieder über seinen Rücken und wird wahrscheinlich gegen die Katalanen ausfallen.
Schade: Der Ex-Dortmunder und deutsche Meister Nuri Sahin konnte noch nicht debütieren, konnte Mourinho noch nicht zeigen, was er drauf hat. Fábio Coentrão dagegen hat mehrfach seine variable Einsetzfähigkeit gezeigt, vor allem aber, weil er auf seiner angestammten Position als Linksverteidiger, einen unumgehbaren Konkurrenten hat: Marcelo. Der kleine Flitzer mit Zahnspange wuchs vergangene Saison über sich hinaus und präsentierte sich auch in der Vorbereitung in Weltklasse-Manier auf der linken Außenbahn, defensiv sowie offensiv. Cristiano Ronaldo? 7 Spiele, 7 Tore. Atemberaubende Finesse und eiskalte Vorstöße. Was bleibt da noch weiter zu sagen? Fast ein viertel Jahrhundert ist es her, dass es bei Real Madrid eine solch fabulöse Vorbereitung gab. In der Saison 1987/1988 gelang den Madrilenen Ähnliches. Sieben Spiele infolge gewann das Team von Trainer Beenhakker, das Achte verloren sie jedoch. Sie schossen 36 Tore, neun mehr als jetzt, kassierten dafür aber 12 Dinger, also sieben mehr. In der Defensive ist Real also noch besser bestückt als je zuvor, mit der Offensive kann man zufrieden sein, auch wenn es laut dem Coach noch einen dritten Neuner benötigt, der vom Spielverhalten noch mehr Technik, Schnelligkeit und Individualität mitbringt...
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