Am morgigen Freitag um 12 Uhr wird die große Tombola in Nyon wieder angeschmissen. Die Trainer der besten 16 Teams Europas lassen sich durch die Hände der Glücksfeen Gianni Infantino, Giorgio Marchetti und Paul Breitner ihre jeweiligen Kontrahenten für die Achtelfinalspiele am 14./15. und 21./22. Februar 2012 zulosen. Doch bevor es dazu kommt, blickt Realmadrid.de noch mal auf eine spektakuläre und goldveredelte Gruppenphase der königlichen Überflieger aus der Gruppe D zurück.
Jubel über die historische Gruppenphase - Foto: Víctor Carretero, Realmadrid.com
MADRID. Mit einem mageren 0:1-Auswärtssieg beim kroatischen Meister Dinamo Zagreb begann für Real Madrid vor 13 Wochen die 20. Spielzeit in der UEFA Champions League. Wie so oft in den letzten Jahren winkten einem Ajax Amsterdam und der (damals noch) vermeintliche Angstgegner aus Lyon in der Gruppe zu, in der Hoffnung der Millionentruppe Mourinhos einen Dämpfer und Europa eine Überraschung zu schenken. Dass man am letzten Spieltag mit dem eiskalten 0:3-Triumph in der niederländischen Hauptstadt Geschichte schrieb und die beste Gruppenphase abschloss, die sich jemals ein Team in der Königsklasse erzauberte, hätte man nach dem ersten Spieltag sicher noch nicht gedacht.
Der Spielplan:
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Sechs Siege in sechs Spielen haben vor den Königlichen bereits der AC Mailand, der PSG Eindhoven, Spartak Moskau und Erzrivale Barcelona erreicht. Doch mit einem Torverhältnis von 19:2 Treffern stellte man selbst die bisherige Bestmarke Moskaus aus dem Jahre 1995 (15:4) in den Schatten. Noch nie konnte man alle Gruppenspiele gewinnen – und noch nie durfte man 19 Mal jubeln, irre Zahlen! Das bisherige Ultimo Reals stammt aus der 1998/99er Saison, in der es dank Mijatovic, Šuker & Co. 17 Mal in der Gruppenphase rappelte. Und dank der ebenfalls rekord-duftenden nur zwei Gegentore – dieser Bestwert wurde bereits letzte Saison aufgestellt – steht man einen Platz weiter oben auf dem Treppchen als die ewige Messlatte aus Katalonien, für die es ihrerseits „nur“ zu 16 Punkten und 20:4 Toren reichte. Doch so wertlos wie der Ajax-Sieg die 15. Gegnerbezwingung nacheinander bedeutete (Vereinsrekord aus 1961 eingestellt), so wenig kann sich José Mourinho für diese neuen Seiten im CL-Geschichtsbuch kaufen.
Weihnachtsgeschenke? Wie wär's mit Tickets zu den CL-Überfliegern? Denn auch nach einer gegnerzerstörenden Gruppenphase geht es in der kommenden „Best of 16“-Runde in Hin- und Rückspiel Fuß um Fuß ums Überleben gegen die Zweitplatzierten der anderen Gruppen. Die möglichen Kontrahenten: Italiens amtierender Meister AC Mailand, der französische Albtraum des BVB Olympique Marseille, die beiden russischem Teams von ZSKA Moskau und Zenit St. Petersburg, Madrids letzter Finalgegner Bayer Leverkusen und die beiden Manchester-Bezwinger aus Basel und Neapel. Traum- oder Wunschlose sind Vergangenheit, der Weg zu „la décima“ (dem 10. Europapokaltitel für die Merengues) muss über jedes europäische Städtchen bis zum Finalspielort in München führen!
Dass der Kader über jeden Stock und Stein gehen kann, scheint bewiesen. Immerhin fand José Mourinho in diesen 6 Spielen Gelegenheit alle 23 Spieler der ersten Mannschaft mindestens zwei Mal einzusetzen, selbst Pablo Mendes aus der Castilla sammelte im letzten Spiel in Amsterdam seine ersten Königsklassen-Minütchen. Dauerbrenner Xabi Alonso hatte dabei mit 452 Minuten die längste Spielzeit aller Königlichen, dicht gefolgt von Frankreichs Fußballer des Jahres 2011, Karim Benzema(450), und Sergio Ramos (421).
Die Spitzenwerte für das Spitzenteam gehen weiter: Die Blancos haben die meisten abgegebenen Torschüssen – 56! Chelsea und Barcelona folgen mit 53 bzw. 50 Munittionssalven. Insgesamt feuerten jedoch Lionel Messi und Portos Hulk mit 17 bzw. 16 Mal am häufigsten aufs Tor, dicht befolgt von Benzemas 12 Abschlüssen. Diese 12 Torversuche führten Reals Franzosen auch zu 4 Treffern – zu wenig um vor den Torlistenanführer Gomez und Messi mit jeweils 6 Buden zu stehen. Dafür steht Monsieur Benzema bei zwei weiteren Kateogiren auf Platz 2: Er hat eine Torvorlage weniger als der fünf-fache Assistgeber Nicolás Gaitán von Benfica Lissabon. Man fragt sich, was der 24-jährige noch besser oder lernen kann ... die Sache mit dem Abseits! Er verhalf Madrid zu dem Team mit den zweitmeisten Abseitsstellungen: Er wurde 10 Mal zurück gepfiffen, Lyons Gomis 12 Mal. Mourinhos Jungs hingegen mussten insgesamt 26 Mal abdrehen, nur Trabzonspor aus Gruppe B schaffte es auf mehr – 31 Abseitsstellungen für die Türken.
Aber jede geniale Offensivpower hat irgendwo ihre Grenzen, da können die traumhaften Pässe Alonsos, Di Marías & Co. schon mal ein Sekündchen zu spät kommen, Tore durfte das Team dennoch am meisten bejubeln und hat mit 9 Torschützen (Ramos, Khedira, Özil, Callejón, Ronaldo, Kaká, Benzema, Higuaín, Di María) sogar mehr als die ebenfalls offensivfreudigen Barcelona, München und Mailand – nur Chelsea kann ein ebenso erfolgreiches Arsenal aufweisen. Das beeindruckende Powerplay der Merengues lässt sich auch an diesen Kennzahlen deutlich machen: Halbiert man die 45-minütigen Spielhälften nochmals, so gab es 15 Einschläge in des Gegners Tor in den ersten Hälften einer Halbzeit und nur 4 in den zweiten Halbzeit-Hälften – die dafür aber immer kurz vor Abpfiff. Absoluter Torhunger der drittfairsten Mannschaft von Anpfiff an! Bei den Foulspielen hat man nur knapp mehr als Barcelona und Chelsea.
Und wer hätte gedacht, dass José Maria Callejón als der effektivste Stürmer der diesjährigen Gruppenphase gehandelt wird? Er stellte Drogba, Gomez und Messi in den Schatten, in dem er überragenderweise pro Halbzeit ein Tor erzielte – insgesamt konnte der zielsichere Rückkehrer 4 Einschläge auf seinem Haben-Konto verzeichnen.
Der Madridismo wird sich also ab morgen nicht nur auf den kommenden Kontrahenten, sondern vermutlich mehr auf die baldige Fortsetzung des spektakulären Offensivfußballs auf der großen, europäischen Bühne freuen. Die Fortführung geht dann am 14./15. Februar im Bernabéu los und darf am 21./22. Februar hoffentlich in Italien, Russland oder sonst wo mit der Freude über das Erreichen der besten Acht enden. Und dann ist der 19. Mai, der Tag des Finals, auch nur noch wenige Monate und wenige Schlachten hin...
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