Winterpause – die erste Hälfte der Saison 2011/12 ist gespielt, Realmadrid.de nimmt die Leistungen jedes Akteurs genauer unter die Lupe und zieht Bilanz. Teil 1, die Torhüter und Abwehrspieler.
Casillas, in der Hinrunde stets zur Stelle - Foto: Àngel Martínez, Realmadrid.com
Real-Coach José Mourinho betonte schon während der Saisonvorbereitung: „Das zweite Jahr meiner Mannschaften war immer das bessere.“Blickt man auf die aktuelle sportliche Lage der Blancos, scheint „the Special One“ wieder einmal recht zu behalten: Platz eins in der Liga mit drei Punkten Vorsprung auf Barcelona, hinzu qualifizierte man sich in der Champions League für die K.o.-Runde absolut rekordverdächtig und erreichte auch in der Copa del Rey gegen Drittligisten Ponferradina problemlos das Achtelfinale. Auch persönlich lief es für den Großteil der Akteure auf der Torhüter- und den Abwehrpositionen in der Hinrunde der Saison 2011/12 á la bonheur. Die Einzelkritik:
Iker Casillas: Die Nummer 1 und Kapitän bei Real Madrid nahm bis dato nur 15 Gegentore hin. Auch in diesem Jahr glänzte Iker mit seiner Winner-Mentalität und weltklasse Paraden, wie zum Beispiel am letzten Spieltag gegen Sevilla. Der Team-Leader ist nicht nur aufgrund seiner Leistung ein Garant für den Erfolg und die Tabellenführung! Punkte: 10/10
Antonio Adán: Schon zu Saisonbeginn
erklärte Mourinho, im Pokal auf Adán setzen zu wollen und Casillas das eine oder andere Mal pausieren zu lassen. Der 24-Jährige hütete nicht nur in den beiden Pokalspielen gegen Ponferradina das Tor, sondern durfte er sich auch nach der sicheren Qualifikation für das CL-Achtelfinale gegen Dinamo Zagreb und Ajax Amsterdam beweisen. Er brachte zudem den neuen Zu-Null-Rekord im Pokalrückspiel über die Runden und hielt insgesamt zwei Mal seinen Kasten sauber. Alles in allem kann man mit der Nummer 2 zufrieden sein, sportlich gesehen vermisst zumindest keiner mehr einen Jerzy Dudek. Weitere Einsätze wird es auch in der Rückserie für Adan geben, auch wenn selbstverständlich kein Weg an „San Iker“ vorbeiführt. Punkte: 7/10
Ricardo Carvalho: In den ersten Saisonwochen der wie gewohnt zuverlässige Verteidiger im Zentrum neben Pepe, doch seit Ende September bekommt der Portugiese aufgrund seiner Verletzungen kein Bein mehr auf den Rasen. Dazu fiel der Routinier durch den
öffentlichen Streit mit Nationaltrainer Paulo Bento negativ auf. Ob ihm auch Sergio Ramos den Rang in der Innenverteidigung abgelaufen hat? Es kann nur besser werden. Punkte: 4/10
Pepe: In den Zweikämpfen nicht mehr derartig rustikal, wie noch im Vorjahr. Hielt den Angriffen der Gegner meist stand, verlieh der Abwehr viel Stabilität und traf vorne bereits einmal selbst. Der Dauerbrenner (1124 Spielminuten) mit guten Leistungen in der ersten Saisonhälfte, wackelte jedoch das ein oder andere Mal im Clásico. Punkte: 8/10
Sergio Ramos: Ein großer Gewinner der Hinrunde. Rückte nach dem Ausfall Carvalhos von der rechten Seite ins Abwehrzentrum – und ist von dort überhaupt nicht mehr wegzudenken. Starkes Zweikampfverhalten, starkes Stellungsspiel, starkes Aufbauspiel! Einziger Kritikpunkt: Auch gegen Barça ließ Sergio jegliche Souveränität aus den vergangenen Partien vermissen. Dennoch sprechen sich viele Madridistas bereits für den Innenverteidiger Ramos aus. Ob Mourinho dauerhaft daran festhalten wird? Vorstellbar ist es allemal. In 15 von 16 Ligaspielen über 90 Minuten auf dem Platz. Punkte: 9/10
Dazu:
Ramos, der Innenverteidiger aus Gold
Marcelo: Der Spaßvogel und Kabinenclown schlechtin, aber auch der unangefochtene Leistungsträger. War Marcelo vor der Ära Mourinho nicht wirklich mehr als ein vielversprechendes Talent, blühte er unter dem Portugiesen so richtig auf und entwickelte sich auf dem Platz zum todernsten Abräumer. Sowohl im Defensivbereich, als auch im Offensivspiel ist mit dem quirligen Brasilianer zu rechnen. Eine feste Größe eben, auch trotz der Verpflichtung eines Coentrãos. Punkte: 8/10
Fábio Coentrão: Stark bemühten sich die Offiziellen Madrids im Sommer um die Dienste desvariablen Portugiesen.Der 30 Millionen Euro schwere Neuzugang sollte den Konkurrenzkampf auf vielen Positionen hoch halten und selbst für mächtig Dampf auf links sorgen. Es gelang ihm in gemäßigtem Maße. In der Vorbereitung und zu Saisonbeginn konnte der quirlige Kämpfer einen guten Eindruck hinterlassen, geriet dann jedoch gegen Khedira und Lass ins Hintertreffen. Auf der Linksverteidigerposition ist ihm Marcelo voraus, weshalb Mourinho ihn eher im Mittelfeldzentrum oder sogar auf der rechten Abwehrposition einsetzt. Gute und vielseitige Ergänzung für die Mannschaft, doch der Durchbruch blieb bisher aus. Im Clásico unauffällig und auf der rechten Seite ziemlich überfordert. Punkte: 6/10
Álvaro Arbeloa: Profitierte vom Wechsel Sergio Ramos ins Abwehrzentrum, der Nummer 17 gehörte die rechte Abwehrseite über weite Strecken der Hinserie. Insgesamt ein zuverlässiger und guter Spieler, in Sachen Offensive könnte es jedoch noch ein paar mehr Vorstöße von ihm geben. Punkte: 8/10
Raúl Albiol: Kommt nur noch in "kleineren" Spielen zum Einsatz und zählt sozusagen zur zweiten Garde. Hat unter Mourinho seinen Stammplatz endgültig verloren und scheint sogar gegen den 18-Jährigen Varane das Nachsehen zu haben. Wenn Albiol jedoch mal spielt, dann auch meist souverän. Punkte: 5/10
Raphaël Varane: 10 Millionen Euro für einen 18-jährigen Grünschnabel? Viele Madridistas runzelten bei diesem Transfer mehr als nur einmal die Stirn. Na gut, eine Empfehlung Zinédine Zidanes wird wohl was auf dem Kasten haben und in der Tat
überzeugte Varane in seinen Einsätzen sowohl Fans als auch Mourinho, der vor wenigen Tagen prophezeite: „Varane wird mit 20 Jahren Stammspieler sein.“ Der „Abwehrbubi" geht in der Defensivarbeit mit einer Coolness zu Werke, wie man sie selten gesehen hat. Besser hätte sich ein 18-Jähriger den Start beim größten Verein der Welt nicht vorstellen können. Punkte: 8/10
Teil 2: Bewertung der Mittelfeldspieler und Angreifer!
Die Defensive stand in der Hinrunde. Schlucken musste man in Liga, Pokal und Champions League nur in 23 Spielen nur 18 Tore! Ein entscheidender Faktor war besonders das Innenverteidigerduo Pepe-Sergio Ramos. Selten stand man so enorm kompakt, selten stand der Defensivverbund so sicher. „Never change a winning team“, lautet ein berühmtes Credo. Ob Mourinho also weiterhin auf die Abwehrformation bauen wird, wenn beispielsweise ein Ricardo Carvalho nach der langen Verletzung zurückkehrt? Bei ihm ist in dieser Saison besonders viel Luft nach oben, ansonsten kann der Madridista mit allen Akteuren soweit zufrieden sein. Varane überrascht die Massen, Coentrão könnte wohl überall ran, außer im Tor und ein Arbeloa erledigt seinen Job auch immer solide. Von Casillas ganz zu Schweigen. Bleibt der einzig negative Kritikpunkt: im Clásico wackelte die Abwehr das eine oder andere Mal kräftig. Bekommt man in den großen Spielen auch dies hundertprozentig in den Griff, wird's schon was mit den ganz großen Titeln, denn schließlich heißt es so schön: „Mit dem Angriff gewinnt man Spiele, mit der Abwehr Meisterschaften...“
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