Für viele Anhänger Real Madrids kommt dieser Abschied, wie auch der scheinbar nicht zu vermeidende von Raúl, zu früh: Guti verlässt die große Bühne Madrid, die „magische 14“ wird nie wieder das weiße Trikot überstreifen! Dies bestätigte das 33-jährige Urgestein auf seiner letzten Pressekonferenz als „Blanco“...
Es geht ein großer Mann, ein Vorbild und Idol für die zukünftige Generation, eine Legende des besten Klubs des 20. Jahrhunderts. José Maria Gutierrez Hernandez verabschiedete sich auf seiner letzten Pressekonferenz vom Madridismo. Schon zu Beginn der Rede war klar: Der 33-Jährige verkündet seinen Abschied vom spanischen Rekordmeister! Hinter dem Spieler waren, ähnlich wie vor rund einem Jahr bei Michel Salgado, alle seine gewonnenen Trophäen aufgestellt. 24 Jahre lang, seit seinem neunten Lebensjahr, spielte und liebte Guti Real Madrid. 15 Spielzeiten erlebte der „Blondschopf“ sogar in der Profimannschaft. Real und Guti, das passt, das ist eine Geschichte für sich. Umso schwerer fällt auch der Abschied: „Hiermit will ich allen danken. Es ist mir nicht leicht gefallen, jetzt zu gehen. Ich möchte Real Madrid danken. Für mich war es eine Etappe voll schöner, aber auch komplizierter Momente. Ich bin hier aufgewachsen, 24 Jahre spiele ich nun schon hier, davon 15 Jahre lang in der Profimannschaft. Ich werde immer noch weiter Fußball spielen, aber nicht hier. Das ändert jedoch nichts daran, dass Real Madrid für immer in meinem Herzen bleiben wird. Ich gehe, aber mein Herz, mein Zuhause, alles bleibt hier.“
Allen voran bedankte sich die „legendäre 14“ bei all denjenigen, die ihn immer unterstützt haben. Ob seine Familie, seine Freunde, oder die Zuschauer im Bernabéu, die den Mittelfeldmann in den letzten Jahr stets als Publikumsliebling sahen und ihn nicht nur wegen seiner traumhaften Pässe, sondern auch wegen seiner Treue zum Verein in ihr Herz schlossen. „Ich gehe mit dem Wissen, dass mich die Fans lieben und der Madridismo mich in Erinnerung behalten wird, was für mich persönlich sehr wichtig ist. Ich will allen danken, die mich immer unterstützt haben und an meiner Seite standen, die immer für mich da waren, ob meine Familie, besonders meine Frau und Kinder, oder auch meine Freunde und Fans. Es war eine tolle Zeit“, erklärte er mit feuchten Augen.
Guti wurde desöfteren kritisiert, sich zu sehr mit den Fans, vor allem den Ultras, identifiziert zu haben. An seinem letzten Spiel im Bernabéu, gegen Athletic Bilbao, lief der Akteur nach dem Spiel eine Ehrenrunde und nahm einige Fans der Südtribüne sogar herzlich in den Arm. „Wir hatten große Zuneigung zueinander. Sie haben mich immer unterstützt und wir haben großartige Momente in all den Jahren erlebt.“ Fortan werden im Bernabéu jedoch keine Schlachtrufe mehr für Guti zu hören sein. „Das waren großartige Erlebnisse. Und diese Etappe, diese Ära in diesem Verein war wundervoll, doch diese Geschichte geht nicht zu Ende. Ich hoffe, schon bald in meine Heimat zurückkehren zu können“, so der 33-Jährige. Ähnlich wie Zinedine Zidane, will auch Guti ein Posten im Verein übernehmen. Ob bei den Profis oder bei im Jugendbereich.
Doch genau hat sich Guti darüber noch keine Gedanken gemacht. Wohin zieht es den Linksfuß überhaupt? Zuletzt berichtete man von einem Transfer zu Besiktas Istanbul. Fakt ist jedoch, dass bisher nur der Vertrag bei Real Madrid aufgelöst ist. „Es gibt noch keine Einigung mit Besiktas. Bislang ist nur der Vertrag mit Real Madrid aufgelöst. Ich habe zwar ein sehr gutes Angebot, aber es gibt noch einiges zu klären. Aber es geht schon in die Richtung, besonders weil Bernd Schuster dort Trainer ist“, gab er zu Protokoll. Probleme gibt es offenbar wegen der Ausländerregelung in der Türkei: Ein Klub der Süper Lig darf maximal zehn Ausländer unter Vertrag haben, bei Besiktas sind es derzeit sogar elf. Ein Duo müsste gehen, damit ein Platz für Guti frei wird. „Wir werden sehen, was in den nächsten Tagen passieren wird“, so der Ballkünstler.
Was sind jedoch die wahren Gründe für einen Wechsel? Wieso konnte Guti nicht noch das letzte Jahr beim spanischen Rekordmeister bleiben? Viele Fans verstehen nicht, warum er schon jetzt geht. „Wenn mich die Anhänger vermissen, dann sagt mir das, dass ich hier etwas erreicht und getan habe. Ich habe gute Arbeit geleistet, und auch ich werde Real Madrid und seine Fans vermissen. Irgendwann geht eine Etappe immer zu Ende. Hier wird eine glorreiche Etappe beendet. Es ist an der Zeit, den Jüngeren Platz zu machen. Es wird irgendwann auf jeden Menschen eine schwere Entscheidung zukommen - heute erlebe ich meine: Real Madrid zu verlassen“, versuchte er zu erklären.
Eine Einigung über einen Abschied sei übrigens ohne José Mourinho gefällt worden: „Ich habe nur mit Jorge gesprochen und wir beide sind am Ende zu dem Entschluss gekommen, dass es das Beste für mich ist, jetzt zu gehen. Es ist nicht leicht, von einem Klub wegzugehen, bei dem du 24 Jahre gespielt hast. Es wird für mich immer ein trauriger Moment sein, am Wochenende nicht das weiße Trikot überzustreifen. Ich habe diesem Verein mein halbes Leben zu verdanken. Mit 9 Jahren kam ich hierher, hatte mich immer durchgesetzt und gekämpft. Jetzt bin ich 33, eine Ära geht zu Ende. Es ist wichtig, den Leuten und der nächsten Generation diese Werte mitzugeben und zu übertragen. Es soll weiterhin für jeden kommenden Spieler eine Ehre sein, das weiße Trikot zu tragen.“
Guti gab weiter zu wissen, dass das letzte Wort wirklich er, und nicht der Generaldirektor oder Präsident sprechen durfte. Auch dem „Fußball-Genie“ ist klar geworden, dass die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld zu groß wurde und er möglicherweise nur noch selten zum Einsatz gekommen wäre. „Die Entscheidung hing ganz von mir. Ich kenne Jorge Valdano schon lange, durch ihn schaffte ich den Sprung in die erste Mannschaft und wir haben eine gute Beziehung zueinander. Er verstand mein Anliegen und so kam es zu einer Einigung. Niemand wollte mir Steine in den Weg legen. Außerdem ist das ja keine Trennung. Auch in der Zukunft will ich für den Klub tätig sein. Mein Ziel ist es nun, ohne diesen großen Druck meine Karriere woanders ausklingen zu lassen. Ich werde auch bei meinem kommenden Arbeitgeber versuchen, alle Fans glücklich zu machen.“
Auch Freund und Kollege Raúl steht kurz vor einem Abschied aus Madrid. Der Rekordtorschütze macht ebenso wie Guti Platz für den Beginn einer neuen Ära. Was meint der Blondschopf zu dem scheinbar unvermeidbaren Wechsel Raúls Richtung Schalke 04? „Raúl ist ein anderes Thema, das ich eigentlich nicht näher kommentieren möchte. Es wird ein Zyklus, eine Generation, eine Ära zuende gehen. Ich persönlich bin froh, dass ich hier sein durfte. Dieser Verein ist ein großartiger, der Weltstars einkaufte und große Spieler aus dem eigenen Hause erschuf.“
Gleichzeitig appellierte der Spieler an den Klub, auch in Zukunft mehr auf die Jugend zu setzen. Bislang gibt es noch keinen Nachfolger Raúls oder ein Nachfolger Gutis aus der Cantera. „Es gibt so viele Talente in dieser Jugendabteilung. Ich bin froh, dass ich es damals geschafft habe, mich über Jahre hinweg dort zu beweisen. Ich warte auf meinen Nachfolger, der hoffentlich jahrelang diesen Platz einnimmt, den ich hinterlasse.“
In naher Zukunft hofft Guti jedoch auf einen großen Erfolg seiner (ehemaligen) Mannschaftskollegen. Er sieht das Potential für glorreiche Momente wie 1998, 2000 oder 2002 - vor allem unter José Mourinho. „Er kann hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen und viele Titel gewinnen. Ich glaube daran und würde es den Jungs von ganzem Herzen gönnen. Dies ist ein großartiges Projekt mit einem großartigen Trainer.“
Aber hätte Guti überhaupt zu Mourinho gepasst? Schwierige Charaktere kamen nie gut mit dem Portugiesen zurecht - und Guti gilt bekanntlich als „Diva“. Seine Spiele lagen in seiner Zeit bei Real Madrid zwischen Genie und Wahnsinn, seine „Ausraster“, ob auf dem Rasen, der Ersatzbank oder auf der Pressekonferenz, waren legendär. Der 33-Jährige zu seinen „Fehlern“: „Es wäre doch falsch, mich nach all den Jahren zu kritisieren. Ich war nie pflegeleicht, das sehe ich selbst ein. Aber solche Charaktere brauch eine Mannschaft, wir hatten immer viel Spaß über all die vielen Jahre. Was passiert ist, kann man nicht ändern und sich Vorwürfe zu machen, bringt auch nichts. Ich war nicht immer auf dem beruflichen Niveau, aber trotzdem war ich ein absoluter Sportsmann. Und mir jetzt Gedanken zu machen, was ich alles falsch gemacht habe, würde sich sicher nicht lohnen.“
Oft galt Guti als Außenseiter, besonders zu Zeiten der Galaktischen um Zidane, Figo, Ronaldo und Co. Der Blondschopf saß oft nur auf der Bank, die Fans mochten ihn nicht und der ein oder andere Trainer kam nicht mit ihm klar. „Ich musste mir den Respekt erkämpfen. Es war nicht immer leicht, aber dafür hatte ich Familie, Freunde und Mannschaftskollegen. Natürlich hätte ich gerne öfter gespielt, das will jeder. Ich wäre gerne entscheidender gewesen, aber so verbleibe ich trotzdem glücklich mit all den gewonnenen Titeln.“ Zu seiner Trophäensammlung zählen fünf gewonnene Meisterschaften, drei Champions League-Titel, zwei interkontinentale Titel, ein internationaler Supercup und vier nationale Supercups.
Am Ende der Pressekonferenz fragte ein Reporter, warum Guti denn nicht verbittert in Tränen ausbrach. Zu Beginn hatte er kurz Tränen in den Augen, danach blieb der Spieler relativ „cool“ und gelassen. Diese provozierende Frage beantwortete Guti mit genau der Art, wie in all den Jahren zuvor - frech und attraktiv: „Ja stell dir vor, ich bin ergriffen. Aber ich bestehe nun einmal darauf, dies nicht in aller Öffentlichkeit so zu zeigen. Meine Familie, meine Freunde und Mannschaftskollegen wissen, wie es mir innerlich geht. Es ist egal, wie du deine Gefühle zeigst. Hauptsache du zeigst welche..“
Zum Abschluss kam auch Generaldirektor Jorge Valdano zum Wort. Im Jahre 1995 war er es nämlich, der Guti den Sprung in die erste Mannschaft gewährte. Er zog ihn hoch, er entdeckte das unglaubliche Talent und war stets gut mit ihm befreundet. Der Argentinier zum Abschied Gutis: „Das ist ein trauriger Moment für uns alle. Guti war 24 Jahre bei diesem Klub und 15 Jahre in der ersten Mannschaft. Er ist ein spezieller , einzigartiger und besonderer Spieler, er ist Kult. Er verlässt uns und wir danken ihm für alles, was er für uns getan hat. Real Madrid ist ihm für all seine Dienste dankbar. Er ist und bleibt einer von uns, immer!"
Realmadrid.de sagt: Gracias por todo, Guti!
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