Auch der zweite Spieltag der diesjährigen Champions League-Gruppenphase, sollte von Real Madrid ohne große Komplikationen gemeistert werden, so gewannen die „Königlichen“ in Frankreich mit 0:1! Der Schein jedoch trügt, so offenbarten die defensivstehenden Franzosen schamlos die Schwächen der Mourinho Truppe, die dank des Treffers von Di María nur mit einem blauen Auge und nicht mit Punktverlusten davon kam!
Sollte sich vor einer Partie doch alles um das Ergebnis drehen, standen in diese Falle Personalentscheidungen vor, während und danach im Mittelpunkt! Mourinho schmiss im Vorfeld Pedro León aus dem Kader, motzte sich gehörig in den Drei-Tage-Bart und verschaffte Benzema die so langersehnte Chance seinen Nebenbuhler Higuaín auszustechen!
Zum Thema:
„Mou“ schmeißt Pedro León aus dem Kader! - Benzema spielt von Beginn!
Taktisch überraschte der Portugiese mit einer auf den ersten Blick defensiven Variante. Nachdem Carvalho in der letzten Sekunde mit Sprunggelenksproblemen ausfiel, sollte es Sergio Ramos neben Pepe in der Innenverteidigung richten. Marcelo und Arbeloa komplettierten die Defensive vor Torwart Iker Casillas. Im zentralen Mittelfeld durfte der Deutsche Khedira den Abräumer spielen, Xabi Alonso versuchte als erste Anspielstation und Fixpunkt im Spiel der „Blancos“ die Bälle zu verteilen und Lass Diarra sollte seiner Rückennummer gerecht werden und nach vorne hin für Impulse sorgen. Ronaldo auf dem Flügel, Benzema im Angriff und… und nicht etwa oder… Gonzalo Higuaín.
Die Franzosen nach schwachem Ligastart bemüht mit ihrer Heimkulisse im Rücken ab Anpfiff an, defensiv stark zu stehen und den Angriffen der Gäste zu Trotzen. Die Spielkonzepte zogen sich durch die 90 Minuten wie ein extremst langer Faden, Madrid bemüht kontrolliert und intensiv zu spielen, Auxerre stand tief und auf Konter ausgerichtet, über Passgeber und Kapitän Pedretti und die Spitzen Jelen und Oliech.
Ein zwar engagierter aber blasser Ronaldo versuchte es aus der Distanz, Lass Diarra mit umwerfender Dynamik aus dem Zentrum und Higuaín hatte die Führung nach einer Ecke auf dem Fuß - bezeichnenderweise jedoch keine erspielten Möglichkeiten! Die Abwehr der Franzosen entpuppte sich als engmaschiges Fischernetz, ein „Madrilene“ ging immer ins Netz, so war eine Mittelfeld- und Pressingschlacht angerichtet. Doch auch die Franzosen waren nicht ungefährlich, ein Kopfball an den Pfosten, nachdem Khedira sich hat abhängen lassen, hätten ebenso die Führung bedeuten können. Unter dem Strich, war das Chancenverhältnis pari, die Spielanteile doch ganz klar auf Seiten der Spanier. Interessant und besorgniserregend zugleich: Weder konzeptionelle, noch spielerische Ideen wollte dieses Madrid preisgeben, um Antworten gegen dieses Abwehrbollwerk zu liefern. Im Fachjargon spricht man von Ideenlosigkeit, man durfte gespannt auf die zweiten 45 Minuten sein.
Die zweite Halbzeit sollte dem Bild jedoch noch eine Extreme verschaffen. Handball mit Fuß, Strafraumeckspiele und Sprintstarke Innenverteidiger aus Madrid prägten das Bild. So sehr man auch versuchte mit Ballstafetten, über Xabi Alonso und Co. das Spielfeld groß zu machen, um Lücken zu reißen, so sehr artete dieses Szenario zu einem Geduldsspiel und Quergeschiebe der unansehnlichen Art und Weise aus.
Mourinho hatte in der 58. Minute genug von Benzema gesehen und brachte Özil. Die Kamera war stets auf den Franzosen gerichtet,
der Tore versprach, jedoch keine Schoss. Jede Aktion wurde kommentiert und unter dem Gesichtspunkt „ist er nun besser, als Higuaín“ bewertet. Das Fazit? Man weiß es nicht! In jedem Falle beweglich und anspielbereit, aber meist auf dem Flügel auf verlorenem Posten und nicht dort, wo ein Stoßstürmer stehen sollte, ist eine Aussage über dessen Treffsicherheit schlichtweg unmöglich. Bedröppelt suchte er auf der Bank die „französischsprachige Nähe“ von Diarra, der sich um seinen Kamerad kümmerte. Ob Mourinho ihm nun den mentalen Zahn gezogen hat, wird man in der kommenden Woche sehen...
Durch die Hereinnahme von Özil versuchte der Coach die Kreativität zu steigern, doch erst mit dem genialen Wechsel in der 72 Minute, als er den gelb-rot gefährdeten Kämpfer Lass Diarra runter nahm und den hyperagilen Di María brachte, änderte sich der Spielverlauf. Madrid nun unausrechenbarer, was sich bezahlt machen sollte. Der Argentinier war es der die Führung bescherte und mit seinem Tor, die permanenten Anläufe belohnte! Der Treffer ein Sinnbild der Spielweise: Di María von links den Ball zu Alonso, der Spanier über Khedira raus auf rechts, Ramos mit interessanter „Hand-Stopp“ Strategie den Ball noch weiter raus auf Özil, der mit seinem schwächeren rechten Fuß in der Mitte Higuaín suchte, doch „glücklicherweise“ verpasste er, Ball also wieder auf links, wo wiederholt Di María stand – Ballannahme, trockener Linksschuss ins Glück, kurz gejubelt und dann richtig! Gespielt waren 82 Minuten und Mourinho macht das, was ein Trainer aus der Italienischen Seria A als Handwerkszeug mitbringt: Stürmer raus, Diarra als Defensivspezialist rein! Die Franzosen nun mit der Brechstange, doch die Abwehr hielt, auch wenn ab und an der Schrecken in die Glieder fuhr und die Kaugummi-Kaufrequenz der „mourinhoschen“ Kauleiste anormale Taktfrequenzen aufwies!
Der Schiedsrichter pfiff ab, Madrid in seinen
neuen violetten-Jerseys freute sich, die 6 Punkte nach 2 Spielen waren im Kasten! Die Lehren des Spiels stehen jedoch auf einem anderen Blatt. Aus 4-3-3 mach 4-3-1-2, oder bei Bedarf auch noch die hübsche Variante mit 4-2-3-1, Taktik- Fetischisten kamen auf ihre Kosten. Doch was sich Mourinho auch situationsbedingt überlegte, es war teilweise erschreckend, wie schwer sich die Mannen taten, einen nicht mit überragenden Einzelspielern gesegneten Gegner, spielerisch zu überwinden. Ideenlos, teilweise hilflos Xabi Alonso suchend und treu dem Motto, wir rennen über außen, evtl. klingelt´s dann im Zentrum, versuchte man es - bei di María darf man sich bedanken, dass es auch klappte.
Durch das Remis im Topspiel der Gruppe des AC Milan in Amsterdam, kann Madrid mit einem Sieg im Spitzenspiel gegen die Italiener am 19. Oktober mit 9 Punkten den Einzug ins Achtelfinale so gut wie dingfest machen.
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Anstoß: 28. September 2010, 20:45 Uhr
Stadion: Stade de l'Abbé-Deschamps (22.000 Plätze)
Auxerre: Sorin; Hengbart, Coulibaly, Grichting, Dudka; Contout (Jelen, m.46), Pedretti, Ndinga, Langil (Traoré, m.78); Chafni (Quercia, m.88) und Oliech.
Real Madrid: Casillas; Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos, Marcelo; Khedira, Xabi Alonso, Lass Diarra (Di María, m.72); Higuaín (M.Diarra, m.85), Benzema (Özil, m.58) und Cristiano Ronaldo.
Tore: 0-1, m.81: Di María
Schiedsrichter: Claus Bo Larsen (Dänemark)
Gelbe Karten: Jelen und Traore (Auxerre); Cristiano Ronaldo, Sergio Ramos yund Lass Diarra (Real Madrid)
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