„Florentino Pérez‘ Worte wurden von minutenlangem Applaus von den Vereinsmitgliedern bestätigt“, hieß es von offizieller Seite aus nach der gestrigen Jahresmitgliederversammlung des spanischen Rekordmeisters. So prachtvoll das königliche Logo auf der Leinwand glänzte, so verheißungsvoll der Präsident von einer goldenen Zukunft sprach, war es in Wirklichkeit allerdings nicht. Realmadrid.de gewährt einen Blick hinter die Fassade und kommt zu dem Schluss, dass sich sogar im Lager der Merengues schon eine Fraktion gegen den Klubchef und insbesondere gegen den Trainer zu bilden scheint...
Verteidigte seinen Trainer gegen Kritik, Florentino Pérez - Foto: Ángel Martinez, Realmadrid.com
MADRID. Es ist eine Tatsache, dass Florentino Pérez am gestrigen Sonntag den „Socios" erfolgreiche Statistiken, beziehungsweise Ergebnisse präsentieren konnte. Erfolgreiche Zahlen, die Real Madrid zu einem finanziell noch stärkeren und populäreren Klub machen. Zweifelsohne konnte man dem Wirtschaftsexperten und Baulöwen zu dieser Entwicklung nur gratulieren. Es ist jedoch auch eine Tatsache, dass Florentino Pérez am gestrigen Sonntag den Mitgliedern Rede und Antwort bezüglich José Mourinho stehen musste. Ein Thema, das von offizieller Seite aus überhaupt nicht erwähnt wurde. Verständlicherweise, denn niemand möchte Probleme öffentlich machen...
Zum Nachlesen:
Florentino Pérez auf der Mitgliederversammlung 2011
Realmadrid.de will seinen Lesern allerdings nicht vorenthalten, was neben der offiziellen Berichterstattung auch geschah. Denn wer von einem hundertprozentigem Rückhalt für Mourinho ausging, der täuschte sich. Denn „nur" 95 Prozent der Teilhaber grantierten ihm ihre Unterstützung. Eine gut aufgestellte Truppe von „Abtrünnigen", die ihre Gefolgschaft verweigern, hat sich bereits formiert. Florentino Pérez hat sich also nicht grundlos für den Trainer ausgesprochen und ihn mit allen Mitteln verteidigt. Zuvor kritisierten nämlich einige Mitglieder – am Ende dann insgesamt fünf Prozent – den 48-jährigen Coach. Grund: Das Image von Real Madrid leide unter ihm. Der Leitwolf der „Anti-Mourinho-Fraktion“: Eugenio Martinez Bravo. Der „Socio" número 16.331, der im Sommer 2009 bei den Präsidentschaftswahlen kandidierte, scheiterte und sich deshalb logischerweise gegen die Pérez'sche Vereinspolitik ausspricht, eröffnete die Debatte gegen „the Special One“. Seiner Meinung nach sei es eine Schande, dass ständig mit den Schiedsrichtern ins Gericht gegangen werde und die Schuld an schwachen Ergebnissen stets nicht bei sich selbst, sondern bei anderen gesucht werde. „Das entspricht nicht den Werten dieses Vereins“, urteilte Bravo. Ihm pflichtete Rafael Valero, „Socio" número 13.447, bei: „Ich zweifle nicht daran, dass Mourinho der beste Trainer der Welt ist, aber unsere Politik darf es nicht sein, ihm die absolute Macht zu geben. Unser Bild außerhalb Spaniens wird momentan von Mourinhos Daumen im Auge Vilanovas bestimmt. Unsere größten Schätze sind unser Bild und unsere Werte. Mourinho diese Macht zu verleihen, ist nicht der richtige Weg. Man kann zwar einen Tiger als Maskottchen haben, aber man muss aufpassen, dass man ihn noch kontrollieren kann. Unser Trainer ist kein Madridista, sondern Mourinista“, so Valero in Bezug auf Mourinhos Tätlichkeit im Clásico gegen Barcelonas Co-Trainer.
Aus dem Archiv:
Die „Fingerattacke" gegen Vilanova
Pérez erklärte daraufhin, dass der Portugiese nur die Interessen des Klubs verteidigen wolle. Wie die AS schreibt, entwickelte sich nach diesen Worten dann ein noch schärferer Disput. „Ob er damit wirklich unsere Interessen vertritt? Real Madrid hat sich niemals so sehr über Schiedsrichter beschwert, war niemals so unnachgiebig... was uns groß gemacht hat, wird einfach missachtet. Wenn Real Madrid seine Sachen gut machen würde, dann müsste man nicht immer über die Schiedsrichter sprechen. Es ist traurig, dass die Werte des Klubs nicht akzeptiert werden. Wir hinterlassen überall nur noch verbrannte Erde“, schimpfte Ángel Buitrón, „Socio" número 54.005, der auch noch den von Mourinho „weggeekelten“ Generaldirektor Jorge Valdano in Schutz nahm: „Valdano ist ein großartiger Madridista, der für diese Werte gekämpft hat.
Diese fünf Prozent, die sich gegen den Coach und das „passive und reaktionslose“ Verhalten von Pérez stellten, trafen allerdings auch auf gute Gegenargumente. Die Mehrheit plädierte natürlich pro Mourinho. „Mourinho drückt nur das aus, was viele Madridistas gerne selbst sagen würden. Man kann nicht sagen, dass Real Madrid seine öffentliche Darstellung geändert hat," so Bartolomé Capote, „Socio" número 35.166.
Pérez pflichtete ihm bei und bekräftigte nochmals ausdrücklich seinen Rückhalt für den Portugiesen, nahm ihn vor jeglicher Kritik in Schutz. „Der Verein hat weder an Reputation, noch an sonstigen Werten verloren. Er ist weiterhin der wichtigste Klub der Welt. Genau deshalb sind so viele Menschen daran interessiert, Einfluss zu nehmen und sich zu profilieren. Wir müssen nunmal akzeptieren, dass eine Instituion wie Real Madrid, immer wieder mit allen Mitteln angegriffen wird. Mourinho weiß, dass seine Aktion gegen Vilanova nicht gut war und er entschuldigte sich. Aber ich habe auch nirgends über die Provokationen gelesen, niemand berichtet darüber. Man muss die Augen öffnen und auch der Wahrheit ins Gesicht sehen. Dies hat uns Mourinho gelehrt. Viele Kritiken unserer Mitglieder ähneln denen der katalanischen Sportpresse", so ein für seine Verhältnisse geradezu schäumender Pérez.
Zum Abschluss rechtfertigte der Klubchef nochmals seine Maßnahme, Valdano allen Ämtern zu entmächtigen und
Mourinho als Teammanager zu benennen. „Mourinho ist so stark, dass es absurd wäre, eine schwächere sportliche Führung über ihn zu stellen. Diese Maßnahme macht uns wettbewerbsfähiger. Mich hat im Übrigen der hohe Grad der Identifikation von Mourinho mit dem Verein überrascht."
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