15.12.2011, 11:20
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Formtief ja, Ultimatum nein

Es wäre schlichtweg unseriös, Mesut Özils Leistungen nicht kritisch zu hinterfragen. Zu hoch hing er in seiner ersten Saison selbst die Messlatte. Dem jungen Deutschen daraus jedoch einen Strick für seine weitere Zukunft zu drehen wäre töricht, derartige Informationen zu verbreiten unverantwortlich. Ein Kommentar zur Aufklärung.

Formtief ja, Ultimatum nein

Steht mächtig in der Kritik, Mesut Özil - Foto: Ángel Martínez, Realmadrid.com

Nicht lange ist es her, da wurde Cristiano Ronaldo mit Manchester City in Verbindung gebracht. Der Superstar habe sich damals laut eines Medienberichtes der „Sport“ mit seinem Trainer und Landsmann José Mourinho zerstritten und als Konsequenz in den Büros der königlichen Direktive um eine Auflösung seines Vertrages gebeten. Welchen Wahrheitsgehalt diese Meldungen damals hatten, darf jeder selbst mit einem Blick auf den aktuellen Kader für sich beantworten.

Ähnlich zum Schmunzeln bringt mich aktuell das, was über Mesut Özil berichtet wird. Nach mehreren schlechten Leistungen des deutschen Mittelfeldspielers heißt es nun, Mourinho und Pérez hätten ihm ein „Ultimatum“ bis zum Saisonende gestellt. Bessere er sich nicht, werde er im kommenden Sommer an einen anderen Verein verscherbelt. „Özil spielt auf Bewährung“, titelte alsbald so manches Sportportal im Internet. „Nach der unterirdischen Vorstellung im Clásico droht ihm das Aus.“

Externer LinkUrheber dieser Schlagzeile ist die katalanische Sportzeitung „El Mundo Deportivo“, die gerne dazu neigt, einen Öltank in eine kleine Glut zu kippen oder anders formuliert, Unfug schreibt, wenn es um Real Madrid geht. Gemäß dem Blatt, das dem FC Barcelona überaus nahe steht, müsste sich der spanische Rekordmeister schon längst die Dienste eines Frank Lampards gesichert haben. Laut dessen Berichten müsste auch schon Carlos Tevez mindestens zehn Mal bei den Blancos unterschrieben haben. Oder in die Neuzeit übersetzt: Hans Sarpei wäre laut der „Mundo Deportivo“ ein potenzieller Neuzugang für Real Madrid.

Dabei wollen wir an dieser Stelle nicht so weit gehen, um Vereinen eine gewisse Initiator-Rolle zu zuschieben, jedoch lehrte die Vergangenheit, dass über die Medien – vornehmlich katalanischen Ursprungs – Versuche eine Instabilität an der Concha Espina zu kreieren nicht von der Hand zu weisen sind.

Das wäre auch alles nicht weiter schlimm, würde dies nicht wie auf Befehl angebliche Qualitätsmedien auf den Plan rufen, die ein ums andere Mal in diese Fallen tappen. Nehmen wir an, es würde nicht bewusst in Kauf genommen werden Falschmeldungen zu verbreiten, so könnte die Antwort nach dem Warum nur zwei logische Schlüsse zulassen: Entweder es fehlen ein erhebliches Hintergrundwissen und die Kenntnisse der Zusammenhänge, oder noch gruseliger, es wird einfach unreflektiert übernommen, journalistisches Handwerkszeug mit Füßen getreten. Besonders deutsche Medien stürzen sich mit Vorliebe auf derartige Meldungen und Zitieren frequentiert Berichte, deren Intentionen sie augenscheinlich nicht im Ansatz überblicken.  Naivität oder Kalkül?

Als überzeugter Madridista stört mich bei dieser Thematik am meisten, dass durch dieses unqualifizierte Vorgehen das Image Real Madrids im Ausland geschädigt wird. Die üblichen Vorurteile, bei den Merengues würden ausländische Spieler zugrunde gehen und insbesondere die Deutschen, Sami Khedira und Mesut Özil, bekämen täglich ihr Fett von der Presse weg, keimen wieder auf. Wie viele Mails unsere Redaktion am gestrigen Mittwoch wegen einem möglichen Abschied Özils erhielt, nur weil die sogenannte deutsche „Fachpresse“ sich am Credo „Bad News Sells“ ergötzte, war fast schon rekordverdächtig. 

Um zum Ende zu kommen: Natürlich kann José Mourinho mit der laufenden Saison, die Özil spielt, nicht zufrieden sein. Letztes Jahr begeisterte das Offensiv-Talent, das von Bremen zur iberischen Halbinsel pilgerte, das Bernabéu und avancierte zum Publikumsliebling. Nach den Ronaldo-Trikots verkaufen sich die von Özil mittlerweile am besten. Allerdings wirkt die Nummer 10 heute blass, ausgelaugt und schlichtweg nicht auf der Höhe. Ein Formtief zu haben, gehört aber auch zum Sport und zum Fußball dazu. Das weiß auch Mourinho. Und er weiß auch, welche Qualitäten in seinem Spielmacher schlummern.

„Mesut wird hier alle noch mindestens zehn Jahre glücklich machen“, versicherte Mourinho Anfang 2011 nach einer Gala-Vorstellung Özils gegen den Stadtrivalen Atlético. „The Special One“ wäre ein schlechter Trainer, wenn er nicht auch in schlechten Zeiten zu seinen Spielern stehen würde. Aber Mourinho ist ein guter Trainer, Mourinho ist ein Motivator. Das passende Vorzeigemodell heißt Karim Benzema, der als Fehleinkauf abgestempelt wurde, es dann aber allen zeigte und dank Mou innerhalb einer Spielzeit zum Fußballer des Jahres seiner Heimat Frankreich schaffte. Genauso wird Özil wieder in die richtige Spur finden, sich zurückmelden und das Bernabéu beeindrucken, allen Versuchen zum Trotze, Unsicherheit und Unruhe vom Zaun zu reißen.

geschrieben von Kerry Hau

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