Traditionsgemäß ist das zweite Jahr bei einem großen Verein immer das schwerste. Dies gilt besonders dann, wenn man im ersten als Shooting-Star die Massen mit guten Leistungen überzeugen konnte. Die selbst gelegte Latte schwingt in der Folge als Damoklesschwert über einem. So geht es dieser Tage Mesut Özil, aber auch sein Landsmann Sami Khedira ist nicht vor Schwankungen gefeit. Im Interview mit dem „Kicker“ resümierte er sein persönliches Jahr 2011 und erzählte, an welchem Tiefschlag er besonders knabberte.
Die Konkurrenz schläft nicht, Khedira gibt im Training 100% - Foto: Víctor Carretero, Realmadrid.com
Keine Frage, neben Mesut Özil überraschte Sami Khedira in seinem ersten Jahr nicht nur Fans sondern auch einige sogenannte Experten. Es hätte kaum jemand für möglich gehalten, dass die zwei „Greenhorns“ in dieser neuen, großen Vereinswelt so einschlagen würden. Da ließ sich selbst ein Mourinho darauf ein, den 24-Jährigen Abräumer nach einer Partie als „besten Mann auf dem Platz zu bezeichnen“. 2011 hörte sich das zuweilen anders an, unvergessen
die öffentliche Kritik am Deutschen, nach dessen Platzverweis in Levante. „Khedira und der Schiedsrichter sind hauptverantwortlich“, so Mourinho damals. Welches Fazit zieht nun Khedira selbst? „Es war das Jahr, in dem ich meine Leistung betätigen und mich weiter entwickeln musste. Man sagt, dass das zweite Jahr bei so einem Verein schwer wird, aber ich bin ganz zufrieden wie es lief. Ich denke, ich bin auf einem guten Weg. Zugegeben, ich habe nicht mehr alle Spiele gemacht, da wir wirklich starke Konkurrenz haben, aber wenn ich gut in Form war, dann habe ich auch gespielt. Die Kritiken nach dem Levante Spiel waren keine schönen Momente, ich bin froh, dass ich das überstanden habe.“
Dazu:
Öffentliche Kritik an einzelnen Spielern – Mou wechselt Kurs
Auch kein schöner Moment war die
1:3 Heimniederlage gegen den FC Barcelona. Im Vorfeld war man berechtigterweise extrem optimistisch, schließlich hatte man eine beeindruckende Siegesserie und Selbstvertrauen en masse im Rücken. Doch es kam anders, ein herber Schlag vor den Bug des königlichen Dampfers. Dies gestand auch Khedira unverhohlen ein. „Wir müssen zugeben, dass diese Niederlage sehr an unserer Stimmung und auch an unserem Ego kratzte. Ich habe bis heute noch keine Erklärung dafür gefunden. Jeder, und auch wir, dachten dass wir gewinnen können, darum war dieses Erlebnis auch so schmerzhaft. Aber abgesehen von diesem Spiel haben wir eine unglaubliche Hinserie gespielt und auch gegen starke Gegner souverän gewonnen. In der jetzigen Situation wollen wir nicht nur den Copa del Rey gewinnen, sondern alle anderen Trophäen ebenso.“
Der Clásico war für Khedira in doppelter Hinsicht ein Fiasko. Die Nachricht von Coach Mourinho vor dem Clásico schockte ihn sehr: „Khedira wird nicht spielen, Lass wird auflaufen.“ Gerade bei diesem Spiel musste Khedira auf der Bank beginnen und kam dann in der 63. für Lass, der Gelb-Rot gefährdet war. Es war eine bittere Pille, die der Deutsche schlucken musste. „Das war eine riesen Enttäuschung für mich. Ich habe die ganze Woche hart gearbeitet, um von Beginn an dabei zu sein und glaubte es auch geschafft zu haben, doch dann sagte er mir, dass ich nicht spiele. Aber solche Entscheidungen treffen Trainer und diese muss man manchmal dann auch akzeptieren,“ so der defensive Mittelfeldspieler.
Die Königlichen LIVE erleben, sicher dir jetzt deine Tickets!Der guten Beziehung zu seinem Coach tat dieses Negativerlebnis jedoch keinen Abbruch. Weder seine Meinung bezügliches seines Vorgesetzten änderte sich, noch habe Mourinho seine Haltung verändert. Überraschend gab er an, nun noch sicherer zu sein, dass dieser Trainer der beste der Welt sei. „Nein, nein, Mourinho ist der beste Trainer der Welt. Es hängt nicht an einer Entscheidung, sondern an der täglichen Arbeit. Meine Meinung hat sich nicht geändert. Nach dieser öffentlichen Kritik von Mourinho habe ich mich selbstkritisch hinterfragt und ich war mir bewusst, dass es nicht leicht ist aus dieser Spirale zu entkommen. Ich musste noch härter arbeiten, um das Vertrauen von Mourinho zu gewinnen und habe einige Umstellungen vollzogen, die ihre Wirkung zeigten.“
Dass in Spanien nicht viel vorfallen muss, um die Schlagzeilen zu füllen, erlebte auch er in den letzten Tagen. Von einem Abgang nach Manchester United wurde berichtet und wie das im Zirkus so üblich ist, sprang der eine Gaul dem anderen nach und so nahm das Feuer seinen Lauf.
Schon vor Weihnachten dementierte er diese Spekulationen und wollte abschließend die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, nochmals alle Gerüchte zu zerstreuen. „Ich werde bei Madrid bleiben und das noch sehr lange. An einen Abgang dachte ich und denke ich zu keiner Sekunde nach.“
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