Der wohl schillerndste Außenverteidiger der Klub-Historie, Roberto Carlos, war gestern der Protagonist in der Sendung „Real...“ des vereinseigenen Senders RealmadridTV. Der 38-Jährige sprach über den emotionalen Moment seiner Rückkehr ins Santiago Bernabéu am vergangenen Sonntag, seine bewegte Karriere bei den Königlichen und beurteilte die aktuellen Erfolgsaussichten der Mannschaft.
Bleibt auf ewig Fan der Blancos, Roberto Carlos – Foto: Ángel Martínez, Realmadrid.com
MADRID. Roberto Carlos rannte nicht nur von 1996 bis 2007 seine linke Seite auf und ab, sondern galt damals bereits als Prototyp des heutigen, modernen Verteidigers. Mit seiner Interpretation des Außenverteidigers war seiner Zeit und seinen Gegenspielern meist mehr als einen Schritt voraus und so war es seinen Qualitäten und auch seiner Persönlichkeit geschuldet, dass er elf Jahre lang als nimmermüder Erfolgsgarant galt. Nach seinem Wechsel zu Fenerbahçe Istanbul war es am letzten Sonntag das erste Mal, dass er wieder auf den Rasen des Santiago Bernabéus zurückkehrte – dem Stadion, in dem er seine absolute Blütezeit erlebte. Die Madridistas werden die legendäre Nummer 3 nie vergessen und so war es kein Wunder, dass er herzlichst empfangen wurde. Der Ehrenanstoß unter dem Jubel von 80 Tausend Fans – ein einmaliges Erlebnis, auch für den routinierten Brasilianer: „Es war ein unbeschreiblicher und wichtiger Tag in meinem Leben. Nochmal auf den Rasen des Bernabéus zu treten war eine Freude! Es war grandios und ich möchte mich bei den Fans und Florentino Pérez bedanken. Ich habe zu meiner aktiven Zeit immer versucht, die Menschen zu begeistern und ihnen eine Freude durch mein Spiel zu bereiten und ich glaube, dass während meiner elf Jahre wir alle mehr Freude als Trauer erfahren haben. Es macht mich stolz, dass die Fans mich so in Erinnerung haben und meinen Namen sangen. Und es war einfach toll Freunde aus vergangenen Tagen wieder zu sehen. Dazu konnte ich José Mourinho kennenlernen und auch die aktuellen Spieler, die mir mit sehr viel Respekt begegneten. Es war wirklich ein wunderschöner Tag für mich!“
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Besonders José Mourinho war vom Besuch des heute 38-Jährigen begeistert und ließ es sich nicht nehmen, ihn als erster zu begrüßen. Auch Carlos verlieh seiner Bewunderung für den Starcoach Worte: „Ich habe unter Capello, Del Bosque und vielen mehr trainiert, aber wenn man mich fragt, wer denn der beste Vereinstrainer sei, würde ich sagen: José Mourinho! Jeder Klub und Spieler möchte ihn als Trainer haben. Auch mir würde es gefallen, wenn er eines Tages mal der Trainer des Vereins ist, in dem ich auch arbeite. Er ist ein großartiger Fachmann und hat eine besondere Art und Weise Verantwortung zu übernehmen. Für einen Spieler ist das wichtig. Als man im Clásico verlor, stellte er sich direkt vor sein Team und sprach Klartext. Einige haben ihn dafür kritisiert, aber nur wenige Trainer haben diese Einstellung.“
Fanartikel der aktuellen Stars gibt's bei Subside! Und wie das bei einer Rückkehr immer so ist, erinnerte sich Roberto Carlos an die Anfänge zurück. Damals, als er mit 23 Jahren nach Madrid kam und sein Stern aufging. „Ich wollte immer schon Fußballer werden und fing schon als kleiner Junge an zu spielen. Mein Traum erfüllte sich und nach einigen Stationen kam Capello und der damalige Präsident Lorenzo Sanz und verpflichteten mich. Seit diesem Tag begann meine eigentliche Geschichte als Fußballer. Ich habe meine ganze Entwicklung, auch als Mensch, in diesem Verein gehabt und so viele Träume haben sich hier erfüllt. Es war eine grandiose Epoche, ich konnte mit Spielern wie Ronaldo, Raúl, Beckham, Zidane, Karembeu, Makélélé, Illgner, Seedorf... spielen. Ich erinnere mich, dass ich am ersten Tag direkt zur Cibeles ging, durch den ganzen Verkehr. Ich wollte sehe, wo die Titel gefeiert werden. Und wir durften danach noch so oft dort sein, was für Momente wir erlebten. Ich kann gar nicht sagen, welcher Tag der schönste war. Ob die Reisen durch Spanien, durch die ganze Welt... jeder Tag war für mich ein Freudentag“, so ein dankbarer Carlos, der im Anschluss eine Anekdote erzählte, die einmal mehr verdeutlicht, warum er seinerzeit und auch heute noch von seinen Wegbegleitern so geschätzt wird: „Es war eine besondere Situation. Iker kam im Champions-League-Finale in Glasgow von der Bank und hat unfassbare Paraden gezeigt, die uns den Sieg brachten. Er war aufgelöst und weinte ganz alleine im Bad sitzend, aber ich wollte ihn trösten und ihn zum Feiern animieren. Ich sagte ihm: 'Iker, wir haben einen großen Titel gewonnen, der wichtig für diesen Verein ist, komm' und feier mit uns.' Ich bin auch durch solche Situationen gegangen, in denen du einfach nur noch aus Freude weinst, daher konnte ich mitfühlen. Also setzte ich mich zu ihm.“
Früher noch mit Weltstars auf dem Platz, jetzt als Fan vor dem Bildschirm – welch eine Umstellung. Doch ob auf dem Platz, auf der Tribüne oder vor dem TV, ob in Russland oder Madrid, Robertos Herz wird immer an den Königlichen hängen! „Natürlich hat man nun eine andere Wahrnehmung. Als Spieler Madrids lebst du alles sehr intensiv, aber bist natürlich auch derjenige, der Einfluss nehmen kann. Als Fan siehst du es von außen und leidest und freust dich mit. Wenn Benzema den Ball hat, rufst du vor dem TV 'schieß doch', man leidet mehr, weil man selbst nichts machen kann, außer zuzusehen. Dieser Verein ist und wird dennoch der Beste der Welt sein, ob man verliert oder gewinnt und ich sage euch warum: Madrid ist wie eine Familie, hier stehen alle, vom Präsidenten bis zum Fan, egal wo dieser auf der Welt ist, zusammen! Das gibt es in der Form bei keinem anderen Verein und das macht die Größe dieses Klubs aus.“
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Abschließend beurteilte er noch die Aussichten der Blancos. Nachdem man im letzten Jahr den Pokal erringen konnte, lechzten Fans und Verein gleichermaßen nach den großen Trophäen. Während man in der Liga komfortabel führt, soll es auch in der Champions League bis zum Schluss gehen. Am nächsten Dienstag geht es im Hinspiel gegen den ZSKA Moskau, wobei er fest mit dem Weiterkommen Madrids rechnet. Überhaupt wird diese Spielzeit ein Jahr der Freude, so Carlos: „Moskau hat sich selbst geschwächt, in dem sie mit Vagner Love einen tollen Spieler haben ziehen lassen. Das Hinspiel wird sicher nicht einfach, das Stadion wird voll sein. Das größte Problem könnte der Kunstrasen werden, aber nicht die Temperaturen. Es hört sich zwar kalt an, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Kälte eine andere ist, als wie wir sie hier haben. Man hat das Rückspiel im Bernabéu, daher wird man denke ich keine Schwierigkeiten mit dem Weiterkommen haben. In der Liga sieht es sehr gut aus. Man führt mit zehn Punkten Vorsprung und wird nur verlieren, wenn man will. Ich habe absolut keinen Zweifel daran, dass man in diesem Jahr Madrid am Cibeles feiern sehen wird.“
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