Das war das Fußballjahr 2011. Tabellenführer in Spanien und – wenn auch nicht ganz so überraschend – eine Runde weiter im Pokal. Nach dem 0:2-Sieg in Ponferrada konnte nicht mehr viel anbrennen, José Mourinho schickte viele Stars in den Urlaub und setzte in dieser Partie gar vier Nachwuchsspieler ein. Mit 5:1 ging man mehr als verdient vom Platz, Mou hielt sein Versprechen, dem nicht ganz ausverkauften Bernabéu im letzten Spiel des Jahres noch mal Tore zu zeigen.
Sahin trifft und hat Grund zur Freude - Foto: Ángel Martínez, Realmadrid.com
MADRID. Das Bernabéu sah, passend zum Datum, eine sehr besinnliche Partie: Ponferradina und seine respektablen 4.500 mitgereisten Fans zeigten sich als sehr faire Touristen. Man wollte sich nicht abschießen lassen, hatte durchaus Anteil am Spielgeschehen, wollte den Königlichen aber auch kein Bein stellen. Null Torschüsse und gerade mal ein Drittel des Ballbesitzes gingen nach der ersten Halbzeit an die Kastilier. Genau das richtige Match, um die Spieler aufzubauen, denen in der letzten Zeit die Presse nicht nur Kritik, sondern auch hanebüchene Wechselgerüchte anzuhängen versuchten: die Rede ist von den ehemaligen Bundesligastars Özil und Sahin. In einem Spiel, in der die Madrilenen nur gezielt und punktuell ihren Tempofußball aufzogen und die Gäste damit für den Rest des Spiels einschüchterten, zauberte der deutsche Spielmacher sich zwar nicht in den Fußballolymp, dennoch war er in den benötigten Szenen zur Stelle und bereitete die ersten beiden Tore höchstpersönlich vor. Erst profitierte der „Man of the Match“, José Maria Callejón, von Özils klugem Pass genau in den Lauf des Spaniers, der pfeilschnell seinen aufgerückten Bewachern davon eilte und dann perfekt und aus schwierigem Winkel zur 1:0-Führung traf (25.). Und mit der letzten Aktion vor dem Halbzeitpfiff schlug „Nemo“ eine lange Ecke genau auf den noch genauer einnickenden Kopf seines ebenfalls gescholtenen Teamkollegens, Nuri Sahin. Und diesem jungen Mann seien an dieser Stelle mal ein paar Worte der Anerkennung gegönnt: Mit außergewöhnlicher Souveränität schlug der Türke viele mutige Bälle in den Lauf der Stoßpitzen Benzema und Callejón. Oft kam den hervorragenden Torgelegenheiten ein Abseitspfiff dazwischen, doch die Zielgenauigkeit hinter diesen Pässen erinnerte nicht nur an einen Sahin aus Dortmunder Zeit, sondern gar an einen Xabi Alonso. Ein genialer Pass sollte jedoch sein Ziel finden: Den langen Ball vom eigenen Sechzehner in Callejóns Lauf, nahm der Spanier gekonnt mit, verlud noch abgeklärter Gegenspieler und Torhüter und setzte mit seinem Doppelpack den Schlusspunkt der Partie (88.). Brilliant, Nuri Sahin! Die Nummer 5 dirigierte und kommunizierte mit seinen Mitspielern, statt sich nur auf den sicheren Pass „hinten rum“ zu beschränken. Und sein Tor, die Krönung seines bisher besten Spiels für Madrid – in seinen strahlenden Augen und dem freudestrahlenden Lächeln konnte man genau diese Worte ablesen.
Werde Facebook-Fan und verpasse keine News!Ansonsten spielte das Team gut, zum Einschlafen war diese, nach dem 0:2 im Hinspiel fast schon entschiedene, Begegnung nicht. Benzema und Callejón hatten einige Chancen, letzterer setzte den Ball sogar sehenswert und aus schwieriger Außenposition an die Latte, als sich Ponfes Torwart Quintara einen unnötigen Ausflug erlaubte. Khedira und Granero agierten unauffällig und ohne sonderlichen Einfluss auf Spielstand bzw. -geschehen. Altintop mimte auf der rechten Verteidigerposition erneut und erfolgreich die nimmersatte Nähmaschine und auf der anderen Seite, lief mit dem 22-jährigen Casado der 13. Debütant in der Ära Mourinho auf. Er spielte unauffällig aber fehlerfrei – Erwartungen erfüllt, in Halbzeit zwei wurde er dann für Nacho ausgetauscht, der im April 2011 gegen Valencia als siebter eingesetzter Jüngling Pflichtspielminuten schnuppern durfte. Doch das war noch nicht alles: Mit Joselu, der Stürmer lief im Mai für Real in der Liga auf, und dem 19-jährigen Keeper Pacheco, dem zweiten Debütanten des Abends, aus der dritten Mannschaft Reals setzte Mourinho an diesem Abend insgesamt vier Spieler aus der zweiten bzw. dritten Mannschaft Madrids ein.
Auch die Innenverteidigung um Pepe und Varane ließen den Kastiliern schlichtweg keine Chance. Der Portugiese artistisch und der Franzose sogar torgefährlich – er erzielte kurz nach dem Seitenwechsel das 3:0, als er nach einem wunderbaren Granero-Freistoß als erster den Abpraller vorm Tor absahnte und für die Merengues erhöhte (49.). Doch zu den verdienten dreistelligen Zweikampfwerten reichte es aufgrund einer Unachtsamkeit in der 53. leider nicht, dem Ehrentreffer des Drittligisten. In besagter Minute erfreute sich Acoran einiger Freiheiten in der Madrider Platzhälfte und konnte von der Mittellinie bis zum Strafraum spazieren. Die Verteidigung spekulierte zu sehr auf ein Abspiel und der Spanier nahm sich aus 18 Metern ein Herz und ließ Adán bei seinem Schuss ins lange Eck keine Chance. Dieses Tor sollte aber kaum schmerzen, immerhin hatte man einen weiteren Pokalrekord aufgestellt: 616 Minuten ohne Gegentor – die 595-Minuten-Bestmarke aus dem Jahre 1990 übertrumpft.
Und mit der Auswechslung des sehr bemühten aber leider, einen Tag nach seinem 24. Geburtstag, glück- und erfolglosen Benzemas, gelang dessen 21-jährigen Ersatz mit Ballberührung Nummer 1 das 4:1. Ein überragender Spielzug ging diesem Tor in der 79. Spielminute voraus: Sahin passte einen Freistoß schnell auf Granero, der in die Spitze auf Özil, der Deutsche hielt den Ball und wartete auf den kreuzenden Callejón, der danach den Ball bekam und direkt in die Mitte legte, wo der junge Spanier die Kugel nurnoch über die Linie drücken brauchte – ein perfekter Spielzug, bei dem Ponfe nie an den Ball kommen konnte. Und mit dem späteren, bereits erwähnten, 5:1 durch Callejón, den Mann des Abends, ging eine überaus friedliche Partie zu Ende.
Das in allen Belangen unterlegene Ponferradina zeigte sich stets als fairer Verlierer und wollte beim ersten Besuch im Bernabéu weder mauern noch klopfen, vielleicht ist dadurch Pepes Passivität beim Ehrentreffer der Kastilianer zu erklären. Kleine Schmunzelnotiz: Das Versprechen, alle Gästespieler dürfen sich auf den königlichen Trikottausch freuen, setzte der freche Carril sogar bei Coach Mourinho um. Der Abwehrmann entlockte dem Star-Trainer nach dem Schlusspfiff nicht nur ein Lächeln, sondern auch die Weste mit den Initialien „JM“. Ein sehr sympathisches Team, über dass sich „the Special One“ schon nach dem Hinspiel sehr erfreut äußerte. Doch dieser Gegner gilt auch nicht als Gradmesser, doch ein Nuri Sahin wird mit Sicherheit selbstbewusster in den Weihnachtsurlaub fliegen, als man zuvor mutmaßte. Wie wird es da wohl erst dem effektivsten Stürmer der Champions League, der Liga und des Copa del Reys gehen? Der Rückkehrer aus Espanyol Barcelona, Callejón, schoss in den drei Wettbewerben durchschnittlich nach 45, 70 oder 60 Minuten seine Tore – überragend! Wer freut sich da nicht auf den Rückrundenstart am 7. bzw. 8. Januar?
Rückrundenstart im Januar – sei LIVE dabei!Flash ist Pflicht!
Real Madrid: Adán (Pacheco '83); Altintop, Pepe, Varane, Casado (Nacho Fernández '71); Khedira, Sahin, Granero; Callejón, Özil, Benzema (Joselu '78)
SD Ponferradina: Orlando Quintana; Pepe, Samuel, David Malo, Dani Carril; Isaías, Jonathan Ruíz; Borja Sánchez (Yuri '77), Acorán, Mateo (Doménech '62), Javi Navarro (Máyor '46)
Tore: 1-0 '26: Callejón; 2-0 '44: Sahin; 3-0 '49: Varane; 3-1 '53: Acorán; 4-1 '79: Joselu; 5-1 '88: Callejón
Schiedsrichter: Ayza Gámez
Zuschauer, Schiedsrichter: Estadio Santiago Bernabéu, 52.000 Zuschauer
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