Die Anti-Mourinho-Fraktion macht vor dem entscheidenden Champions League Rückspiel in Barcelona (Dienstag, 20:45 Uhr) mobil. Wiederholt ist es Johan Cruyff der ins Horn bläst, neu im Kritik-Club ist jedoch der sonst so ruhige Zeitgenosse Ottmar Hitzfeld. Er attackierte Mourinhos Methoden in seiner Kicker-Kolumne scharf und sieht Madrids Image, mit dem Portugiesen auf der Bank, als „beschädigt“ an!
Doch eher bekannt für Understatement und einen ruhigen Ton, wetterte der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld im Kicker gegen José Mourinho los. Ausschlaggebend dafür war der Auftritt der Blancos im CL-Halbfinale gegen Barcelona und die Geschehnisse im Nachhinein. Dabei war er „heilfroh“, dass die „Gerechtigkeit“ obsiegte und Barcelona das Spiel noch gewinnen konnte.
„Zum Glück hatten die destruktiven Methoden von Mourinho keinen Erfolg und Barcelona gewann. So ein Spiel kann nicht der Anspruch und auch nicht im Sinne von Real Madrid sein. Es war eine Schande für diesen Verein. Das Ansehen und die Identität des Vereins wurden schwer beschädigt. Mourinho hat dies gewusst und ist im Anschluss der Partie in die Offensive gegangen,“ so der zweifacher Königsklassen-Sieger, der seine Meinung über den Cheftrainer der Madrilenen unmissverständlich auf den Punkt brachte: „Ich habe Mourinho bei Trainertagungen der UEFA so erlebt wie er wirkt: arrogant, unnahbar, Kaugummi kauend und flegelhaft.“
Was viele Fans als „endlich mal Klartext“ feierten, grenzte für den 62-jährigen an Hochverrat - die Kritik am Schiedsrichter, fern ab von Gut und Böse! „Und Verdächtigungen mit dem Barca-Engagement für UNICEF zu begründen, das geht nicht, da ist die Grenze überschritten. Die Kritik an Stark ist völlig daneben, er hatte in allen schwierigen Situationen korrekt gehandelt,“ so sollte Barcelona den Hauptstädtern das Schrecken lehren und „die Strafe auf dem Platz aussprechen.“
Johan Cruyff kramte für seine wöchentliche Kolumne für „El Periodico“ ganz tief in der Sprichwort-Kiste und siehe da, für ihn ist nicht Mourinho der Bösewicht, sondern Florentino Pérez – der Fisch stinkt bekanntlich immer noch vom Kopf! Das Real Madrid wieder im Mittelpunkt stand - anscheinend herrscht in Camp-Barça eitelsonnenschein.
„Mourinho hat nur seine Arbeit gemacht, auf seine Art und Weise, so wie er den Fußball eben versteht. Er ist aber nur der Trainer und über ihm steht jemand, der die Entscheidungen trifft – der Präsident ist derjenige, der das Sagen hat und eine Linie im Verein vorgibt. Er entscheidet, wie er sein Team haben möchte und er verpflichtet einen Trainer, welcher für viele Werte der verlängerte Arm ist und diese auf dem Platz zum Ausdruck bringt. Es gibt nur ein Problem: Wenn der einzige Wert darin liegt, am Ende der Sieger zu sein und man dem General, also dem Trainer, alle Macht der Welt gibt, den Feind zu besiegen, dann vergisst du die Geschichte und die Werte. Da wird eine sehr gefährliche Linie überschritten. Florentino hat Mourinho verpflichtet um die Herrschaft von Barcelona zu beenden, koste es was es wolle. Dann ist es einem eben egal, ob man das Mittelfeld dem Gegner übergibt, ob man den Offensivfußball über Bord wirft, der den Fans jahrelang viel Spaß bereitet. Dann ist es auch egal, ob man es dem Gegner gegenüber an Respekt vermissen lässt, es zählt nur der Sieg. Florentino vergaß jedoch, dass er großartige Spieler hat, die irgendwann auch Barcelona schlagen können,“ so der Niederländer.
Cruyff: „Mourinho ist ängstlich und feige, aber gerissen“
Nochmal zum Mitschreiben: Florentino Pérez, der in den letzten zwei Jahren rund 250 Mio. Euro für Verpflichtungen locker machte, ist sich nicht im Klaren, dass er gute Spieler im Kader hat, weil der prämiert weltbeste Trainer es für richtig hielt Strategie A anstelle B zu wählen. Besser, die nächste Kolumne hätte wieder den FC Barcelona zum Thema...
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