Für einige war es Cristiano at its best, für Kritiker eine Bestätigung seiner vermuteten Persönlichkeit. Ronaldos Wutausbruch nach dem 0:1 Champions League Auswärtssieg schlug hohe Wellen, ob aus Levante, Valencia oder dem Rest der Welt, jeder fühlte sich zum angeregten Kommentieren aufgerufen – vorzugsweise wurde sich dabei der Häme bedient. Wo der Portugiese auch auftritt, Pfiffe, Beleidigungen und überharte Attacken pflastern seinen Weg. Ex-Generaldirektor Jorge Valdano outete sich in der Sendung „El Larguero“ als Psychologe, er wisse, warum Ronaldo das Opfer der Fan-Aggressionen ist.
Was jedem Freizeitkicker aus der Kreisliga C schon einmal passierte, selbst ein Superstar in der Champions League ist davor nicht gefeit. Da muss der Gegenspieler einen Kopf kleiner sein, damit beim Unparteiischen direkt der „interne Beschützer-Button“ gedrückt wird und die Pfeife schon einmal frühzeitig ertönt. UEFA-Chef Platini setzt sich dafür ein, dass hochveranlagte Spieler, Ballkünstler und Dribbler, die für das Spektakel sorgen, durch den Schiedsrichter geschützt werden. Soweit, sogut. Doch sollte diese Linie nicht für alle durchgezogen werden? Ronaldo, ein Vorzeigeathlet, kein Gramm Fett zu viel, Muskeln wohin das Auge blickt und sicher keiner, der im Zweikampf bei einem bösen Blick die Nähe zum Rasen sucht. Doch auch er ist ein Trickser, auch er fällt unter den Platinischen Schutzparagraphen. Wo bleibt jedoch dieser Schutz? Wo fängt er an, wo hört er auf? Muss das Bein gebrochen sein, oder reicht es, wenn es nur blutet? Diese Fragen stellte sich der Portugiese und kam zu seinem Urteil: „Andere Spieler, die darf man nicht mal anschauen und es wird direkt gepfiffen und mich darf man umtreten bis ich nicht mehr kann und dann erst wird irgendwann mal gepfiffen und gefragt, ob ich noch weiter spielen kann. Das ist also das Verständnis von Fair-Play und dem Schutz der technisch versierten Spieler?“ Rückendeckung erhielt er vom Trainerteam und vom gesamten Verein, es ist an der Zeit in Ronaldo nicht nur den robusten, personifizierten laufenden Muskel zu sehen, sondern ebenso diese augenscheinlich meist kleingewachsene und schützenswerte Spezies.
Cristiano in weiß, schwarz oder rot- sicher die jetzt sein Trikot!Fliegen auf dem Platz die heranrauschenden Grätschen tief, so laut wird es auf den Rängen, wenn CR7 den Ball bekommt und sich in Bewegung setzt. Sollte die Spielstätte nicht Bernabéu heißen, Pfiffe und wüste Beleidigung sind der absolute Standard. Es grenzt an einen regelrechten Volkssport, selbst Lieder werden gedichtet, die den 26-Jährigen verhöhnen und diffamieren sollen. Doch warum dieser Aufwand, was hat dieser Spieler, dass ihm derartige Behandlung entgegen schlägt? Oder anderes herum: Was geht in den Menschen vor, die sich dazu hingerissen fühlen? Ronaldo brachte seine Sicht ehrlich auf den Punkt: „Das wird wohl so sein, weil ich hübsch, reich und ein großartiger Fußballer bin, eine andere Begründung habe ich nicht. Sie sind einfach neidisch!“ Nun ist dem Portugiesen sicher keine Introvertiertheit vorzuwerfen, auch sind Geschmäcker bekanntlich verschieden, doch hat er mit dieser kernigen Antwort nicht den Nagel auf den Kopf getroffen? Jorge Valdano geht sogar noch weiter, nicht nur Neid, sondern zumindest im sportlichen Sinne Angst habe man vor dem Können des Ausnahmespielers. „Man versucht ihn mit allen Mitteln zu stoppen, aber selbst das gelingt nicht. Er hat den Knöchel blutig, müsste genäht werden und spielt das Spiel noch zu ende. Nicht einmal diese Maßnahme hat dem Gegner genützt. Warum die Fans ihn daher auspfeifen? Weil sie wissen zu was er im Stande ist, weil sie wissen, was er auf dem Platz mit seinem Talent bewirken kann und das macht ihnen Angst. Sie haben Angst vor ihm und versuchen ihn zu verunsichern. Und weil sie sehen, dass er sich nicht beeindrucken lässt, haben sie noch mehr Angst und pfeifen noch lauter“, so der Argentinier. Ronaldo, ein Spieler der in überschäumender Weise polarisiert, dessen Lebensstil und Attitude nicht jeder für sich unterschreiben mag, doch auf dem Platz ist er nur ein Fußballspieler, einer von Elf, der den Sport mit seiner Finesse für alle bereichert – dies sollte niemand vergessen…
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