28.05.2010, 16:47
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Interviews

Klare Ansage: „Die Führung muss sich den Ideen des Trainers beugen!“

José Mourinho ist bekanntlich ein Mann der Taten, doch auch im Gespräch mit der spanischen Sportzeitung „As" gab er sich äusserst gesprächig: Im zweiten Teil des grossen Interviews offenbarte „The special One“ seine Anforderungen an den Verein, dessen Spieler und an sich selbst. Dabei liess er sich erstaunlich tief in die Karten blicken und vermeldete, dass in der spanischen Hauptstadt schon bald ein ganz anderer Wind weht!

Der zweite Teil des großen Interviews mit José Mourinho

„Ich will die Philosophie des Klubs entdecken“

José Mourinho, Mann der Stunde und zukünftiger Coach der „Merengues": Zurzeit dreht sich in Madrid alles nur um den Portugiesen. Wann kommt er? Wen nimmt er mit? Wer genügt seinen Ansprüchen nicht oder wird er mit Jorge Valdano und Florentino Pérez auskommen?  Der zweifache Champions League Sieger kann sich vor Fragen kaum retten, dabei hätte er eigentlich noch viel mehr Fragen: „Alle wollen mich mit Fragen durchlöchern. Am Tag der Pressekonferenz wird es auch viele geben, aber die Wahrheit ist, dass ich gerne die Fragen stellen möchte. Ich habe so viele Fragen und ich brauche die Antworten. Als Chef der Gruppe, als Trainer und zum Zeitpunkt der Entscheidungen bin ich sehr autoritär. Aber ich lasse mir sehr gerne bei meinen Entscheidungen helfen und bin in dieser Hinsicht sehr demokratisch". Eins stellte Mourinho gleich zu Beginn ganz klar. Er wird nicht den Hampelmann für die Chefetage von Real Madrid spielen. Er stellt klare Anforderungen, an die sich vom Greenkeeper bis zum Präsidenten alle halten sollen. Auf keinen Fall will er, wie Manuel Pellegrinii oder seine Vorgänger ignoriert werden. Diese Zeiten könnten bald der Vergangenheit angehören, dennoch will er sich externen Inputs nicht entziehen. „Ich habe meine Ideen und es wird sehr schwierig, mich von meinen Ideen abzubringen. Aber ich möchte wissen, wie man dies in Madrid handhabt. Ich möchte darüber sprechen, die Philosophie der Vereinsarbeit entdecken. Das wird das erste sein, was ich tun werde: Mit den Menschen reden, eine Konversation mit Valdano, Pardeza oder Chendo führen. Aber nur um das gleich klarzustellen: Ein Klub muss hauptsächlich von den Ideen des Trainers leben. Die Klubführung muss sich den Ideen des Trainers beugen. Doch bevor ich diese vortrage, möchte ich zuhören und Fragen stellen", eine klare Kampfansage an Valdano und Co.

Mourinho, der Diktator? „Ich will kein Manager sein, der alles alleine entscheidet!“

Der Portugiese ist dafür bekannt, dass er unverblümt kundgibt, was er gerade denkt. Sollte jemand im Verein aus der Reihe tanzen, dann gibt es saftige Sanktionen! Von einer diktatorischen Struktur will er jedoch nichts wissen und garantierte jedem, der  loyal zu ihm steht, dass er rein gar nichts zu befürchten hat. Sein oberstes Ziel ist eine funktionierende Harmonie in allen Bereichen: „Es gibt Menschen, die denken, ich sei ein Diktator, der nicht mit einem Sportdirektor zusammenarbeiten will, aber das Gegenteil ist der Fall. Es gefällt mir innerhalb einer Gruppe zu arbeiten, den Leuten Verantwortung zu übertragen. Ich bin meinen Mitarbeitern gegenüber sehr loyal und wenn sie das Gleiche wollen, werden beide daran wachsen und am Schluss werden wir blendend miteinander auskommen." Des Öfteren wird dem Startrainer vorgeworfen, dass er sich mehr als Manager eines Klubs, wie es in England Gang und Gebe ist, aufführt und viel zu viel auf einmal kontrollieren möchte. Doch auch hier hatte der Triple-Gewinner eine simple, aber präzise Antwort auf Lager: „Ein sportlicher Direktor passt mir auch. Mit Inter hatte ich auch einen, Marco Branca zum Beispiel. Es ist von äusserster Wichtigkeit, dass man einen guten Sportdirektor oder ausführenden Direktor hat. Ich will kein Manager sein, der alles allein entscheidet!"

Was sind schon VIP's... „Die Spieler sind hier die Stars“

Doch in einem Punkt will Mourinho die volle Kontrolle, nämlich bei seinen Schützlingen! In dieser Saison blieben einige Akteure der „Galacticos", wie Karim Benzema oder Kaká, weiter hinter den Erwartungen und verkauften sich weit unter ihrem Wert. Der portugiesische Coach garantierte, dass er aus jedem Einzelnen das Optimum herausholen wird. „Ich verspreche ihnen, dass ich ab dem ersten Tag an das Maximum aus ihnen herausholen und sie beschützen werde", gab er deutlich zu verstehen und nannte auch gleich eine radikale Maßnahme, um das Gesagte umzusetzen: „Schauen sie, ich war in Valdebebas und dort organisierte  man für uns eine geführte Tour. Die VIP Zone ist spektakulär, doch ab sofort wird das die Zone der Fussballer werden, nicht der VIP's. Oder wir bauen eine Ähnliche. Die VIP's des Klubs sind die Spieler, sie müssen sich wie daheim fühlen. Falls sie zum Essen oder für die Siesta auf dem Gelände bleiben müssen, sollen sie sich wie in ihren eigenen vier Wänden fühlen." „The Special  One" wurde auch nicht müde zu erwähnen, dass nur er und kein Valdano oder sonst wer über Taktik, Aufstellung oder Training die vollste Kontrolle haben wird. „Das erste Team ist ein Areal, wo nur der Trainer die Verantwortung tragen darf. Niemand  mischt sich dabei ein und niemand sagt mir, wie ich wann trainieren soll. Es wird mir auch niemand vorschreiben, ob wir ein 4-4-2 oder ein 4-3-3 spielen. Niemand wird in der Pause in die Umkleidekabine kommen und eine Rede halten. Ich bin der Verantwortliche dafür", mahnte er abermals die Bosse des Klubs, beschwichtigte aber zugleich: „Ich glaube nicht, dass es in den grossen Klubs in dieser Hinsicht irgendwelche Zweifel gäbe. Ich kaufe die Spieler nicht alleine ein, ich befrage auch die Direktive und will ihre Meinung wissen. Ich will in einem Team arbeiten. Wenn mir ein Spieler gefällt, aber den Chefs nicht, dann will ich, dass mir das gesagt wird. Mit dieser Dynamik möchte ich gerne arbeiten."

„Triple im ersten Jahr? Ich kann längerfristig auch mehr bieten“

Primäres Ziel dieser Dynamik sollte es sein, aus Real Madrid wieder den grossartigen und vor allem erfolgreichen Klub zu formen, welcher er zu Jahrtausendwende war: Titel müssen her und zwar so schnell wie möglich, denn noch eine weitere Saison ohne Pokal da zustehen, wäre wohl die größte Schande in der jüngeren Geschichte des Vereins. Mourinho ist von sich überzeugt, dass er diese Forderungen erfüllen kann und bietet gleich noch viel mehr an! „Es ist ganz einfach: Der Klub kann mir sagen, wie der Weg in den kommenden vier Jahren aussehen soll. Die Direktive soll die Prioritäten bestimmen. Sie haben die Möglichkeit zu bestimmen, ob sie die Liga, die Copa del Rey und die Champions League gewinnen wollen. Sie können sich kurzfristige Ziele setzen, aber es geht auch längerfristig: Wenn sie gleichzeitig wollen, dass ich ihnen eine Struktur aufbaue, die in den kommen Jahren nützlich sein könnte, dann kann ich auch dies anbieten."

Wie diese Struktur denn aussehen könnte, ist eine Frage, an der sich alle Fussballexperten im Moment den Kopf zerbrechen: Wird er auf defensiven Konterfussball, wie in Mailand setzen? Werden Akteure, wie Ronaldo, plötzlich in die Abwehrarbeit integriert werden oder beugt er sich der Tatsache, dass man in Madrid Offensivspektakel gewohnt ist und auch verlangt? Gemäss eigenen Aussagen hat der Startrainer kein fertiges Rezept, sondern macht seine Taktik ganz von den individuellen Stärken und Schwächen der Akteure abhängig:„Man muss wissen, was man hat und dies auf die effektivste Art einsetzen. Bei Chelsea zum Beispiel: Wenn man einen Cech hat, der auf grosse Distanzen präzise Bälle platzieren konnte und ein Drogba, der weiss wie man mit dem Ball umgehen muss und viele Duelle in der Luft gewinnt: Warum sollte man nicht direkt spielen? Wieso sollte man einen langen Spielaufbau aus der Defensive hinaus planen? Aber wenn man einen Milito hat, der  nicht so kopfballstark ist, dann muss man das Spiel anders gestalten. Madrid besitzt Cristiano Ronaldo und Kaka, die beide in Zweikämpfen enorm stark sind. Also muss man eine Spielweise finden, die es ihnen ermöglicht solche Duelle auszuführen. Das fussballerische Prinzip ist allein von den Spielern abhängig, die man hat."

Dass dieses Prinzip funktioniert, demonstrierte er mit Inter Mailand auf eindrucksvolle Art und Weise. Nach über 40 Jahren gewannen die Italiener endlich wieder die Champions League und holten gleichzeitig sogar das Triple! Was wäre wenn Mourinho im kommenden Jahr auf seinen zukünftigen Ex-Klub treffen würde? „Ich bin fähig, dieses Inter zu schlagen, auch wenn sie weiterhin defensiv so stark sind. Ich kenne ihre Schwachstellen. Man holt das Optimale aus dem Team heraus, wenn man weiss wo die eigenen Schwächen sind.  Inter besitzt einige Defizite im individuellen, sowie im kollektiven Bereich. Der  Trick besteht darin, diese Probleme geschickt zu verstecken und ich glaube das haben wir in dieser Saison sehr gut gemacht", verriet er das Geheimnis seines Erfolges und zog indirekt erstaunliche Parallelen zur Situation der „Merengues": „Inter litt an einer mentalen Blockade, da sie nie über das Achtelfinale gekommen sind, aber als wir Chelsea besiegt haben, waren wir davon überzeugt, dass wir jeden schlagen können. Man muss diese mentale Stärke geschickt ausnützen, um sehr weit zu kommen."

„Egal was passiert, ich werde zu 100 Prozent Real Madrid trainieren“

Zu guter Letzt gestand er, dass die Verhandlungen, rund um seinen Wechsel, ins Stocken geraten sind, an der grundsätzlichen Lage hat sich dennoch nichts geändert: José Mourinho will ein „Blanco" werden! „Im Moment ist die Situation so, dass wir bald eine Einigung finden werden. Ich will, dass die Leute realisieren das meine Zeit hier vorbei ist. Mein Wunsch ist es nach Madrid zu gehen, das sollen sie verstehen und ich glaube sie haben es auch verstanden. Ich will keinen neuen Vertrag oder mehr Geld, damit kann man mich nicht umstimmen... Ich will mich würdig von Inter verabschieden können, aber gleichzeitig habe ich die 100 prozentige Sicherheit, dass ich Real Madrid trainieren werde, egal was passiert", es wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Portugiese in Madrid offiziell vorgestellt wird!

geschrieben von Gian Dominguez

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