Vier Spiele, drei Siege und keine Niederlage: So sieht die aktuelle Bilanz in der Vorbereitungsphase von Real Madrid aus. In der spanischen Hauptstadt ist trotzdem nicht alles Gold, was glänzt und José Mourinhos Team offenbarte in der Abwehr und der Chancenauswertung deutliche Schwächen. Man merkt, dass der Klub und das Team noch eine Baustelle sind, die noch einiges an Zeit benötigen werden, bis sie zur Vollendung gekommen sind. Doch das eigentliche Spiel stand bei den Interviews mit den Akteuren und dem Trainer nicht wirklich im Mittelpunkt, denn der Transfer von Mesut Özil und dessen möglichen Konsequenzen für das restliche Team stahl dem Resultat der Partie die Show.
So wurde José Mourinho von den Journalisten hauptsächlich mit Fragen rund um den neuen Shooting Star in Madrid durchlöchert. Warum ausgerechnet er? Warum der jetzige Zeitpunkt? Die Antworteten lieferte der Portugiese gleich selbst: „Er war ein Spieler, dessen Vertrag 2011 ausgelaufen wäre und wir konnten ihn zu einem Preis holen, der weit unter seinem wirklichen Marktwert war. Hätte er noch einen Vertrag von drei oder vier Jahren, wäre der Preis viel höher ausgefallen. Wir durften uns diese Chance nicht entgehen lassen." Der Transfer des Deutschen sorgte für ordentlich Furore in der Medienlandschaft, sowie bei den Fans, denn mit der Ankunft von Özil müssen einige Spieler um ihren Stammplatz zittern, wenn nicht sogar über ihren weiteren Verbleib an der Concha Espina! Einen schwierigen Stand wird Youngster Sergio Canales haben, der nach dem Ausfall von Kaka sich berechtigterweise Hoffnung auf einen Platz in der ersten Elf gemacht hatte. Muss der Spanier nun den Kürzeren ziehen? „Ich würde ihn keinen einzigen Tag ausleihen! Es gibt absolut keine Möglichkeit, dass er gehen würde. Er ist ein Spieler, der mir ausserordentlich gut gefällt. Ich hoffe, dass er mit der gleichen Mentalität weitermacht, wie bisher und nicht die Zeitungen liest, die ihn andauernd loben, denn er ist immer noch ein Kind und dies könnte ihm psychisch zur Last fallen. Er wird sehr viele Minuten bekommen, sofern er der Gleiche bleibt," stellte sich Mourinho voll und ganz hinter seinen Schützling und versicherte, dass er viele Hoffnungen in den Spanier setzt.
Der 46 Jährige schließt auch nicht aus, dass die beiden Jungtalente zusammen auf dem Platz ordentlich für Wirbel sorgen könnten: „Özil ist in vielen Aspekten mit Sergio Canales vergleichbar, aber sie sind trotzdem unterschiedliche Spieler. Mit dem Ausfall von Kaka brauchten wir noch einen Spieler. Sergio und Özil werden somit sehr häufig zum Einsatz kommen." Dabei betonte er nochmals die Notwendigkeit der Verpflichtung des Deutschen, der gemäss eigenen Aussagen auf den unterschiedlichsten Positionen einsetzbar ist. Ist Mesut Özil am Ende gar keine Verpflichtung für die Position hinter den Spitzen? „Bei Werder Bremen spielte er vor allem auf der linken Seite. Mit dem Abgang von Diego zu Juventus verschob er sich hinter die Spitzen. Mit Deutschland zeigte er sich von einer ganz anderen Seite. Er kann sich der Form anpassen, mit der wir arbeiten möchten. Er kann auch im defensiven Mittelfeld spielen. Dort habe ich Lass, Khedira und Gago, aber sein Profil ist ein gänzlich anderes. Özil ist ein kreativer Spieler und es ist immer gut, solche Spieler in den eigenen Reihen zu haben. Es ist meine Pflicht, dass er, sowie Canales in ihrer Entwicklung nicht gestoppt werden. Ich muss ihnen helfen, ihr ganzes Potenzial auszuschöpfen."
Einer, für den es wohlmöglich bald keinen Platz im Team der „Merengues" geben könnte, ist Rafael Van der Vaart. Für den Holländer wird es immer enger und die Konkurrenz im Mittelfeld ist gewaltig.
Doch ausgerechnet er erzielte den einzigen Treffer für die Madrilenen im heutigen Spiel und liess die Welt wissen, dass er auf keinen Fall aufgeben möchte. Die Tatsache, dass er seinen Treffer nicht grossartig feierte, hinterliess jedoch einen leicht bitteren Nachgeschmack. „Er feierte seinen Treffer nicht, da dies ein Freundschaftsspiel war. Für ihn war es das Wichtigste, dass er seinem Trainer zeigen konnte, dass er um seinen Platz kämpft.... Standard spielte um das Resultat und wir sahen die Partie als Training an. Rafa hat, in der Zeit in der er gespielt hatte, sehr überzeugen können. Er hat für die Zeit, die er hier bereits verbracht hat, meinen Respekt und den des Klubs verdient und er ist immer eine Lösung. Er kann mit Özil im Kader stehen," stellte Mourinho ganz klar fest. Ob Van der Vaart wirklich weiterhin im Kader verbleibt, ist eine Frage auf die selbst der „Special One" im Moment keine Antwort hat. Zumindest sieht er kein Problem damit, einen Özil und Van der Vaart gleichzeitig im Team zu haben. „Sie sind sehr flexible Spieler und können gleichzeitig auf dem Rasen stehen. Der Klub und ich werden jeden Wunsch von Rafa respektieren. Falls er oder jemand anders denkt, dass er psychisch nicht bereit wäre hier zu spielen und nicht um seinen Platz kämpfen möchte, da es keinen Platz für ihn im Team gäbe, so ist dies ein Problem des Spielers und nicht meines. Der Klub und ich gehen davon aus, dass er bleiben wird, da er ein grossartiger Spieler ist und ein Trainer ist immer froh um solche Spieler", stärkte er dem Holländer den Rücken.
Ein Wechsel kommt für den Mittelfeldspieler auf gar keinen Fall in Frage, denn Rafael Van der Vaart ist gewillt auf dem Platz zu kämpfen und will das Feld nicht kampflos räumen. „Für mich ist es kein Problem, dass Özil gekommen ist. Ich werde um meinen Platz kämpfen. Der Klub hat noch nicht mit mir gesprochen, aber Mourinho liess uns immer wissen, dass wir alle unsere Chance bekommen werden. In Madrid zu sein ist sehr hart und nun ist es noch schwieriger, da Spieler von grosser Qualität gekommen sind. Ich will bleiben und ich weiss, dass ich sehr viel spielen werde," gab sich der Holländer nach der Partie in einem kurzen Statement selbstbewusst. Auf keinen Fall sollte man den fehlenden Torjubel missinterpretierten: „Ich feierte meinen Treffer nicht, da es bloss ein Freundschaftsspiel war, trotzdem war es ein schönes Tor. Ohne Zweifel bin ich mit meiner Leistung zufrieden."
Auch bei den anderen Leistungsträgern, die heute auf dem Feld ihr Können unter Beweis stellen mussten, war der Transfer des Deutschen das Topthema. So auch beim neuen Weltmeister Sergio Ramos: „Wenn starke Spieler zu uns kommen, ist dies immer gut für uns. Wir kennen ihn nahezu perfekt und wir sind sehr erfreut, dass Madrid ihn verpflichten konnte," freute sich der Verteidiger über den Neuzugang. Auf das Unentschieden angesprochen, erläuterte der „Sevillano", dass „heute nicht das Resultat das Entscheidende war, sondern dass wir weiterhin unserer Linie folgen können. Man merkte, dass sie einen besseren Rhythmus hatten, da sie sich bereits in der Meisterschaft befinden."
Auch sein Teamkamerad Raúl Albiol zeigte sich begeistert über den Neuzugang aus Deutschland. „Man konnte bereits an der Weltmeisterschaft sehen, dass Özil ein grossartiger Spieler ist. Zum Spiel von heute muss ich sagen, dass wir noch einige Fehler korrigieren müssen, die wir noch haben und uns weiterhin verbessern müssen bis der Moment der Wahrheit in der ersten Partie gegen Mallorca gekommen ist", fasste er das Geschehene kurz zusammen.
Zu guter Letzt kam noch Superstar Cristiano Ronaldo zu Wort, der in der gestrigen Partie nur in wenigen Momenten wirklich brillieren konnte: „Wir sind immer noch in der Vorbereitung und physisch sind wir immer noch nicht ganz auf der Höhe. Das Wichtigste ist, dass wir weiterhin den Weg gehen, der uns Mourinho zeigt, denn dann wird alles viel besser klappen," ließ er die Journalisten und Fans wissen.
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