Ex-Generaldirektor und aktueller Experte der Cadena Ser, Jorge Valdano, analysierte im Programm SER Deportivo die Ausgangslage seiner Madrilenen vor dem Clásico. Trotz seiner königlichen Vergangenheit entpuppte sich der Argentinier in der Vergangenheit stets als objektiver und kritischer Analytiker, doch dieses Mal ist die Zuversicht, Madrid am Samstag als Sieger vom Platz gehen zu sehen, so groß wie lange nicht.
Zuversichtlich für einen Clásico-Sieg, Jorge Valdano - Foto: Ángel Martínez, Realmadrid.com
MADRID. Mourinhos Teams pflegen im zweiten Jahr stets besser zu sein. Ein inzwischen natürliches Gesetz. Aber was bei anderen Trainern eher wie eine Durchhalteparole und Rechtfertigung für ein mageres erstes Jahr klingt, trifft beim Portugiesen wie die Faust aufs Auge zu. Doch es hat sich nicht nur die Mannschaft gefunden, auch der Coach hat seine Linie ein Stück weit geändert. Der aggressive Auftritt ist passé. Jüngst beschrieb Kapitän Casillas seinen Chef als „ruhiger und gelassener“, als noch vor einem Jahr. Auch Valdano begrüßte diesen Wandel: „Als im letzten Jahr nur noch von den Schiedsrichtern und der Verschwörung gegen Madrid gesprochen wurde, dachte ich mir jedes Mal, dass es doch wirklich jämmerlich ist und nicht zu diesem Verein passt. Ich sagte immer, dass man in dieses Thema nicht einsteigen sollte, niemals! Es gehört nicht zur Historie und nicht zum Stil dieses Klubs. Aber das ist nun Vergangenheit und jetzt ist die Situation einfach ruhiger. Dieser Umstand hilft dem Team ungemein, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Aufgaben stehen jetzt wieder im Vordergrund und nicht andere externe Dinge.“
Dass Madrid mit einem Lauf von 15 gewonnen Spielen in Serie höchstwahrscheinlich moralisches Oberwasser genießt, dafür braucht es keinen einschlägigen Experten wie Valdano. Das „Warum“ ist hingegen die entscheidende Frage, die der 56-Jährige versuchte zu beantworten. „Madrid hat jetzt seinen Weg gefunden. Im ersten Jahr waren die Automatismen noch nicht da und man hatte den Stil noch nicht zu 100 Prozent verinnerlicht. Jetzt, auch durch Umstellungen bedingt, ist das anders. Ramos gibt dem Team in der Innenverteidigung die nötige Stabilität und Sicherheit und das Team hat jetzt mehr Gefallen daran in Ballbesitz zu sein. Und bei der Qualität, die man vorne hat, entstehen zwangsläufig dann Tore.“
Ungewohnt klar legte er sich bei der Prognose fest, wer denn nun als Favorit ins Spiel geht: „Madrid ist so gut drauf, sie haben so viel Selbstvertrauen und spielen auch noch vor den eigenen Fans. Für mich sind sie der Favorit! Würde man im Camp Nou spielen, wäre sicherlich Barcelona im Vorteil, aber auswärts hat das Team noch nicht viel geschafft in dieser Saison. Der Fakt, dass Barça mit einem Punktenachteil ins Spiel geht, kann dazu führen, dass sie etwas nervöser sind. Es ist immer ein anderes Gefühl mit der Ruhe des Führenden zu spielen, als wenn man gezwungen ist zu gewinnen. Einst war Madrid in dieser Situation und musste darunter leiden, jetzt Barcelona.“
Demzufolge geht er davon aus, dass die Merengues sich von der Mauertaktik aus dem Clásico-April 2011 verabschieden und selbst die Initiative ergreifen – die Supercopa-Finalspiele könnten da nur der Anfang gewesen sein. Auch die Aufstellung sollte das verdeutlichen. „Ich denke, würde man auswärts antreten, hätte Lass die besseren Karten zu spielen. Er ist physisch potent und gefällt Mourinho. Aber ich hoffe, dass Özil spielt. Mit ihm hätte man nach vorne hin mehr Optionen und mit dem Bernabéu im Rücken, sollte Özil mit seiner Kreativität auflaufen. Wer denn nun stürmen soll, darauf will ich nichts antworten, denn beide befinden sich in einer sehr guten Phase“, so Valdano, der kurzerhand seine Vorstellung für die Spielorganisation formulierte: „Barcelona wird sein Spiel sicher nicht ändern. Sie werden eine Aufstellung wählen, die darauf bedacht ist den Ball in den eigenen Reihen zu behalten. Ich hoffe, dass Madrid couragiert vorne attackiert und versucht sie unter Druck zu setzen, so wie man es in der Supercopa machte. Man ist jetzt noch besser organisiert, daher sollte das wirklich das Mittel für einen Erfolg sein.“
Erlebe die Königlichen LIVE, jetzt Tickts sichern!Und was ist mit dem FC Barcelona? Wie wird die Marschroute der Katalanen aussehen und mit welchem Personal soll diese verfolgt werden? „Auf jeden Fall werden sie mit einer Viererabwehrkette spielen. Ich denke die Aufstellung wird so aussehen: Valdés; Alves, Piqué, Mascherano, Abidal; Busquets, Xavi, Iniesta; Messi, Cesc und Villa. Es wäre eine Einladung zum Toreschießen für Madrid, wenn sie versuchen würden mit einer Dreierkette zu verteidigen. Madrids Konter sind brandgefährlich und so hätte man Räume. Im Angriff ist die Frage, ob Villa spielt. Alexis ist in guter Form und Villa außen vor, doch glaube ich nicht, dass Pep einen Spieler wie ihn draußen lässt. Gerade in solchen Partien können diese Akteure wieder ihr bestes Gesicht zeigen. Auch Pedro ist eine Option, der gegen Madrid großartige Momente hatte. In der Abwehr sehe ich Schwächen, da Piqué nicht so gut ist, wie in der letzten Saison.“
Abschließend richtete er noch einen Wunsch an die Fans und Spieler, auf dass es ein Spektakel wird, das diesem Rahmen gerecht wird: „Ich hoffe und glaube, dass es kein brutales Spiel wird. Keiner wird irgendwem absichtlich das Bein brechen. Aber es wird zur Sache gehen – mit hoher Intensität. Ich hoffe auch, dass sich die Fans im Vorfeld und danach so verhalten, dass nichts vom Fußball ablenkt. Es ist quasi unmöglich ein Dutzend der zwanzig besten Spieler dieses Planeten auf einem Rasen anzutreffen, außer beim Clásico. Nicht einmal Nationalteams sind dazu imstande. Daher hoffen wir auf ein Spektakel auf dem Rasen.“
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