Bernd Schuster gilt zuweilen als recht schweigsamer Zeitgenosse, es sei denn, er wird gekitzelt. Dann entpuppt sich der Augsburger als wahrlich gesprächig. Emotional, wie damals auf dem Platz, kann ihn – einmal in Fahrt – so leicht keiner außer Tritt bringen. So geschehen in der Sendung „Abellán en punto“ bei Punto Radio. Nach kurzer Aufwärmphase, den üblichen Analysen, knöpfte er sich einen vor, über den medial eigentlich gar nicht berichtet wird – Esteban Granero. Den Spanier, der in dieser Saison keinen Anschluss im Team findet und von der Tribüne aus applaudieren darf, ereilte der strenge Blick eines Meistertrainers. Sein Urteil fiel ebenso trocken wie harsch aus.
Kann zu Ronaldo nur ehrfürchtig hochschauen, Granero - Foto: Ángel Martínez, Realmadrid.com
MADRID. 31 Partien zauberte Esteban Granero in der Saison 2009/10 aufs Parkett. Frisch für 4 Mio. Euro von Getafe zurückgeholt, konnte er seine Außenseiter-Chancen unter Pellegrini nutzen und dem einen oder anderen Superstar ein paar Minuten abknapsen. Doch unter Mourinho wurde es langsam düster. Im letzten Jahr durfte er noch 19 Mal mitmischen, hatte jedoch im Pokal einige Auftritte. Der Portugiese lies damals keine Kritik an dem Canterano aufkommen, lobte ihn jedoch eher auf die Bank, statt auf den Rasen. Er sei sein
„Lieblingsschüler“, doch anscheinend war er damals noch zu grün hinter den Ohren, um den Lehrer zu überzeugen. Aktuell sind bereits neun Partien in der Primera División absolviert – der 24-Jährige kam auch genauso oft zum Einsatz, jedoch nicht in Spielen, sondern in Minuten... Eine magere Quote! Doch zugegebenermaßen ist es bei diesem königlichen Mittelfeld auch doppelt schwer. Und überhaupt: Die Blancos sind in bestechender Form, Grund für Änderungen gibt es auch auf absehbare Zeit nicht. Eher unwahrscheinlich also, dass für „el Pirata“ die rosigen Zeiten demnächst anbrechen – ganz zu schweigen von einem Sahin im Nacken, der mit den Hufen scharrt. Bernd Schuster hält von diesem ganzen „Zirkus“ sowieso nichts, wurde Granero doch unter seiner Regie an Getafe ausgeliehen. Der damalige Wechsel zurück nach Madrid hatte für ihn ein „Geschmäckle“, das Zeug in dieser Startruppe Fuß zu fassen habe er nicht. „Ich habe da eine persönliche Meinung zu Granero. Dieses Madrid, mit all den Stars und dieser Konkurrenz ist eine Nummer zu groß für ihn. Seine damalige Rückkehr war politisch motiviert, denn man wollte mehr Spanier ins Team integrieren. Er ist ein guter Spieler, aber er kommt an dieses Niveau der Top-Spieler Madrids nicht heran. Es gibt sicher andere Vereine, denen er sehr gut helfen kann, aber bleibt er in Madrid, wird er zu einem Fall Canales oder Pedro León. Auf seiner Position gibt es zu viele starke Spieler. “
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Das Profil von Esteban Granero!
Doch nicht nur dem Deutschen sticht das langsame Driften in die Bedeutungslosigkeit ins Auge. Seit einigen Wochen spekulieren spanische Medien auf einen Wechsel – wenn nicht im Winter, dann spätestens im Sommer. Die AS brachte den neureichen FC Málaga als möglichen Abnehmer ins Gespräch. Bares hätten die Andalusier ja dank Geldgeber Scheich Abdullah genug. Zudem ist ein gewisser Manuel Pellegrini Übungsleiter, genau jener Chilene, unter dem der Mittelfeldspieler seine Glanzzeiten in Madrid erlebte und als Partner von Xabi Alonso so manche Schlacht schlagen durfte.
„Ich glaube an mich und meine Möglichkeiten und bleibe deshalb bei Real Madrid. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag, das Vertrauen des Trainers und des Vereins sowie die Vorstellung, noch lange in dieser Mannschaft zu spielen. Mourinho hat mich zu einem besseren Spieler gemacht, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Er ist ein Trainer, der jeden Spieler verbessert und das Maximale aus ihm herausholt“,
so Granero im Juni diesen Jahres. Fußball ist Tagesgeschäft und was vor vier Monaten galt, muss es heute nicht mehr tun. Mourinho Bekenntnis lautete damals: „Es tut mir immer sehr leid, wenn ich ihn draußen lassen muss, weil er so unwahrscheinlich hart arbeitet. Er ist der Fleißigste.“ Die nächsten Wochen werden aufschlussreich. Setzt sich der Spieler durch? Baut Mourinho auf ihn, oder trägt der schnörkellose Kommentar des Ex-Trainers doch mehr als einen Funken Wahrheit in sich? Realmadrid.de bleibt dran!
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