Was Real Madrid in der ersten Stunde auf Mallorca zeigte, erinnerte eher an einen entspannten Urlaub auf der Ferieninsel, als an einen Fight um wichtige drei Punkte im Kampf um die Meisterschaft. Zur Halbzeit lagen die Blancos folgerichtig mit 0:1 hinten, doch brachte Mourinho mit der „totalen Offensive“ die Wende. Higuain und Callejón besorgten die Treffer zum Sieg gegen Mallorca, wobei man zwischenzeitlich auf die Hilfe des Schiedsrichters angewiesen war...
Emotionaler Jubel nach dem Siegtreffer - Foto: Antonio Villalba, Realmadrid.com
PALMA DE MALLORCA. José Mourinho machte es vor der Partie auch dem letzten klar:
die Liga ist wichtiger als der Pokal! Übersetzt: gegen die Kicker aus Mallorca gilt es alles abzurufen, die volle Konzentration an den Tag zu legen. Gegen den Angstgegner von der Ferieninsel, wo man in den letzten 30 Begegnungen immerhin neun Niederlagen hinnehmen musste, schickte der Coach deshalb seine beste verfügbare Elf auf den Rasen und stellte so alle Zeichen auf Sieg – inklusive Benzema und Callejón im Sturm. Die Anfangsphase der Partie plätscherte dahin, sodass es kaum nennenswerte Szenen zu bestaunen gab. Madrid hatte mehr Ballbesitz, fand aber nicht die passenden Mittel gegen ein Mallorca, das sich defensiv durchweg sehr geschickt anstellte. In der 28. Minute dann endlich die erste klare Tormöglichkeit. Die Gastgeber fuhren einen gelungenen Konter, jedoch fehlten beim Schuss von Hemed wenige Meter zum Torerfolg. War das nun endlich der „Hallo-Wach-Effekt“ für die bis dato blass gebliebenen Merengues? Wohl kaum, denn was in der 39. Minute geschah, war nur das logische Resultat der schwachen Leistung Real Madrids. Jordi Castro brachte eine perfekte Flanke in den Strafraum, wo Hemed den Ball mit einem perfekten Flugkopfball abnahm und so Iker Casillas keine Chance ließ. Das Tor lag in der Luft, zwar hatten die Hausherren keine großen Spielanteile, doch wenn sie sich aus ihrer Defensive nach vorne trauten, dann war Musik drin. Madrid zeigte genau das, was Mourinho verhindern wollte: unkonzentriert, lethargisch, einfach nicht bei der Sache! 1:0 hieß es also nun kurz vor der Pause für RCD Mallorca, was zu diesem Zeitpunkt auch verdient war. Ein müde wirkendes, unmotiviertes und schlicht schwaches Real Madrid war in den ersten 45 Minuten einem engagierten Mallorca unterlegen, woran auch der Pfostentreffer in der 45. Minute nichts mehr ändern konnte. Nach einem Freistoß von Xabi Alonso kam Sergio Ramos im Strafraum frei zum Kopfball, scheiterte aber am Aluminium.
Erlebe Real Madrid LIVE, sicher dir jetzt deine Tickets!Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich dann ein anderes Spiel. Taktik-Fuchs Mourinho stellte direkt für den zweiten Durchgang um, nahm Lass Diarra vom Feld und gab Higuaín das Zeichen, doch bitte die Verhältnisse gerade zu rücken. Mallorca ließ sich nun immer mehr in die eigene Hälfte drängen und die Blancos dominierten das Geschehen. Doch die richtigen Chancen wollten sich erst nicht ergeben, dann wurde es aber hektisch. Zuerst kam Callejón im Sechszehner von Ramis getroffen zu Fall, doch die Pfeife blieb stumm. Im direkten Gegenzug fuhren die Mallorquiner einen Sahne-Konter und Víctor netzte frei vor Casillas ein. Der Jubel war groß, jedoch nur für wenige Sekunden, dann rief Schiedsrichter Pérez Montero die Meute zusammen und signalisierte abseits. Die Fans waren aufgebracht, Trainer Caparrós schimpfte wie ein Rohrspatz und drohte des Feldes verwiesen zu werden. Glück für Madrid, denn der Unparteiische lag falsch. Der Treffer hätte zählen müssen, Mallorca komfortabel führen können. Mourinho kaute immer hektischer auf seinen Kaugummi, Adjutant Karanka auf seinen Nägeln und der Portugiese reagierte. Für Marcelo kam Coentrão und Ricardo Kaká ersetze Álvaro Arbeloa – die totale Offensive wurde ausgerufen. Die neue Dreierkette bestand nun aus Pepe, Ramos und Coentrão. Kaká sollte nun zusammen mit Özil im Mittelfeld für Kreativität sorgen. Diese Entscheidung trug in der 72. Minute dann auch Früchte. Den lange vermissten Impuls brachte Mesut Özil mit einem einzigen Geniestreich, als er per Außenristpass genau durch die Lücke in der Abwehr den gut positionierten Higuaín fand. Der Argentinier verwandelte eiskalt in Torjägermanier und markierte so den Ausgleich.
Bis Montag 20% auf die Fanartikel von Real! Code: HENRY20Endlich schienen die Hauptstädter aufgewacht und sogar Cristiano Ronaldo, dem bis dato nicht eine Aktion gelang, zeigte dass er noch auf dem Platz stand. Der Portugiese fasste sich ein Herz und zog mit seiner unnachahmlichen Schusstechnik aus großer Distanz ab und der Ball klatsche an die Latte. Und endlich entwickelten sich auch Tormöglichkeiten: In der 75. hatte man als Madridista dann schon den Jubelschrei auf den Lippen, als Sergio Ramos – bei einer ähnlichen Situation wie kurz vor der Halbzeit – den Ball per Kopf diesmal im Tor versenkte, dann jedoch wegen einer Abseitssituation vom Schiedsrichter zurückgepfiffen wurde.
Warum Real Madrid an der Tabellenspitze steht, bewiesen sie dann kurz vor Ende der Partie. Zunächst setzte Higuaín den Abwehrspieler unter Druck und scheiterte noch am Keeper, Kollege Benzema der auf leisen Sohlen hinter seinem Sturmpartner heranschlich zog den Ball dem Israeli im Tor an den Schädel, dieser kullerte gefühlte zwei Minuten in Richtung des heranrauschenden Callejóns. Mit Glück, Verstand, jeder Menge Courage zog er ab und tatsächlich fand das Leder den Weg ins Gehäuse.
Nicht nur der Torschütze war aus dem Häuschen, der komplette Kader samt Mourinho feierte mit. Und der Coach wäre nicht ein Meiser seines Fachs, wenn er nicht jede noch so kleine Chacen nutzen würde, um sein Team auf Spur zu halten, so steckte er beim Jubel Innenverteidiger Pepe ein kleines Zettelchen mit neuen Instruktion zu - Perfektionist in Reinkultur! Die Führung war somit perfekt, Mallorca war geschockt. Trotz einer rabenschwarzen Stunde, konnten die Königlichen sich nochmal am eigenen Schopfe aus der Misere ziehen, Mourinhos taktischem Geschick, der Einstellung der Spieler und einem mit der Fahne winkenden Linienrichter sei Dank. Kurz vor Schluss durfte man jedoch nochmal Luft anhalten, denn Ramos blockte einen Schuss mit einer unnatürlich wirkenden Handbewegung ab – wobei der Treffer ihn wohl mehr am Körper erwischte. Die Proteste blieben wirkungslos und Madrid gewann am Ende ein fast schon verloren geglaubtes Spiel mit 1:2. Mourinho wird die lasche Einstellung der ersten 60 Minuten wohl auf die Palme gebracht haben, so bleibt nun zu hoffen, dass man am kommenden Mittwoch im Pokal-Hinspiel gegen Barcelona von Minute 1 an alle Sinne geschärft hat. Die letzten 20 Minuten zeigten, wie es gehen kann...
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Mallorca: Aouate; Cendrós, Ramis, Chico, Cáceres; Pereira, Tissone (Alfaro, min. 81) Joao Víctor, Castro; Víctor Casadesús (Martí, min. 82) und Hemed (Ogunjimi, min. 72)
Real Madrid: Casillas; Arbeloa (Kaká, min. 59), Sergio Ramos, Pepe, Marcelo (Coentrão, min. 59); Lass (Higuain, min. 46) Xabi; Callejón, Ozïl, Cristiano; Benzema
Tore: 1-0, min. 38: Hemed. 1-1, min. 70: Higuaín. 1-2, min. 80: Callejón
Schiedsrichter: Pérez Montero
Zuschauer, Stadion: 19.557 Zuschauer, Iberostar Estadio
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