An Tagen wie diesen mag sich manch einer doch fragen, ob Fußball wirklich die wichtigste Nebensache der Welt ist. 90 langweilige Minuten einer schnell aus dem Gedächtnis streichbaren Partie, in der trotz aller Erwartungen nie richtig Spannung aufkam, konnten die Königlichen dank eines bitterbösen Scherzes des ebenfalls nach Unterhaltung gierenden Fußballgottes für sich entscheiden. Karim Benzemas Törchen zum 0:1 brachte Real den Sieg und den Einzug in das Viertelfinale, in dem sich das Duell der Duelle anbahnt.
Das bitterböse Lächeln des Glücklichen - Foto: Helios de la Rubia, Realmadrid.com
MÁLAGA. „Wir werden mit unseren besten Spielern antreten. Ich werde nicht rotieren lassen und die beste Elf wird auflaufen“, so kündigte es „the Special One“ auf der
Pressekonferenz vor dem Spiel an. Doch im Vergleich zum üppigen 5:1-Sieg am Wochenende gegen Granada, spielten für die überragenden Marcelo, Özil und Benzema die geschonten Arbeloa, Coentrão und Kaká; und das im 4-3-3 – Geniestreich oder Offenbarung an den eigenen Kader, dass jeder zu den besten zähle? Jedenfalls um zweiteres zu belegen, hielt sich Mourinhos Edelpralinen-Sortiment zu Beginn doch reichlich bedeckt. Auch wenn man sich während des gesamten Spiels keiner „alles oder nichts“-Offensive der Hausherren entgegen stellen musste, die beste Nachricht lautete nach 30 Minuten: Es war noch kein Tor gefallen. Vor sieben Tagen lag man da schon mit 0:2 zurück. Ein Spiegel zum Hinspiel waren zumindest Mourinhos ungläubige Augen ob der nicht-würdigen Leistung seines Teams und die unkreative Harmlosigkeit, mit der man versuchte den Rosengarten Málagas einzunehmen. Higuaín hing vorne in der Luft, Kaká war glücklos und bei Ronaldo musste man sich fragen, ob er in der Kabine noch das hübschere Paar Schuhe auszuwählen versuchte. Schmerzvoller und trauriger Höhepunkt einer dürftigen und schnell vergessbaren ersten Halbzeit war die Auswechslung Sami Khediras, der verletzungsbedingt mit der Trage aus dem Stadion befördert wurde. Der Knöchel wollte sich das Spiel nicht mehr antun. Davor hatten die Andalusier passable Chancen durch Van Nistelrooy und Fernández per Kopf und Eliseu mit einem saftigen Schuss – die Kopfbälle gingen daneben und bei dem strammen Schuss hatte Casillas seine Welttorhüter-Werkzeuge im Weg. Noch frecher als sein Trainer, hätte es fast Sergio Ramos getrieben, als er eine Alonso-Ecke fast ins Tor köpfte – das war die einzig nennenswerte Torgelegenheit einer Mannschaft, die selbst im sonst so gefährlich-schnellen Konterspiel an Harmlosigkeit nicht zu überbieten war.
Trikots und andere Fanartikel – sei für die Clásicos gewappnet! So viel zur ersten Gähnzeit, immerhin: Mit einem 0:0 wäre man auch weiter gewesen und hätte sich höchstens eine Entschuldigung bei den Fans für die verschwendete Lebenszeit entlocken müssen. Doch was die friedliche Ruhe auf den Rängen und vor den Bildschirmen unterbrach, war nicht der gellende Anpfiff in die zweite Spielhälfte, sondern eine schon lauffreudigere und ambitionierter aufspielende Gastmannschaft. Die Peitschenhiebe des Coaches und die Einwechslungen von Özil und Marcelo (für Kaká) formten Zug um Zug aus der Verwaltungs- eine leicht vernehmbare Spiellust. Unglaublicherweise entwickelten sich dadurch neben einem wohltuenden Spielfluss und zunehmender Aggressivität sogar Torchancen für die Königlichen – erst wurden die Schüsse von Higuaín und Coentrão geblockt, dann parierte Caballero einen 100-Prozent-Kopfball Cristiano Ronaldos und später wurde Higuaíns Schädeltreffer korrekterweise abgepfiffen. Es roch nach Dramatik. Aber dann musste es eben der dritte Edel-Joker machen: Karim Benzema, pünktlich fit geworden, bekam von seinem Trainer nur einen Auftrag mit auf den Weg: für die Entscheidung sorgen! Das überragende Trio des letzten Spiels stand wieder auf dem Platz. Und nur drei Minuten nach seiner Einwechslung für Sturmkollege Gonzalo Higuaín kullerte das Bällchen durch die Arme und Beine vom Pechvogel des Abends, Willy Caballero, der Albtraum jedes Ballfängers – oder auch -nichtfängers… Minute 72, die Blancos trauten sich mal wieder etwas zackiger aus der eigenen Hälfte mit Özil im Ballbesitz, der lief, wurde nicht angegriffen und wartete genau den Moment ab, um in den Lauf des Franzosen zu spielen. Doch den Innenseitenschuss des
gefährlichsten Franzosen in Reals Geschichte aus 16 Metern hatte manch einer sicher schon innerlich abgewunken aber dann mangelte es Málagas Schlussmann an Schwerkraft und der Ball kullerte über die Linie. 0:1, irres Glück bzw. Pech – je nachdem welches Team gemeint ist. Welch bitterböser Scherz des Fußballgottes.
Das glücklichere Team ging als Sieger vom Platz. Arbeloa steckte wenige Minuten vor Abpfiff noch seine zweite Gelbe Karte ein, Marcelo zeigte Kumpel Ronaldo wie man Kunststückchen erfolgreich vorführt und Málagas Toulalan hatte noch eine ordentliche Kopfballchance – doch so richtig Spannung kam eigentlich erst auf, als alles gelaufen war, also kurz vor Schluss. Als „sehr energiesparsam“ wird man diese Leistung beschreiben, Mourinhos Launen werden sicher auch auf der
anschließenden Pressekonferenz noch nachhallen. Weiter ist man trotzdem dank des Glückstreffers von Karim Benzema, danke Willy! Das Viertelfinale am kommenden Mittwoch gegen Barcelona (die gewannen das Hinspiel gegen Osasuna mit 4:0) darf dann aber doch bitte etwas zielstrebiger angegangen werden… Generalprobe ist am Sonntag, um 20 Uhr gastiert man auf Mallorca beim Tabellenfünfzehnten.
Die Clásico-Pokalspiele verfolgt man mit Realmadrid.de auf Facebook! Málaga: Caballero; Sergio Sánchez, Demichelis, Mathijsen, Monreal; Sebastián Fernández (Rondón '67), Toulalan, Cazorla, Eliseu (Maresca '75); Isco (Buonanotte '75), Van Nistelrooy
Real Madrid: Casillas; Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos, Coentrao; Lass, Xavi Alonso, Khedira (Özil '43); Cristiano Ronaldo, Kaká (Marcelo '46); Higuaín (Benzema '68)
Tore: 0-1 '71: Benzema
Schiedsrichter: Pérez Lasa
Stadion, Zuschauer: Estadio de La Rosaleda, 27.000 Zuschauer
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