Er gestikulierte mit hingebungsvoller Leidenschaft, machte Notizen, schimpfte über die Schiedsrichter und gab seinen Unmut offen kund, trotzdem konnte José Mourinho den Debüt-Sieg nicht erzwingen und musste in seinem ersten Ernstspiel bereits den ersten, kleinen Rückschlag miterleben. In einem passionierten, aber technisch wenig überzeugendem Spiel hatte sein Team zwar Kontrolle über das Geschehen, kreierte einige Torchancen, doch hatte der überragender Keeper etwas gegen einen Treffer...
José Mourinho hatte heute definitiv keinen ruhigen Abend, voller Emotionen wanderte er am Rande seiner Coachingzone auf und ab, wo er in vielen Diskussionen mit dem vierten Offiziellen verwickelt war und die Kamera dort einen doch recht erzürnten Coach auf Video aufnehmen konnte. Trotzdem lobte der Trainer das Spiel seiner Schützlinge, auch wenn er mit den vielen vergebenen Chancen unmöglich zufrieden sein konnte: „In der Abwehr hatten wir kein Problem und das ist sehr viel Wert, da wir in der ersten Halbzeit sehr viele Spieler in der gegnerischen Hälfte hatten und Mallorca ständig auf Konter lauerte. Zieht man dies mit in Betracht, so spielten wir sehr gut und hatten in dieser Hinsicht keine Probleme", lobte er seine Defensivmänner, die es geschafft hatten die Null hinten halten zu können. Enttäuscht war „The Special One" von der Offensive, die in dieser Partie viel zu viele Chancen vergeben hatte. Eine Krankheit, von der man dachte, dass sie unter dem Portugiesen endgültig verschwunden wäre. „Wir hatten unglaublich viele Torchancen, insbesondere gegen Ende, wenn es psychologisch viel schwieriger wird, da die Spieler realisieren, dass die Zeit bald abgelaufen ist. Wir kreierten ein Spiel, mit dem man die Partie eigentlich hätte gewinnen können. Mit fünf oder sechs Torchancen glaube ich, dass wir genügend für einen Sieg getan hätten", so Mourinho über die vergeigten Möglichkeiten von Higuain, Benzema und Co.
Für den Coach gibt es für die Zukunft noch reichlich zu tun, doch dummerweise wird er nicht die Zeit dafür bekommen, die er für eine optimale Vorbereitung benötigt, denn kaum hat die Liga angefangen, gibt es schon wieder eine Unterbrechung, da Test- und Qualifikationsspiele mit den Nationalmannschaften anstehen: „Wenn man seine Bestform noch nicht gefunden hat, kann man nur zwei Dinge tun: Verteidigen, damit man kein Tor kassiert und die Chancen nützen, die sich einem bieten. Genau dies müssen wir jetzt tun, da wir in den nächsten 15 Tagen kaum trainieren können. Die Spieler vereisen jetzt mit ihren Nationalmannschaften. Zwei Tage nachdem sie zurückgekehrt sind, steht bereits Osasuna vor der Tür, zwei Tage später dann Ajax." Er machte gleich klar, dass man in den kommenden Wochen keine Wunder erwarten könne und möglicherweise noch mehr Punkte liegenlassen könnte! „Wir haben einfach nicht genügend Zeit, um zu arbeiten und das Risiko ist klar: Wir können Punkte verlieren!" Der Portugiese ist aber dennoch überzeugt, dass man mit dem Gezeigten einiges erreichen kann, sofern man die Torchancen auch endlich verwertet: „Wir müssen defensiv solide stehen und irgendwie einen Treffer erzielen, um die drei Punkte zu ergattern. Darum bin ich enttäuscht, dass wir unsere Möglichkeiten nicht nutzen konnten, aber ich bin nicht der Typ von Trainer, der dem Spieler die Schuld gibt, der das Tor nicht getroffen hat, oder einen Treffer verschuldet hat."
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Jorge Valdano hatte sich einen besseren Einstand seines neuen Trainers gewünscht, doch auch er musste eingestehen, dass noch ein sehr langer Weg bevorsteht, bis man zur gewünschten Form gefunden hat. „Wir haben den Rhythmus während 90. Minuten nie gefunden. Zudem wurde das Spiel ständig durch den Schiedsrichter unterbrochen. Mallorca war sehr gut organisiert", gab der Generaldirektor nach dem Spiel zu wissen. Den Teufel wollte er aber nicht an die Wand malen: „Das war, für den Beginn der Saison, ein ganz normales Spiel."
Die vergebenen Torchancen bereiteten ihm aber weitaus mehr Kopfschmerzen, denn schliesslich war dieses Manko im letzten Jahr mitverantwortlich, dass man keinen einzigen Titel erringen konnte...Lyon lässt grüssen! „Es ist nicht normal, dass Spieler, wie Higuain und Cristiano solche Chancen vergeben, denn im letzten Jahr erzielten sie gemeinsam 50 Treffer", zeigte sich der Argentinier ganz klar unzufrieden! Valdano gab sich aber dennoch für die Zukunft zuversichtlich und versicherte, dass man in wenigen Monaten ein ganz anderes Madrid auf dem Feld sehen wird: „Es ist viel zu früh, um von Schmerz sprechen zu können, da das Team sich erst noch finden muss. Wir besitzen ein enormes Steigerungspotential und werden uns jeden Tag verbessern. Trotzdem ist es eine Enttäuschung, denn wir alle hätten zu Beginn gerne gewonnen."
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Zu guter Letzt gab es noch eine kleine Auskunft über den "Caso Van der Vaart", der zwar nominiert schien, aber von Mourinho vor dem Spiel doch aus dem Aufgebot geschmissen wurde. Valdano erklärte diese Maßnahme wie folgt: „Mourinho hat den Spieler aus dem Augebot genommen. Es war eine exklusive Entscheidung vom Trainer. Van der Vaart spielt auf einer Position, auf der wir genügend Optionen besitzen und es wird sehr schwierig für ihn werden, dort einen Platz zu finden. Zudem fehlt noch Kaká,, der in zwei Monaten zurückkehren wird und dies macht seine Situation noch viel komplizierter," eine klare Ansage des sportlichen Generaldirektors! Es scheint so, als ob die Tage des Holländers in der spanischen Hauptstadt gezählt sind!
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