03.09.2010, 13:04
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Interviews

Mourinho verrät sein Rezept: „Ich weiß, wie man Barça schlägt!“

Real Madrid oder der FC Barcelona? Es ist das Duell der zwei absoluten Giganten der Liga, das zwei Mal im Jahr Spanien teilt und die Welt als Zuschauer begrüßt. 'El Clásico' wird von Millionen verfolgt und die Akteure können zu Helden, oder zu den größten Verlierern werden. Neben Titeln, ist es für beide Vereine am Ende der Saison ausschlaggebend, besser als der Erzrivale abgeschnitten zu haben. In den vergangenen beiden Spielzeiten, ging diese Auseinandersetzung eindeutig an die Mannen aus Katalonien. Doch in diesem Jahr ist ein Mann nach Madrid gekommen, der das ändern will. José Mourinho erklärte im Interview mit der 'AS' wie man die Tormaschine zum stottern, gar zum Totalausfall bringt!

Messi und Co. sorgen für Begeisterung auf der ganzen Welt

Fragt man einen Fußballfan, wer derzeit den besten und gepflegtesten Fußball spielt, wird er mit ziemlicher Sicherheit begeistert vom Spiel des FC Barcelonas berichten. Mit Spielern wie Messi, Iniesta, Xavi oder Villa, muss man nur wenige Akteure nennen, die sofort das Herz eines jeden Fans dieser Sportart höher schlagen lassen. Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika wurde Spanien Weltmeister. Mit dabei, ganze 8 Spieler des FC Barcelona, die größtenteils ihren Platz in der Startformation inne hatten und zusätzlich einen großen Anteil am Erfolg ihrer Nationalmannschaft beitragen konnten. Als 'Fußball von einem anderen Stern', wird das überragende Offensivfeuerwerk bezeichnet, das das Team von Pep Guardiola in nahezu jedem Spiel in der vergangenen Saison zeigte. Sechs Titel in der Saison 08/09, Meister mit 99 Punkten in der vergangenen Saison und auch in der Champions League, trat man bis zum Halbfinale gegen Inter Mailand als der große Favorit für den Titel auf.

Zweifelsohne begeistert das aktuelle Team der Katalanen, was jedoch mit einer gleichzeitigen Demütigung des Teams aus Madrid einhergeht. In den beiden 'Clásicos' der vergangenen Spielzeit musste man sich sowohl im 'Camp Nou', als auch im heimischen Bernabéu nahezu chancenlos geschlagen geben, nachdem man im Jahr zuvor das 2:6-Debakel immer noch nicht aus dem Gedächtnis streichen konnte.

Mourinho: „Barça ist ein fertiges Produkt“

Doch wer kann die Übermacht Barcelona endlich besiegen und wieder vom spanischen Thron stoßen? Die neuen 'Galaktischen', die nach Madrid kamen, haben es unter Pellegrini noch nicht geschafft, doch soll nun der neue Denker und Lenker in der spanischen Hauptstadt, José Mourinho, wieder die richtige Rangordnung auf der iberischen Halbinsel herstellen. Mit Inter Mailand schaffte es der Portugiese bereits im Halbfinale, gegen die 'Azulgrana' zu gewinnen und jubelte im 'Camp Nou' über den Finaleinzug sowie über das Ticket für die Reise ins Estadio Santiago Bernabéu zum Finale der Eliteliga.

Der Saisonauftakt von Real Madrid gegen RCD Mallorca verlief mit dem mageren 0:0 nicht nach dem Geschmack der Fans, doch verteidigte der Coach schon mehrfach seine Philosophie und betonte dabei, dass seine Mannschaft noch nicht eingespielt ist und der Erfolg schon bald zurück an die Concha Espina kommen wird. Doch gerade die Tatsache, dass der Erzrivale am ersten Spieltag gegen Racing Santander schon mit einem klaren 0:3-Sieg aufwarten konnte, beunruhigte die Madridistas. Mou hingegen verunsichert das nicht und beginnt das Interview mit diesem Statement zu Barça: „Ich sage es nun ein für alle Mal: Der FC Barcelona ist ein fertiges Produkt. Sie haben eine Fußballschule aus der Superstars wie Valdes, Puyol, Xavi, Iniesta oder Messi hervorgingen. Sie werden den Verein über 20 Jahre prägen. Es ist ein Team, in welchem es keine Wiedersprüche gibt“, beschreibt er das 'Projekt Barça'.

Von 1996 bis 2000 konnte sich Mourinho als Co-Trainer bei den Katalanen selbst von den Methoden des Vereins überzeugen, weshalb er auch noch jetzt einige Insiderinformationen hat, die ihm beim 'Kampf' mit Real Madrid helfen könnten. „Schaut man sich Barça an mit Spielern wie Rijkaard, Van Gaal oder Cruyff, magst du einen mehr als den anderen. Aber das Spielsystem, in dem sie alle agierten, kennt keine Widersprüche. Der FC Barcelona ist ein fertiges Produkt und erhält nur immer wieder ein Update. Das ist wie bei einem Computer, auf den du immer wieder neue Updates lädst. Dennoch sind sie wirklich clever. Sie gelten als Team, nur bestehend aus der eigenen Jugend. Doch schaut man sich den Kader an, ist dies nicht wahr. Doch auch die gekauften Spieler, ordnen sich dem System unter. Ich bin in Madrid um mit diesem fertigen Produkt zu konkurrieren.“

Gegen Barça darfst du nicht nett sein“

Doch trotz all der Lobeshymnen, die Mourinho berechtigterweise für den Gegner übrig hat, ist er in seiner gewohnt selbstsicheren und leicht arroganten Art davon überzeugt, dass er auch mit Real Madrid dem 'Überteam' Paroli bieten kann. Mit Inter hat er es in der letzten Saison gezeigt, auch wenn die Kritiker zur Stelle waren und die Art und Weise kritisierten. „Wir haben nach dem Platzverweis von Motta mit 10 Mann gespielt. Es war eine historische Partie für Inter, weil sie 50 Jahre nicht die Champions League gewinnen konnten. Wir haben mit 10 Leuten ein 3:1 im fremden Stadion verteidigen müssen, was wollen die Kritiker also? Es war ein ungeheurer Kraftakt, den wir mental gegen den Gegner gewonnen haben! Ausserdem erinnere ich mich, dass im Bernabéu von der ersten Minute an jeder sagte, dass Inter gewinnen würde. Dort bekommst du aber nichts geschenkt, wie man sehen konnte. Auch hier haben wir psychologisch standgehalten“, erläutert 'Mou' seinen Erfolg mit Inter Mailand.

Dass er dieses Patentrezept auch mit seinem neuen Arbeitgeber anwenden kann, steht für den Portugiesen fest und während des Interviews verriet er auch wie sein Vorhaben aussehen wird, um am Ende der Saison vor den Mannen von Pep Guardiola zu stehen: „Sehen sie, ich weiß, wie man gegen Barça spielen muss. Ich weiß es auswendig. 11 gegen 11. Manchmal ist man auch zu zehnt und trotzdem muss man überleben. Barça hat immer den gleichen Spielstil. Wenn du diesen imitieren willst, hast du verloren. Das steht fest. Genau das wollen sie auch, doch am Ende überzeugt dann die bessere individuelle Klasse und das Teamplay, die sie zweifelsohne haben. Ich bin bereits drei Mal auf sie getroffen. Mit Inter haben wir sie aus dem Wettbewerb geworfen“, gibt Mourinho bekannt und äußert sich weiter zu seinen Erinnerungen: „Wir sind im Hinspiel als Engel zu ihnen gekommen und haben uns dort als nette Jungs auch wieder verabschiedet. Im Rückspiel allerdings waren wir vorbereitet und wollten unbedingt ins Finale. Damals waren wir alles andere als sympathisch. Gegen Barça darfst du nicht nett sein. Du musst kämpfen. Ab der ersten Minute.“

In vier oder fünf Monaten ist mein Real Madrid besser als mein Inter“

In diesem Jahr entschied die LFP, dass der erste 'Clásico' im Camp Nou am 28. November stattfinden wird. Spätestens an diesem Tag, den sich alle Fußballfans wohl bereits rot im Kalender markiert haben, wird sich zeigen, welches Konzept am Ende erfolgreich ist. „Ich weiß noch nicht, ob wir gewinnen werden, aber ich weiß, dass wenn man so spielen will wie sie, man tot ist. Wenn du so spielst, wie du es willst, dann kannst du gewinnen.“, so die prägnante Analyse. Doch genau das „Wie du es willst“, muss Mourinho aufbauen und seinem Team aneignen, was er in der Folge auch genauer erläutert. „Wir suchen derzeit die passende Formel. Inter war eine sehr arbeitsstarke Mannschaft, mit 10 Jahren harter Arbeit, die ein physisch und psychisch sehr starkes Inter Mailand hervorbrachte. Mein Team konnte einen Gegner zerstören, der im Schnitt 70 Prozent Ballbesitz im Spiel hat. Um diesem Spiel standhalten zu können, musst du eine fabelhafte taktische Organisation inne haben. Du musst gegen die schnelle Bewegung des Teams auch ohne Ball gewappnet sein. Mein Inter vom letzten Jahr war genau dazu in der Lage.“

Das Erfolgskonzept gegen 'Tiki-Taka-Fußball' aus Katalonien

Der neue Verein von José Mourinho, heißt nun allerdings nicht mehr Inter Mailand, sondern Real Madrid, weshalb die berechtigte Frage gestellt werden darf, ob man dies auch mit dem spanischen Rekordmeister schaffen kann. „Wenn sie mich fragen, ist mein Inter Mailand stärker gewesen, als das derzeitige Real Madrid. Aber ich arbeite hart daran, dass ich in zwei oder drei Monaten sagen kann, dass mein Real Madrid genauso stark ist. In vier oder fünf Monaten möchte ich dann verkünden, dass mein Real Madrid nun noch stärker ist, als das Inter Mailand von damals“, so die überraschende, aber gewohnt selbstsichere Stellungnahme des neuen 'Misters'.

Zum Schluss verriet er dann nochmals einige Details seiner Pläne, wie er die 'Königlichen' im Laufe der Saison wieder ganz nach oben an die Tabellenspitze bringen will. Seiner Meinung nach, muss man gegen Barça nämlich nur so Spielen, dass „sie niemals vor dein eigenes Tor kommen“, so das scheinbar einfache Erfolgsrezept. Denn „wenn sie spielen können und man den Ball im Mittelfeld verliert, Messi dann 20 oder 30 Meter geht, geht es 'Tok-Tok-Tok' über Iniesta und Pedro ab ins Tor. Wenn du in diese Falle tappst, hast du schon verloren. Daher gilt es direkt vorne zu pressen, eng zu stehen, um diesen Aufbaue nicht zuzulassen. Jeder Fehlpass, jede schleche Ballkontrolle kann dir das Genick brechen, denn im Umschalten sind sie gnadenlos. Es ist vollste Konzentration gefragt und perfekte Absprache, damit das Pressing und die Defensive funktionieren. Gleichzeitig haben wir unsere Waffen, um ihnen Probleme zu bereiten“, beschreibt Mourinho das Spiel des Erzfeindes zum Ende des Interviews.

geschrieben von Marcel Hildmann

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