01.09.2010, 15:33
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Interviews

Mourinho wehrt sich: „Ich bin der Trainer, nicht Harry Potter!“

Bereits nach einem Spieltag steht José Mourinho und seine Mannschaft in der Kritik. Nachdem Erzrivale Barça bei seinem ersten Saisonspiel Racing Santander entzauberte und mit 0:3 gewann, „verpatzten“ die Königlichen ihren Saisonstart auf der Ferieninsel Mallorca gehörig und mussten sich die ersten Kritiken in der Heimat gefallen lassen. José Mourinho äußerte sich dazu und sprach in einem Interview mit der Sportzeitung „AS“ Klartext...

Kritik nach schwachem Start -  „Ihr erwartet zu viel auf einmal!“

Während sich das Trio Messi-Villa-Iniesta am vergangenen Wochenende in die Herzen eines jeden Fußballfans zauberte, versagten Ronaldo und Co. bei ihrem Ligaauftakt kläglich. Das war nicht der Beginn, den sich alle Fans erhofft hatten. Denn nach dem enttäuschenden 0:0 steht Real schon jetzt unter Zugzwang. Sogar Stadtrivale Átletico konnte sein Debüt mit 4:0 gegen Gijón für sich entscheiden und rangiert tatsächlich an der Tabellenspitze. Die Länderspielpause gibt Real-Coach José Mourinho jetzt erst einmal die Zeit, Luft zu schnappen. Denn die scheint nach dieser Nullnummer gehörig dichter in Madrid geworden zu sein. Der Druck ist enorm, wie in jedem Jahr - und unter einem Winnertypen wie Mourinho glaubte man an einen erfolgreichen Auftakt in die neue Spielzeit. „Ich bin der Trainer und nicht Harry Potter. Er ist ein Magier. Magie ist Fiktion und ich lebe für den Fußball. Das ist die Realität. Ich bin erst zwei Monate in Madrid, was wollt ihr dann also bitte erwarten? Wisst ihr, wie oft wir trainiert haben, einschließlich aller Neuzugänge und Veränderungen im Kader? Weder zehn. Ich wiederhole: Weder zehn! Uns fehlt noch so viel und deshalb habe ich auch ein paar Spieler gegen Mallorca auf der Bank gelassen, um mit einer ähnlichen Mannschaft wie die des letzten Jahres zu spielen. Manche Akteure kennen sich nicht einmal richtig! Manche haben nur kurz miteinander gesprochen! Hier fehlt noch einiges und natürlich hätte ich mir einen erfolgreicheren Start gewünscht. Es geht aber nichts auf Anhieb und natürlich stelle ich mir bessere Leistungen vor“, polterte Mourinho in einem Interview mit der spanischen Sportzeitung „AS“. Harte Worte, mit denen der Portugiese sich und seine Mannschaft vor weiteren Kritiken schützen möchte. „Seht euch andere Teams an, dann merkt ihr, wie schwer einem der Saisonstart fällt. Bayern München hat gegen einen Aufsteiger verloren, Inter Mailand hat mit einem Unentschieden begonnen und Juve seinen Auftakt sogar verloren. Manchester United spielte ebenfalls Remis gegen Fulham und Manchester City verlor sein zweites Spiel. Es ist nie leicht, in die Saison zu starten und ich bin in der Hinsicht abergläubisch. Mit Porto habe ich mit einem Unentschieden gestartet, am Ende wurden es vier Titel. Mit Inter habe ich mit einem Unentschieden gestartet, am Ende wurden es drei Titel in einer Saison. Der Anfang bedeutet nicht, dass das Ende genauso aussieht. Dieses Unentschieden ist kein Drama“, meinte der 47-Jährige weiter.

Externer LinkNichts als brotlose Kunst - „Farbloses Ballett“ verpatzt den Saisonstart!

Deutsche mit Integrationsproblemen - „Sie brauchen noch Zeit“

Vor allem gäbe es laut dem Portugiesen noch einige Kommunikationsdefizite innerhalb der Mannschaft. Die Franzosen laufen in ihrem Grüppchen, die Deutschen laufen in ihrem Grüppchen. Es müsse mehr Zusammenhalt geben, bisher sieht der Trainer das Team noch sehr gespalten. Besonders Sami Khedira und Mesut Özil stechen dabei heraus, da beide erhebliche Integrationsprobleme vorweisen würden - ähnlich wie auch der französische Stürmer Karim Benzema, der seit einem Jahr in Madrid noch Schwierigkeiten mit der Sprache hat. Dies sei auch der Grund, warum beide noch nicht von Anfang an gegen Mallorca spielten. Man müsse geduldig sein, so Mourinho. Sie sprechen kaum ein Wort Spanisch und haben darum kein leichtes Leben hier. Darüber hinaus beherrschen die beiden nicht einmal das Englische. Die Anteilnahme am sozialen Leben des Teams ist gleich null. Özil lebt mit Khedira und Khedira mit Özil. Daher brauchen beide noch ihre Zeit. Das ist eine sehr junge Mannschaft, die noch viel lernen muss“, erklärte der Erfolgscoach. Der deutsche Nationaltrainer Joachim Löw äußerte sich diesbezüglich ebenfalls und verteidigte seine beiden Schützlinge im Rahmen einer DFB-Pressekonferenz: Man kann nicht erwarten, dass ein Spieler nach einem Wechsel in ein fremdes Land nach drei oder vier Wochen eine neue Sprache sprechen kann. Ich habe mit beiden gesprochen und sie machten einen zufriedenen Eindruck auf mich.

Allen voran von Khediras Integrationsproblemen kann Lassana Diarra profitieren. Gegen Mallorca war der Franzose wieder im defensiven Mittelfeld vorzufinden und machte seine Arbeit sehr gut. Mourinho über den 25-Jährigen: Lass ist ein wichtiger Spieler für Real Madrid. Er kann auf vielen Positionen agieren und ist daher ein nützlicher Akteur, der variabel einsetzbar ist. Er wirkte immer sehr positiv auf mich und ich kann ihn auch als Außenverteidiger einsetzen. Arbeloa ist die defensivere Variante, aber mit Lass kann ich auf einen offensiven Rechtsverteidiger zurückgreifen, solange Ramos noch Innenverteidiger ist. Vor ein paar Wochen stand seine Rolle noch in Frage, doch in Rücksprache mit der Führung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Lass sehr wichtig für das Team sein kann und ein Transfer alles andere brauchbar gewesen wäre.

Externer LinkZum Thema: Mourinho hat „entschieden“: Lass und Gago bleiben!

Der andere Trainer - „Wenn ihr mich nicht wollt, gehe ich eben!“

Doch Probleme in der Mannschaft werden immer wieder auf den Trainer zurückgeführt. In den letzten Jahren entwickelte sich die Trainerbank in Madrid aufgrund der ausgebliebenen Erfolge zu einem echten „Schleudersitz“. Mit Mourinho ist ein völlig anderer Trainer gekommen, einer der nicht weich ist und sich alles sagen lässt. Dies erklärte er auch ehrlich und offen: „Ich bin nicht der Typ Trainer, den Real aus den letzten Jahren kennt. Ich lasse mir nichts sagen. Wenn es hier nicht läuft und man mich nicht mehr will, dann gehe ich eben wieder. Mit mir spielen lassen werde ich nicht. Aber wenn ich gehe, dann nicht nach Palmeiras, oder Gava. Dann trainiere ich eben einen anderen großen Klub. Diese persönliche Festigkeit und dieses Selbstvertrauen, was ich habe, macht mich zum idealen Trainer für Real Madrid, denn hier kann keiner trainieren, der Angst hat und sich alles sagen lässt. Madrid braucht Stabilität und ich bin da, um diesem Klub und dieser Mannschaft Stabilität zu verleihen. Natürlich geht diese Stabilität, wenn man jedes Jahr den Trainer wechselt. Dieses Team braucht Zeit. Ich will damit nicht sagen, dass ich in dieser Saison keine Titel gewinnen möchte, aber ich habe schon vorher gesagt, dass ich eigentlich immer ein Jahr brauche, bis aus dieser Truppe eine echte Einheit wird, die Trophäen gewinnen kann. Ebenso wie ich vor dem Mallorca-Spiel gesagt habe, dass man noch nicht einen Sieg erwarten dürfe und alles möglich sei.“

Externer LinkNur 0:0 auf Mallorca - Was lief falsch? Diskutiert mit!

geschrieben von Kerry Hau

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