Mit José Mourinho kommt der Erfolg zurück nach Madrid – so die Hoffnung, die viele Madridistas haben, konnte der Portugiese doch bereits zwei Mal die Champions League gewinnen und auch die Trophäen der jeweiligen nationalen Meisterschaften stemmen. Bei Real Madrid leitet Mourinho nun seit drei Monaten die täglichen Trainingseinheiten und stand bereits bei einigen Vorbereitungsspielen am Spielfeldrand. Seine Bilanz: Fünf Siege und ein Unentschieden in 6 Spielen. Grund genug, dass er derzeit bei den Sportjournalisten aus ganz Europa hoch im Kurs steht und beinahe täglich eine 'Wasserstandsmeldung' aus der spanischen Hauptstadt abgibt.
'The Special One' lautet José Mourinhos Spitzname, den ihm die englischen Medien während seiner Zeit beim FC Chelsea gaben. Arroganz, oder vielmehr ein ausgeprägter Glaube in die eigenen Fähikeiten, zeichnen den Charakter des Portugiesen aus, so ist jeder in Madrid fest von dem Erfolg überzeugt. „Mein Vorhaben ist es, die Mentalität des Teams in jedem Spiel zu verfeinern. Ich vertraue dabei auf eine bestimmte Methode und will den Spielstil der Mannschaft genau festlegen. Ich bin mir sicher, dass die Spieler während der Saison noch große Fortschritte machen werden. Nachdem ich nun seit drei Monaten bei Real Madrid Trainer bin, kann ich sagen, dass die Mannschaft glücklich ist und weiß, was sie zu tun hat."
Blickt man beim Training und beim Spiel den Akteuren ins Gesicht, erkennt man sofort, dass Mourinho bereits seine Spuren hinterlassen hat. Die Kommunikation auf dem Platz hat oberste Priorität und das Spielsystems dem Lenkers an der Seitenlinie muss über die gesamte Spielzeit eingehalten werden. „Ich unterbreche und frage etwas, worauf ein Spieler antwortet und dann mit einem Mitspieler spricht. Ich erwarte, dass dann auch die anderen Spieler miteinander sprechen. Also höre ich auf und höre zu. Diese Situation mag ich am meisten, weil ich so zuhören kann und Fehler finde. Ich war schon immer ein Trainer, der sein Team von Anfang an motiviert“, stellt er selbstbewusst klar.
Doch trotz aller Kommunikationsvorgaben seitens des Trainers, stehen auf dem Platz nur elf Spieler, die als ein Team auftreten müssen, was das wichtigste Attribut einer Mannschaft von José Mourinho ist. Er will „Spieler mit hoher Qualität, kombiniert mit Motivation und Einsatz“ auf dem Spielfeld sehen, wodurch sich seiner Meinung nach „eine Mannschaft definiert, die eine Einheit darstellt.“ Genau das ist auch gefordert, will man erfolgreich sein. Denn gerade als Trainer von Real Madrid, wo man in jedes Spiel als der haushohe Favorit geht und der Gegner schon Wochen vorher Beton für seine Abwehr anrührt, ist es wichtig als eine Kollektiv aufzutretenin und dann „gut zu spielen und zu gewinnen,“ wie es 'Mou' einfach formuliert. „Es ist essentiell, eine Spielstruktur zu haben und dabei ein gutes Stellungsspiel vorzuweisen. Ich bin mir sicher, dass das Team das umsetzen wird, was allerdings auch seine Zeit dauern wird. Denn ich bin ein harter Arbeiter und niemand,, der Wunder vollbringen kann."
Gerade der enorme Druck, unter dem ein Trainer bei Real Madrid steht, haben viele seiner Vorgänger scheitern lassen. Schlag auf Schlag geht es auch demnächst in der Champions League los, wo man in der
vermeidlichen 'Todesgruppe' gegen Milan, Ajax und Auxerre ran darf. Mourinho sieht es gelassen und mit Vorfreude. „Ich bereits bemerkt habe, dass alle Gegner gegen Real Madrid sehr nervös und unter Druck in ein Spiel gehen. Es ist nur wenig Zeit, um die Ziele zu erreichen. Hier zählt nur der Erfolg. Wir wollen in die Champions League Saison gehen und als Gruppenerster diese Vorrunde überstehen.“
Das Team für diese großen Ziele steht: Ganze sechs Neuverpflichtungen fanden den Weg in die spanische Hauptstadt, wobei allerdings neben
einem Verteidiger und fünf Mittelfeldspielern, von Mourinho eine Verstärkung für den Sturm gesucht wurde. Der Vorstand des Vereins
lehnte diesen Antrag mit dem Verweis auf die eigene Jugend ab, was er allerdings niemandem übel zu scheinen nimmt, weiss er doch nur zu genau, mit wem man es sich im Verein in jedem Falle nicht verscherzen sollte. „Der Präsident des Vereins hat großartige Arbeit geleistet, diese Mannschaft zusammen zu stellen. Er hat mitralles gegeben, was ich für eine erfolgreiche Arbeit benötige. Ich hoffe, dass ich ihm das mit positiven Ergebnissen in dieser Saison danken kann."
Zum Beginn dieses Transfersommer war es das Thema, das in Madrid für Aufsehen sorgte. Die beiden Vereinsikonen und Kapitäne Raúl und Guti verlassen den Verein, um weiter Fußball spielen zu können. Eine Entscheidung, die Mourinho zwar versteht, doch hätte er in Raúl seinen perfekten Draht zur Mannschaft gefunden, weshalb er während des Interviews ein interessantes Angebot an 'El Capitán' macht. „Raúl liebt Fußball und will bei Schalke noch zwei weitere Jahre spielen. Ich freue mich für ihn. Er ist aber bei mir jederzeit willkommen, um mein Assistent zu werden. Er ist ein mustergültiger Fußballprofi. Er selbst darf entscheiden, in welche Richtung sein Leben geht. Er ist ein intelligenter Mann und hat erkannt, dass es bei Real Madrid Spieler gibt, die ihm das Leben schwer gemacht hätten. Er hat eine sehr mutige Entscheidung getroffen“, stellt Mourinho klar.
Doch wer wird das Erbe der Legenden antreten können? Neben Raúl, suchte auch Guti eine neue Herausforderung in der Türkei. Für ihn kam im Mittelfeld der junge Sergio Canales, der in den bisherigen Vorbereitungsspielen teils sehr gute Eindrücke abliefern konnte. Sein Spielstil ist mit dem dem von der ehemaligen Nummer '14' vergleichbar, doch will Mourinho keine Parallelen ziehen. „Ich mag solche Vergleiche zwischen Spielern nicht. Guti hat in Madrid Geschichte geschrieben und für unvergessliche Momente gesorgt. Canales hat eine ähnliche Denkweise wie er und agiert deshalb auch ähnlich. Aber Canales ist ein Kämpfer. Er ist aggressiver als Guti, hat aber trotzdem einige Attribute von ihm."
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