Die Vorbereitung der „Königlichen“ ist momentan voll im Gange. Mit Hochleistungstraining bereitet man sich am Gelände der UCLA vor. Da würden wohl alle Madridistas gerne Mäuschen spielen. Einmal bei einem Training der „Blancos“ mitwirken, was muss das für ein Gefühl sein? Nun ja, 120% müsste man geben, schwitzen, rackern, mit Ball, ohne Ball und immer unter dem wachsamen Auge von José Mourinho. Wenn man es sich dann recht überlegt, schaut man sich wohl doch lieber gemütlich die Profis an, die mit Anweisungen und Übungen über den Platz gejagt werden...
Intensives Programm für die Stars - Foto: Helios de la Rubia, Realmadrid.com
Der zweite Report aus dem Trainingslager in Los Angeles
LOS ANGELES. José Mourinho gilt als absoluter Perfektionist. Was man im normalen Alltag im Volksmund gerne als „Schwäche“ deklariert, ist im Spitzensport eine Tugend, die ihresgleichen sucht. Der Portugiese legt besonders darauf wert, dass der Ball eine zentrale Rolle spielt. Alle Elemente des Spiels müssen zu jeder Zeit auch im Training mit einfließen, um permanent spielsituationsähnliche Abläufe zu generieren. Daher werden die Spieler in Gruppen aufgeteilt und auf zwei Plätzen parallel trainiert. Eine Einheit dauert dabei circa 15 Minuten und wird mit kleinen Pausen von 3 Minuten abgeschlossen, ehe die nächste beginnt. Die Intensität ist dabei auf dem Maximum. 120% müssen es sein, ganz wie in einem Pflichtspiel. Die Augen des „Misters“ streifen dabei wie ein Überwachungsscheinwerfer über das Feld, jede Unkonzentriertheit wird erkannt und laut gestikulierend angesprochen.
Der erste Report:
Kommandant Mourinho, die erste Sorge und ein Wunsch
In kleinen Gruppen arbeiten mehrere Coaches gleichzeitig mit den Spielern. Sie geben Anweisungen, Tipps und dienen als verlängerter Arm von Mourinho. Die Marschrichtung ist klar: verschiedene dynamische Formationen werden forciert. Dabei liegt das Hauptaugenmerk bei der Wahl der Formationen und Spielern darauf, immer eine Balance im Kader zu bewahren. Sogar die Jugendspieler werden als 100% vollwertig ins Training integriert. So stehen zum Beispiel Cristiano Ronaldo, José Maria Callejón und Jesé im 4-3-3 am Feld, um das Pressing der offensiven Dreierkette zu üben. Umschalten von Angriff auf Verteidigung ist dabei existenziell. Der dynamische Wechsel von gezieltem Pressing auf schnelles Konterspiel, fast schon „Trademark“ von Real Madrid. In Unterzahl auch einen Konter zu verteidigen ist da schon etwas schwieriger, daher lässt man die Jungs in verschiedenen Teams antreten.
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In diesem interessanten Szenario standen sich dabei zwei Truppen gegenüber, die mit den gleichen Stürmern aufliefen. Cristiano Ronaldo und Callejón übernahmen dabei die Rolle der „Freigeister“, die jeweils für das Team agierten, das in Ballbesitz ist. Hatte Team A den Ball mit Arbeloa, Varane, Carvalho, Nacho, Xabi Alonso, Coentrão, Kaká und Benzema, so ergänzten sie Cristiano und Callejón. So entstand abwechselnd eine Überzahlsituation für den Gegner. Und bei so einem absolut herausragenden und breiten Kader, stehen sich nun einmal auch im Training nur Stars gegenüber. Das Team in Unterzahl bestand nämlich aus keinen geringeren als Ramos, Pepe, Albiol, Marcelo, Granero, Khedira, Özil und Joselu. Eine gute Übung also, um sowohl Kontersituationen, als auch Verteidigen gegen Mannschaften in Überzahl zu trainieren und auszubauen.
Der Ball und die Kombination, ständig mit allein drei Elementen des Fußballs zu trainieren, stehen dabei bei den „Königlichen“ offensichtlich im Vordergrund. Physisch, technisch und mental wird zu jedem Zeitpunkt des Trainings gearbeitet. Ein reines „um-den-Platz-laufen“ oder physisches Aufbautraining sucht man hier vergeblich. Dabei wird sogar darauf geachtet, seinen wöchentlichen Ablauf so zu gestalten, dass man eigentlich permanent auf höchster Intensität steht. Viel wird im Training abgewechselt und adaptiert, damit die Profis auch auf den verschiedenen Muskelparts Regenerationsphasen erhalten. Das Training der „Blancos“ kann man also durchaus als eine Wissenschaft bezeichnen.
Bemerkenswert ist dabei immer wieder die Verbindung zwischen den älteren, gestandenen Profis im Team und den jungen, unerfahrenen Spielern. So wird Varane zum Beispiel gleich mit in das Innenverteidiger-Quartett aufgenommen. Gerade der „Opa“ im Team, Ricardo Carvalho, kümmert sich, fast schon wie ein Mentor, ständig um den jungen Franzosen. Eine Tatsache, die bei der Erfahrung auch kaum verwunderlich ist. Carvalho hat als Wegbegleiter Mourinhos immerhin schon mehrere Jahre dieser Trainingsmethoden auf dem Buckel und kann sich so auch auf andere Dinge als den strikten Ablauf konzentrieren.
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Stark fokussiert wird auch Fábio Coentrão zur Arbeit erscheinen, denn Mourinho lässt ihn momentan als zentralen Mittelfeldspieler trainieren. So spielte er in verschiedenen Szenarien schon neben Xabi Alonso und auch gegen L.A. Galaxy konnte man eine Tendenz zum Zentrum erkennen. Eine Flexibilität, die dem jungen Portugiesen sicher noch zu Gute kommen wird, doch sollte man mit schnellen Schlüssen aus so einer Beobachtung abwarten. Immerhin haben sich sowohl Hamit Altintop, als auch Nuri Sahin verletzt und stehen somit nicht im Aufgebot. Lassana Diarra und Fernando Gago stehen unterdessen vor einem Abgang. Zwecks der berühmten Balance in den unterschiedlichen Teams war es also notwendig, jemand anderen in die Gruppe der defensiven Mittelfeldspieler zu stellen. Wer könnte da denn besser passen, als der ohnehin schon flexibel einsetzbare Coentrão?
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