11.09.2010, 22:00
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Spielbericht

Özil zaubert, Carvalho trifft - Real nutzt die Gunst der Stunde!

Nachdem sich der Erzrivale aus Barcelona im eigenen Stadion gegen Aufsteiger Hércules blamierte (0:2), war mit einem Sieg Reals die Chance, am großen Konkurrenten vorbeizuziehen, zum Greifen nahe. Osasuna hieß der heutige Gegner, der sich dank der schwachen Chancenverwertung der Königlichen zum Schluss nur mit einer 0:1-Pleite im Bernabéu geschlagen geben musste. Es war wieder kein Feuerwerk der Mourinho-Elf, wieder keine Gala-Show der Superlative - dennoch war es ein gelunger Abend für Fans und Mannschaft. Besonders für einen Deutschen, der sich mit tollen Aktionen in die Herzen der Kulissen zauberte...

Ronaldo wieder fit - Özil und Benzema in der Startelf

„Es spielen auf jeden Fall Casillas, Sergio Ramos, Pepe, Carvalho, Marcelo, Khedira, Xabi Alonso, Ronaldo und Higuaín. Die zwei verbleibenden Spieler, für den Flügel und das offensive Mittelfeld, werdet ihr dann am Samstagabend um 20 Uhrauf dem Rasen sehen“, war José Mourinhos Aussage auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Bekanntermaßen verrät der Portugiese öfter seine Aufstellungen schon wenige Tage vor der Partie, um Spekulationen zu vermeiden, den Gegner jedoch auch zu hintergehen. Oft standen dann schon andere Spieler auf dem Rasen, eine der vielen Taktikformen Mourinhos. Bei dem Namen Cristiano Ronaldo mussten die Journalisten aber noch ein zweites oder drittes Mal nachfragen. Der 25-jährige Superstar war vor Kurzem noch verletzt und sollte nun schon wieder von Beginn an spielen. Mourinho blieb gelassen: „Cristiano trainierte weitaus mehr, als der Rest der Truppe, mindestens fünf Stunden am Tag. Die Ärzte und der Spieler versicherten, dass er zu 100 Prozent bereit ist, um zu spielen."

Externer LinkMehr zum Thema: Mourinho lässt die Katze aus dem Sack: „Cristiano wird spielen!“

So, wie es der 47-Jährige ankündigte, war es dann schlussendlich auch. Beim nicht ausverkauften Ligadebüt im eigenen Stadion standen die genannten Akteure auf dem Platz. Die spanischen Medien, die eigentlich mit Ángel di Maria auf dem Flügel rechneten, sahen dann Karim Benzema von Beginn an auf dem Rasen. Der Franzose hatte zuletzt in der Nationalmannschaft getroffen und spielte in aufsteigender Form. Dazu gab Mourinho auch dem Deutschen Mesut Özil die Chance, sich als offensiver Mittelfeldmann und Spielmacher zu etablieren. Familie und Freunde des ehemaligen Werder-Akteurs flogen für das Heimdebüt ihres Lieblings sogar in die spanische Haupstadt. 

Wenn die Offensivstars nicht treffen, ist Carvalho zur Stelle

Dies schien den Neuzugang mehr als nur zu beflügeln. Özil spielte von Beginn an aktiv mit und bot sich immer wieder an, man merkte dem Linksfuß die Spielfreude gerade zu an. Die ersten 45 Minuten gehörten im Allgemeinen natürlich den Madrilenen, auch wenn Osasuna mit einem jedoch harmlosen Kopfball die erste Torchance zu Buche stand. Grund zum Jubel gab es aber nicht im ersten Durchgang, abgesehen von dem Endstand aus Barcelona, der zu Beginn der Partie im Bernabéu durchsickerte und dann auch auf der Anzeigetafel sichtbar wurde.

Das Mourinho-Team tat sich, wie auch schon beim Saisonauftakt gegen Mallorca, bei seinem Spielaufbau schwer. Nur wenig Chancen entstanden, da der Kontrahent auch sehr tief stand und auf Verteidigung spielte. Die Mannschaft des ehemaligen Real-Trainers Camacho konnte sich über das ganze Spiel nicht eine hochkarätige Torchance erarbeiten, was auch der guten Defensivleistung der Viererkette um Sergio Ramos, dem wiedergenesen Pepe, Carvalho und Marcelo zu verdanken war. So gut das Defensivspiel funktionierte, so schwach waren aber auch die Bemühungen in der Offensive. So war es oft ein Cristiano Ronaldo, der für manch gute Zauberszene das Publikum nicht zum Einschlafen brachte oder der bereits genannte Özil mit seinen hervorragenden Pässen. Solche hervorragende Pässe erhielten beispielsweise Higuaín und Ronaldo, die allerdings beide am Torhüter scheiterten. Dieses Szenario schleppte sich bis zur Pause hin und es blieb beim 0:0. Begleitet von den Pfiffen der unzufriedenen Zuschauer und einem ernst dreinblickenden Mourinho, der schon fast einen seiner Notizblöcke vollgeschrieben hatte, begab sich die Mannschaft in die Kabine.

Mit dem Start der zweiten 45 Minuten kam dann auch ein wacheres Madrid zurück auf das Grüne. Kein Geringerer als Mesut Özil war es dann, der die missmutige Kulisse durch seine Vorbereitung zum einzigen Treffer des Abends zum Jubeln brachte. Über die linke Seite per Konter exzellent freigespielt, tankte sich der deutsche Nationalspieler durch und brachte den Ball vor die Füße Cristiano Ronaldos, der eigentlich nur noch aus 11 Metern ins Tor einschieben brauchte. Osasuna-Schlussmann Ricardo parierte den schwachen Schuss, konnte ihn aber nicht festhalten und so leitete Ronaldo das Spielgerät mit der Spitze weiter zum mitgerannten Innenverteidiger Ricardo Carvalho, der zur Freude aller den Ball endlich ins Tor schoss. Wenn es die Offensivstars um Higuaín, Ronaldo und Benzema nicht richten können, muss eben der eiserne Abwehrchef herhalten. Mit diesem Treffer krönte der Neueinkauf auch gleichzeitig seine grandiose Defensivleistung. 

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Nach dieser Erlösung in Minute 48 erhofften sich die Fans dann folglich noch weitere Gründe zum Jubeln. Die gab es aber nicht mehr. Unzählige Möglichkeiten, vor allem von Higuaín, wurden ausgelassen. Diese Chancenbehandlung entwickelte sich schon in den letzten Jahren zum Problem für den Argentinier, der bei seiner Auswechslung nur milden Beifall erhielt und teilweise ausgepfiffen wurde. Anders war es bei Mesut Özil. Bei der Auswechslung der neuen Nummer 23 kurz vor Schluss, gab es neben lautem Klatschen auch Standig Ovations. Eine sehr gute Partie des Deutschen, der sich mit dieser Leistung in das Herz des Publikums zaubern konnte. Sami Khedira wusste mit tadelloser Arbeit im defensiven Mittelfeld ebenfalls zu überzeugen. Es hätte am Ende auch gut und gerne 5:0 für die Hausherren stehen können, da täuscht das Ergebnis die recht schwache Leistung der Gäste. Die Anhänger des Klubs, die Mannschaft und der Trainer konnten dennoch alles in allem mehr als zufrieden gestellt das Stadion verlassen haben. Mit dem  positiven Hintergedanken im Kopf, dass auch Barcelona schlagbar ist.

Kurzstatistik zum Spiel

Spielort: Estadio Santiago Bernabéu, Madrid (68.000 Zuschauer)

Real Madrid: Iker Casillas; Sergio Ramos, Carvalho, Pepe, Marcelo; Khedira, Xabi Alonso: Cristiano Ronaldo, Özil (Granero, m.88), Benzema (Pedro León, m.70); e Higuaín (Di María, m.90).

Osasuna: Ricardo; Damiá (Oier, m.63), Lolo, Flaño, Monreal; Juanfran, Puñal, Nekounam, Camuñas; Soriano (Pandiani, m.75); y Aranda (Masoud, m.67).

Gelbe Karten: Cristiano Ronaldo, Marcelo für Real - Puñal, Aranda für Osasuna

Schiedsrichter: Teixeira Vitienes

geschrieben von Kerry Hau

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