04.10.2010, 13:58
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Perfektionist und ‚Spielverderber‘ - „Wir könnten schon 18 Punkte haben!“

Der erwartete Kantersieg gegen Deportivo La Coruña wurde Wirklichkeit. Mit 6:1 siegte man im heimischen Santiago Bernabéu und stellte dabei zum ersten Mal die ganze Klasse der Mannschaft unter Beweis. Nach dem schwachen Auftritt gegen Levante und der durchschnittlichen Leistung gegen Auxerre, gibt sich José Mourinho nun zufrieden mit dem Spiel gegen 'Depor'. Besonders erfreut war er dabei mit dem Auftreten des Deutschen Mesut Özil...

Das war ein wichtiges Spiel für unsere Stürmer“

Die klaren Gewinner des Spiels waren gegen Deportivo La Coruña in der Offensive aktiv. Higuain, Di Maria und Özil zeigten alle ein starkes Spiel, begleitet von einem Cristiano Ronaldo, der mit Powerdribblings und Schüssen der Extraklasse die Zuschauer im Bernabéu begeisterte. Das Spiel fand nur auf ein Tor statt. Chancen im Minutentakt, wie schon zu Beginn der Saison. Mourinho überraschte das nicht, weshalb er sein Statement mit einem Vergleich zu den ersten Spielen der Saison begann. „Im Endeffekt gab es kaum einen Unterschied zum Spiel gegen Ajax. Der einzige Unterschied ist, dass wir heute 6:1 gewonnen haben. Wir haben sehr gut gespielt und auch in der Defensive bis zum 4:0 solide agiert. Wir haben sechs Spiele zum Auftakt gewonnen und zwei Mal unentschieden gespielt.“

Der gravierende Unterschied zwischen dem Auftritt seiner Mannschaft gestern, zu den ersten Partien der Saison, lag alledings nicht in der Frequenz der Chancen, sondern in der vielzitierten Chancenverwertung. Der 'rote Faden' scheint gerissen und die Stürmer schossen sich den Frust von der Seele, was auch der Coach der 'Blancos' bemerkte. „Wir hatten nicht mehr Chancen, als zum Beispiel beim Spiel gegen Mallorca. Es war ein wichtiges Spiel für unsere Stürmer, die endlich wieder Freude am Tore Schießen entdeckt haben. Das ist wunderbar. Jeder Spieler hat auf dem Platz die gleiche Freude an den Tag gelegt. Wir haben ein solides und schweres Spiel gezeigt.“

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Wie kann man einen Trainer wie mich kritisieren?“

Wir müssen so viele Punkte gewinnen, wie es geht. Wir könnten schon 18 Punkte haben, weil wir so immer gespielt haben. Aber wir haben bereits vier verloren. Es gibt Mannschaften in der Tabelle, die vor uns stehen“, beurteilt Mourinho den bisherigen Saisonverlauf weiter, wobei natürlich das 'Gewinner-Gen' zum Vorschein kommt, das ihn schon seit jeher auszeichnet.

Kritik wurde laut, nach den mageren Leistungen gegen Levante, Auxerre oder auch Mallorca zu Saisonbeginn. Doch genau das ist die Motivation von José Mourinho. Er provoziert gerne, sagt nicht immer das, was die Leute hören möchten. „Alle Zweifel, die die Leute hegten, haben mich zusätzlich motiviert.“ Anschließend begann das Selbstlob, für das der Portugiese berühmt und berüchtigt ist. „Ich verstehe es einfach nicht, wie man an einem Coach zweifeln kann, der so viele Titel gewonnen hat, wie ich. Ich weiß nicht, was man hier von einem Trainer erwartet. Vielleicht sind drei Champions League Titel und 7 Meisterschaften endlich genug. Gut, ich habe zwei Titel in der Königsklasse und bin sechs Mal Meister geworden. Ich denke, ich darf Entscheidungen treffen. Ich bin ruhig geblieben, nachdem wir gegen Levante nur Unentschieden gespielt haben und aus Auxerre mit einem 1:0 nach Hause kamen. Wir sind nicht die beste Mannschaft der Welt, weil wir 6:1 gewonnen haben, aber auch nicht die schlechteste Mannschaft, weil wir 0:0 gegen Levante gespielt haben. Wir sind immer noch verbesserungsfähig.“

Vollstes Vertrauen von Mourinho für Özil und Benzema

Doch aus der guten Mannschaftsleistung, gingen auch einige Spieler hervor, die starke Auftritte gegen 'Depor' zeigten. Einer davon war Mesut Özil. Der Deutsche scheint aus seiner Nichtberücksichtigung für die Startelf gegen Auxerre gelernt zu haben und zeigte ein starkes Spiel am gestrigen Abend. „Ich war sehr angetan von Özils Leistung. Bei Werder hat er weniger Verantwortung und Druck verspürt. Er muss hier auch unter großem Druck gut spielen und seine Schwächen weiter ausmerzen. Für ihn ist es physisch sehr hart über 90 Minuten zu spielen, er muss hier mehr arbeiten als in Deutschland, aber er ist essentiell für die Mannschaft, wenn er fit ist. Mit 21 ist er noch fast ein Kind und ich bin sicher, dass er bald sein Optimum erreichen wird. Die Fans unterstützen ihn und sind zufrieden mit ihm. Er hat einen wichtigen Schritt hinter sich gebracht. Ich wollte, dass er weiter entfernt von Alonso und Khedira spielt, um mehr Druck auf Ruben Peréz ausüben zu können. Ich habe ihm viel Freiraum gewährt, um Anteil am gesamten Aufbauspiel zu haben“, so die lobenden Worte des Trainers, der dem Nationalspieler weiter sein vollstes Vertrauen schenkt.

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Ein Spieler, der gestern nicht ganz so zufrieden gewesen sein dürfte, ist Karim Benzema. Nachdem er in seiner Heimat noch in der Startaufstellung stand und dabei eine unglückliche Partie zeigte, bekam er gegen Deportivo die Quittung und saß über 90 Minuten auf der Bank. Doch schon vor einigen Tagen betonte Mourinho, dass er immer zufriedener mit der Leistung des Franzosen ist, was auch nun bei seiner Beurteilung der Situation des Stürmers zum Tragen kommt. „Ich bin immer glücklicher mit Karim. Er hat unter der Woche sehr gut gearbeitet auf dem Platz. Ich habe ihn auf der Bank gelassen, weil es für Granero und Juan Carlos sehr wichtig war, 20 Minuten im Bernabéu zu spielen. Ich wollte ihnen das gönnen, weshalb Karim 'geopfert' wurde. Das ist der Grund, warum er nicht gespielt hat. Ich habe kein Problem mit ihm. Im Gegenteil: Ich habe mehr Vertrauen in ihn, als je zuvor. Ich musste aber Juan Carlos seine Chance für sein Debüt geben“, beendete er sein ausführliches Statement nach dem ersten überzeugenden Auftritt seines Teams gegen Deportivo La Coruña.

geschrieben von Marcel Hildmann

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