Wie kann man einen Spieler kritisieren, der aktuell mit 21 Saisontoren der beste Torjäger in der spanischen Liga ist und auf dem besten Wege ist, seinen eigenen Torrekord nochmals zu knacken? Das geht nur bei Real Madrid und in diesem Fall bei Cristiano Ronaldo. Nachdem er seinen Treffer zum 5:1 gegen Granada am Wochenende nicht einmal mehr bejubelte, musste er sich gar einige Pfiffe vom Publikum im Bernabéu anhören. Madrids Legende Alfredo Di Stéfano fand dafür eine diplomatische Begründung.
Ehrenpräsident Alfredo di Stéfano bezog Stellung - Foto: David Anchulo, Realmadrid.com
MADRID. Als Fußballprofi hat man es nicht immer unbedingt leicht. Insbesondere dann nicht, wenn man Cristiano Ronaldo heißt und die Erwartungen beinahe durch der Decke schießen. Führt er mit einem Hattrick sein Team im Alleingang zum Sieg, ist es eine Selbstverständlichkeit. Trifft er jedoch einige Spiele lang nicht das Tor, nehmen die Kritiker ihn auseinander. Der – zugegebenermaßen medial hochgepushte – jüngste Eklat um ihn keimte am vergangenen Samstagabend auf. Beim 5:1-Heimsieg gegen Granada jubelte Cristiano nicht bei seinem Treffer in der 90. Minute. „Also ich weiß wirklich nicht was ihr habt. Mir ist es doch viel wichtiger, dass er die ersten vier wichtigen Tore mit seinen Kollegen bejubelte, als das letzte, fünfte Tor in der 90. Minute. Wenn man jetzt schon einen Spieler kritisiert, weil er keine Tore feiert, kann man genauso mich kritisieren. Ich habe keines der fünf Tore gefeiert, ich habe mich nicht einmal bewegt und bin sitzen geblieben", erläuterte sein Coach José Mourinho die Situation nüchtern.
Natürlich sind die Ronaldo-Kritiker meist die Initiatoren solcher Aktionen. Eben dieser Meinung ist auch der Ehrenpräsident Real Madrids, Alfredo Di Stéfano. Zwar verteidigt er den teuersten Fußballspieler aller Zeiten, doch gesteht er auch den Fans im Stadion das Recht ein, ihre Meinung zu äußern. „Das Publikum hat das Recht zu tun, was es machen will. Die Fans zahlen den Eintritt und sie haben das Recht zu pfeifen. Aber wenn 100 Personen gegen ihn sind, kann es sein das 1000 hinter ihm stehen. Das Publikum hat immer Recht und wenn sie pfeifen, weil du kein Tor schießt wollen sie, dass deine Anstrengungen effektiver sind“, erklärte der 85-Jährige den Medienvertretern.
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Doch was war eigentlich mit der Wahl zum Fußballer des Jahres 2011? Ronaldo war bei der Preisverleihung in Zürich nicht anwesend. Eine Vorahnung, dass Messi zum dritten Mal die Wahl gewinnen wird? Nein, viel mehr stand das Spiel gegen Málaga im Fokus. Auch für Di Stéfano, der selbst 1957 und 1959 Europas Fußballer des Jahres wurde, stehen die Spiele und Erfolge mit der Mannschaft im Vordergrund. „Wieso sollten mich diese Preise interessieren? Ich habe selbst zwei Mal gewonnen. Das Wichtigste ist dass, was die Mannschaft erreicht, nicht das Werk eines Individualisten. Die Mitspieler helfen damit man Erfolg hat, denn ein einzelner Akteur kann kein Spiel gewinnen“, erläuterte Don Alfredo abschließend seine klare Ansicht.
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