Zur Saison 2009/10 noch für 15 Mio. Euro an die Concha Espina beordert, ist Innenverteidiger Raúl Albiol heute im Niemandsland versunken. Wie geht es weiter mit dem Weltmeister von 2010?
Derzeit ohne Chance in Madrid - Foto: Elisa Estrada, Realmadrid.com
MADRID. Dem wiederholten Präsidialamtsantritt vom spanischen Bauunternehmer Florentino Pérez folgte ein Transfer-Sommer der Superlative – einen, der Fußball-Europa in Atem hielt. Dabei warb der heute 64-Jährige damit, eine Kader-Revolution basierend auf ausländischen Top-Stars, aber auch einheimischen Spaniern, vorzunehmen. Mit Ronaldo, Kaká und Benzema verpflichtete man in der Folge drei Weltklassespieler im Gesamtwert von 194 Mio. Euro. Doch hielt er ebenso Wort und ein Gerüst aus Spaniern fand den Weg an die Concha Espina. Raúl Albiol war im Sommer 2009 einer dieser nationalen Helden, krönte er sich doch ein Jahr zuvor mit Spanien zum Europameister. Lange buhlte man um den Valenciano, schließlich legte man 15 Mio. Euro auf den Tisch, Albiol wurde königlich und im Santiago Bernabéu vor Tausenden von Fans euphorisch präsentiert. In Saison eins lief es unter Coach Manuel Pellegrini mehr als gut. Als Stammspieler kam der 190 cm große Hühne in Liga, Champions League und Pokal zu insgesamt 42 Einsätzen. Doch dies sollte die einzige Spielzeit bleiben, in der er so richtig mitmischen konnte. Seit dem Amtsantritt von Startrainer José Mourinho, ging es stetig bergab. Stand er in der letzten Saison wettbewerbsübergreifend noch 38 Mal auf dem Rasen, sieht es heute düster aus für Albiol.
Dabei sollte in dieser Saison eigentlich alles ganz anders kommen, der Bock umgestoßen werden. Bereits in der
Saisonvorbereitung bließ Albiol zum Kampf und betonte selbstbewusst: „Ich fühle mich sehr gut, finde wieder zu meiner alten Form zurück und streite dann mit Pepe, Carvalho und Varane um einen Platz in der Innenverteidigung. Die Konkurrenz ist zwar groß, aber wenn ich benötigt werde, will ich dem Trainer zeigen, dass er auf mich bauen kann.“
Das Ende vom bisherigen Lied ist bekannt: Magere zwölf Partien bei 785 Minuten absolvierte der 26-Jährige in allen Wettbewerben. Was sich noch als viel negativer für ihn darstellt: er ist nur noch das fünfte Rad am Wagen, längst hat ihn selbst der 18-Jährige Raphaël Varane im Innenverteidiger-Ranking überholt! Darüber hinaus tummeln sich vor ihm Namen wie Pepe, Ricardo Carvalho und Sergio Ramos. Womöglich war schon unterschwellig die Verpflichtung des jungen Franzosen ein deutliches Signal an Albiol, dass man keine großen Pläne mehr mit ihm schmiedet. Wie ein Stich ins Mark, mögen sich dabei José Mourinhos Aussagen anfühlen, in denen er mit großer Sicherheit ankündigte: „Varane wird mit 20 Jahren für die nächsten zehn Jahre Stammspieler sein, da bin ich mir ganz sicher!“ Gerät Albiol in Vergessenheit? Eine echte Perspektive hört sich zumindest anders an.
Realmadrid.de berichtete jüngst von der Situation des anderen „Problemkindes“ Nuri Sahin, der in dieser Saison ebenfalls nicht in die Spur findet. Wie bei Sahin muss man sich auch bei Madrids Nummer 18 fragen: wie geht es weiter? Der spanische Abwehrmann hat schlechte Karten. Apropos „spanisch“: wohl oder übel muss man als Anhänger der Königlichen feststellen, dass sich das Madrider Gespann in der spanischen Nationalmannschaft verkleinert, denn Albiol zählt längst nicht mehr zum Kader des Weltmeisters. Die EM 2012 in Polen und der Ukraine kann er sich aller Voraussicht nach abschminken. Vom einstigen Welt- und Europameister und Stammspieler Real Madrids nun zum Reservisten, beziehungsweise zum Tribünengast. Welch ein dramatischer Abstieg!
Die einzig plausible Lösung wäre nunmehr ein Abschied. Wie spanische Medien schon im Laufe der Hinrunde berichteten, habe man hinter verschlossenen Türen daran gedacht, Spieler wie Esteban Granero oder eben Raúl Albiol bei einem guten Angebot ziehen zu lassen. Große Konkurrenz, keine Chance – da wollte man seinen Akteuren keine Steine in den Weg legen. Die Presse brachte ihn mit Málaga in Verbindung, deren Trainer kein geringerer als Manuel Pellegrini ist. Ein Wechsel kam bisher jedoch noch nicht zustande. Im Sommer wird sich die Frage nach einem Abschied wieder stellen, sollte er nicht mirakulös das Feld von hinten räumen und die Innenverteidiger-Elite in den Schatten stellen, aber ist das realistisch?
Noch ist eine Rückrunde zu spielen, die Messe nicht gelesen. Bestes Beispiel: der wiederaufleuchtende Stern von Granero! Nachdem der Mittelfeldmann schon fest mit einem Wechsel zu Betis Sevilla geliebäugelte hatte, nutzte er zuletzt seine Chance und kam öfter zum Einsatz. Ob dies auch dem Abwehrspieler widerfahren könnte? Bisweilen steht jedoch fest: der erhoffte, sportliche Karrieresprung ging in die Hose!
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