Ricardo Carvalho ist die fünfte Neuverpflichtung Real Madrids in diesem Sommer. Der 32 Jahre alte Innenverteidiger kommt jedoch nicht nur als wichtige Schlüsselfigur für die Defensive, sondern auch als guter Freund und Weggefährte seines Landsmannes Mourinho. Über viele Spielzeiten arbeitete einer der wohl weltbesten Abwehrspieler der letzten Jahre mit dem neuen Trainer des spanischen Rekordmeisters zusammen, reifte unter ihm zu einem Spieler im Weltklasseformat - und soll nun das langjährige und große Defensivproblem der Madrilenen beheben...
In den letzten Wochen mag man in Madrid nicht besonders gerne die tägliche Sportzeitung gelesen haben. Jeden Tag auf dem Titelblatt schon sah man einen Maicon von Inter Mailand, oder einen Thiago Silva vom AC Mailand. Zwischenzeitlich gab es dann auch einmal zur Abwechslung Gerüchte um Youngster David Luiz von Benfica Lissabon. Es ist besonders verwunderlich, dass gerade Abwehrspieler mit Real Madrid in Verbindung gebracht werden. Es hat den Anschein, als fände unter Neu-Coach José Mourinho eine Art 'Revolution' bei dem spanischen Fußballgiganten statt...
Der Brasilianer
Maicon galt als Wunschspieler des 47-jährigen Portugiesen, der seinen Ex-Spieler unbedingt von Inter Mailand zu Real Madrid locken wollte. Nach wochenlangem Theater und abertausenden Spekulationen beendete der Präsident der 'Nerazzurri', Massimo Moratti, die Gerüchte: „Maicon bleibt bei Inter, wir haben ihn vom Markt genommen! Er ist unverkäuflich.“ Heute bestätigte dann sogar noch der Berater des Spielers, Antonio Caliendo, dass Maicon Inter treu bleiben und möglicherweise bald einen neuen Vertrag unterzeichnen würde. Bei Thiago Silva vom direkten Stadtrivalen Inters, waren die Chancen auf einen Transfer gar noch geringer. Dieser bekundete mehrfach, den 'Rossioneri' treu bleiben zu wollen. „Eines Tages werde ich vielleicht unter Mourinho trainieren. Aber nicht jetzt, nicht dieses Jahr. Ich liebe Milan, das ist meine Familie“, lautete das klare Bekenntnis des brasilianischen Innenverteidigers. David Luiz hingegen, galt als vollkommen unmöglich, da Benfica Lissabon unter einem Angebot von 45 Millionen Euro gar nicht verhandeln wollte.
So stellten sich einige Madridistas die Frage, wer die Abwehr des Mourinho-Teams denn nun verstärken würde, nachdem für viele der Maicon-Transfer schon so gut wie sicher galt. Die Nachricht heute Abend kam dann schon etwas überraschend, schließlich hatte José Mourinho einen Carvalho-Transfer schon so gut wie ausgeschlossen (
Realmadrid.de berichtete). Für 8 Millionen Euro kann man diesen Neueinkauf schon fast als 'Schnäppchen' bezeichnen, auch wenn Carvalho mittlerweile 32 Jahre alt ist. Der wohl größte Wunsch und die Anforderungen Mourinhos wurden mit diesem Akteur jedenfalls 100 Prozent erfüllt...
Denn Ricardo Carvalho ist sicher kein unbekannter Name im Weltfußball. Der Innenverteidiger kommt mit 19 gewonnenen Trophäen und einer Riesenerfahrung nach Madrid. Jahrelang spielte der portugiesische Nationalspieler auf internationalem Spitzenniveau - ob bei Weltmeisterschaften, Europameisterschaften oder in der UEFA Champions League. „Meine Abwehr braucht einen erfahrenen Verteidiger auf Weltklasseniveau, einen begabten und fähigen Spieler. Einen Abwehrmann, der auch Vorstöße wagt und uns die Ruhe und das Gleichgewicht gibt“, erklärte Mourinho vor wenigen Tagen. Kurz gesagt: Man suchte nach einem renommierten, erfahrenen Abwehrchef. Nach dem Karriereende von Fernando Hierro Anfang des 21. Jahrhunderts konnte diese Lücke nie so wirklich gefüllt werden. Pavón, Woodgate oder Metzelder sind nur wenige Beispiele für kläglich gescheiterte Nachfolger. Der Portugiese Pepe galt und gilt noch immer als solcher zukünftiger Abwehrchef, doch Verletzungen werfen den Spieler immer wieder aus der Bahn. Raúl Albiol und Garay sind hingegen Männer für die Zukunft, mit großem Talent und Entwicklungspotential. Mit Ricardo Carvalho kommt nun ein Mann für den Augenblick, nicht für die Zukunft. Zwei Jahre plus ein mögliches weiteres unterschreibt der 32-Jährige in der spanischen Hauptstadt - um in erster Linie diese Abwehr zu organisieren, dieses große Defensivproblem aus der Welt zu schaffen und natürlich den 'jungen Wilden' etwas mit auf den Weg zu geben. Für Mourinho ein sehr wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Neuzugang.
Und es ist ja nicht das erste Mal, dass Mourinho und Carvalho zusammenarbeiten. Schon von 2001 bis 2004 beim FC Porto und von 2004 bis 2007 beim FC Chelsea war 'Mou' der Coach und Mentor Carvalhos. Unter ihm reifte Carvalho zu diesem Spieler im Weltklasseformat. Schnelligkeit, Eleganz und sein nahezu perfektes Stellungsspiel machen 1,81 Meter großen Rechtsfuß zu einem absoluten Leader in jedem Team. Dies bewies er bei Porto, bei Chelsea, in der Nationalmannschaft - und in Zukunft auch bei Real Madrid.
Seine große Profikarriere begann bei einem Provinzklub Leça, bei dem er schon schnell einen bekannten Namen machte. Schnell sprach sich unter den Talentscouts herum, dass dort eines der größten Abwehrtalente des portugiesischen Fußballs sein Geld verdient. 1997 wurde sein Traum dann war, er kam zum FC Porto und unterzeichnete seinen ersten richtigen Profivertrag. Bei diesem großen Klub war es jedoch schwierig für den jungen und schüchternen Carvalho, sich in der ersten Mannschaft durchzusetzen und so verlieh man ihn für zwei Jahre nach Setubal und Alverca, wo er Erfahrung sammeln sollte, bevor er zurückkehrte, zum wohl bekanntesten Klub Portugals. Als er wieder in Porto war, wartete José Mourinho auf ihn, der fortan die Weiß-Blauen trainierte. Schnell verstanden sich die Beiden und Mourinho vertraute dem Youngster, baute ihn immer wieder auf und setzte ihn ein. Über die Monate hinweg entwickelte sich Carvalho in jungem Alter von 24 Jahren zu einer wichtigen Stütze und zum unangefochtenen Stammspieler. 2003 gewann man den UEFA Cup, 2004 gar die UEFA Champions League - eine Überraschung, mit der zu diesem Zeitpunkt kaum jemand rechnete. Zu den Schlüsselfiguren zählten Carvalho, Deco - und Mourinho.
Nach dem gewonnenen Europapokal winkte für Mourinho eine neue Herausforderung mit dem Namen 'FC Chelsea London'. Ihm folgte Ricardo Carvalho für umgerechnet rund 30 Millionen Euro im Sommer 2004 an die Stamford Bridge. Dort gab es zwar keinen gemeinsamen Champions League-Titel zu feiern, jedoch jede Menge andere Erfolge. Zu der Titelsammlung Carvalhos gehören zwei portugiesische Meisterschaften, ein portugiesischer Pokalsieg, ein UEFA Cup und ein Champions League-Titel, drei englische Meisterschaften, zwei Trophäen im 'Carling Cup', zwei Titel im 'Community Shield', sowie drei Titel im 'FA Cup'. Und an all diesen gewonnenen Pokalen hat Carvalho maßgeblich zu beigetragen, war über die Jahre hinweg stets Stammspieler - ob beim FC Porto oder bei Chelsea London.
Mit dem Abgang José Mourinhos 2007 aus der englischen Hauptstadt veränderte sich jedoch dann ein Verhältnis zwischen den beiden langjährigen Freunden. Die Trennung fiel besonders schwer, und Mourinho wollte seinen Landsmann das ein oder andere Mal zu Inter Mailand locken, was ihm letzten Endes nie gelang. Dazu kam für Carvalho dann eine große Verletzungsmisere. 2007 und 2008 plagten ihn Rückenschmerzen, 2009 und 2010 hatte er mit Knieprobleme, Muskelfaserrissen, Oberschenkel -und Knöchelverletzungen zu kämpfen, was ihn das ein oder andere Mal vollkommen aus der Bahn warfen. Nun ist er wieder fit und zurück in der Obhut seines Mentors Mourinho. Seit 2001 arbeiteten beide zusammen, bis auf die Mourinhos zweijährigen 'Expedition' nach Mailand. Der verlorene Sohn des Real-Trainers ist zurück - und kann für den spanischen Rekordmeister wichtiger sein, als manche es sich von einem 32 Jahre alten Veteran, der für nur 8 Millionen Euro an die Concha Espina kommt, erwarten. Es ist kein Ende oder lockerer Karriereausklang für Carvalho, sondern noch einmal eine echte Herausforderung im Herbst seiner Laufbahn. „Das wäre eine echte Aufgabe und Herausforderung, noch einmal national und international einige Titel zu holen. Nach Madrid und zu Mourinho würde ich sogar laufen, tauchen oder schwimmen“, waren seine Worte vor rund einem Monat. Jetzt hält man in Madrid bereits Ausschau nach Carvalho - ziemlich bald müsste er ja dann eintreffen...
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