Der nächste Härtetest ist bestanden: Der Große bezwingt den Kleineren – Real 4, Atlético 1. Nach einer sehr hitzigen und vom Stadtkontrahenten teilweise brutal geführten ersten Halbzeit, in der Real es nur zum Ausgleich schaffte, brachte die zweite Hälfte die Wende und Entscheidung im 75. Madrider Liga-Derby. Cristiano Ronaldo traf zwei mal vom Elfmeterpunkt, Gonzalo Higuaín netzte als Joker ein und der Wiedergenesene Ángel Di María durfte ebenfalls sein Comeback-Tor bejubeln.
CR7 traf im Madrid-Derby doppelt - Foto: Helios de la Rubia, Realmadrid.com
MADRID. Das große Derbi Madrileño verspricht jedes Mal auf's Neue Kampf, Emotionen und Tore. Atlético forderte den großen Kontrahenten Real im Bernabéu heraus, konnte dort aber seit 13 Spielzeiten nicht mehr gewinnen. Angesichts der zuletzt überragend zelebrierten Fußballkunst des Tabellenführers und noch keinem erreichten Auswärtssieg für den Tabellenzehnten, hätte nicht viel schief gehen dürfen. Dennoch konnten die Merengues ihren frühen Rückstand zur Halbzeit nur noch ausgleichen. Das Spiel war in den ersten 45 Minuten von anderen Dingen geprägt: Kampf und Emotionen. Die bekamen die Anheizer auf den ausverkauften Rängen des Glühofens Bernabéu zu genüge! Atlético agierte mit unfassbar vielen Fouls. Taktische Unterbrechungen glichen Attentaten auf jeden ballführenden Königlichen. Die Vorgabe,
in den ersten 30 Minuten kein Gegentor zu bekommen, setzten die Rojiblancos mit allen Mitteln um. Der souveräne Referee Mateu Lahoz hatte jedoch keine Scheu, Farbe ins Spiel zu bringen und ließ sich von der sehr hitzigen, rudelbildungsaffinen Atmosphäre nicht anstecken – auch nicht von einem wutschnäubenden mourinho’schen Stier, der sichtlich um seine Schützlinge bangte. Das gefeierte Zauberspiel fand durch die vielen Unterbrechungen und Unterbindungen nur punktuell statt, feldüberlegen war man, doch Torchancen waren Mangelware. Stattdessen gingen die Rojiblancos in Führung (15.): An der Außenseite konnte Torschütze Adrián den Ball gegen Pepe und Marcelo behaupten und sich durchsetzen, via Doppelpass mit Ex-Bundesliga-Star Diego ging es in den Strafraum und dort verlud der unbedrängte Spanier Iker Casillas und netzte zur überraschenden Führung ein. Geschockt zeigten sich die Blancos jedoch nicht, kamen dafür Zug um Zug mehr ins Spiel. Und die gerade eben noch verladenen Pepe und Marcelo konnten nur sechs Minuten später mit Cristiano Ronaldo den nächsten einstudierten Torjubel vorführen. Ronaldo hatte mal wieder zugeschlagen, sein 14. Ligator erzielte er eiskalt per Elfmeter (21.). Ein schönes, direktes Zickzackspiel durch die Mitte über Rechtsverteidiger Lass, Ronaldo, Di María und Benzema ging dem Elfmeterpfiff voraus, bei dem Benzema Torhüter Courtois umkurven wollte – aber von diesem zu Fall gebracht wurde. Rot für den jungen Torhüter, Ausgleich für Real.
Das Spiel kippte nun immer weiter in die Atlético-Hälfte. Die nun über eine Stunde in Unterzahl kämpfenden Stadtnachbarn hielten aber weiter dagegen. Wenn sich doch mal sehenswert durchkombiniert wurde, war dann doch noch ein rot-weißes Bein im Weg. Eine Erwähnung im Spielbericht ebenfalls würdig: Xabi Alonso sah seine fünfte gelbe Karte und fehlt gegen Gijón, nicht im Clásico! So viel zu Halbzeit eins. Die Jungs spielten gut und kämpften, es fehlte bis dato einzig der Masterplan des José Mourinho, der den rot-weißen Widerstand auflöste.
Weiß, schwarz oder rot - Madrids Trikots gibt's hier! Wie gut, dass es die Halbzeitpause gibt: Vier Minuten waren gespielt in Hälfte zwei, da lagen die Königlichen bereits vorne. Der gut aufgelegte Özil schickte Ronaldo in den Lauf, der gewann das Sprintduell und legte im Strafraum quer auf rechts zum heraneilenden Ángel Di María. Der erfreute sich seiner Unbedrängtheit und schob gekonnt zum 2:1 ein. Großer Jubel natürlich beim Argentinier, der nach Verletzungspause direkt in die Start-Elf berufen wurde, sich sehr gut präsentierte und nach einer Stunde für Higuaín den Platz verließ.
Mourinho mimte weiterhin den Griesgrämigen während sein Team sich dem K.O. für Atlético näherte. Lauffreudige Außenverteidiger (Lass und Marcelo), ein quirliger Özi als Ballverteiler und überall anspielbare Stürmer waren das Mittel. Die Entscheidung fiel jedoch dank eines Bocks in der Defensive der Colchoneros – und dank eines einsatzfreudigen und eiskalten Joker namens Gonzalo Higuaín (65.). Bei einem langen Pass vom ebenfalls genesenen Marcelo waren sich Godín und Ersatzkeeper Asenjo uneinig, der Argentinier stibzte die Kugel und bewahrte dann Ruhe und Nerven, um auf drei zu erhöhen. Der Bann war gebrochen! Die Kombinationen liefen nun immer besser, die Mechanismen griffen. Sicheres Spiel – auch was die Gesundheit anging, drei Viertel Ballbesitz, Atlético gab auf. In Minute 82 waren Higuaín und Godín erneut im Fokus: Nach einem sehenswerten Hacken-Doppelpass mit Ronaldo brachte der Spanier Madrids Nummer 20 im Strafraum zu Fall – der zweite Elfmeter, die zweite rote Karte des Abends. Und als einer der besten Penaltyschützen dieser Epoche markierte Cristiano Ronaldo mit dem 4:1 seinen 15. Saisontreffer, und liegt damit vor Lionel Messi.
Özil und Benzema wurden noch für Callejón und Coentrão ausgewechselt und das war es dann auch. Im 75. Aufeinandertreffen in der Primera División zwischen weiß und rot-weiß, konnten die Blancos zum 51. Mal siegen. Atlético kämpfte nicht nur tapfer, sondern meist auch brutal – doch in der zweiten Hälfte waren die zehn bzw. am Ende neun Mann von Gregorio Manzano noch deutlicher unterlegen und chancenlos. Das Fehlen von Falcao hatte da auch keinen Einfluss. Nun wird wieder von „vorlegen“ geredet, Ronaldo gegen Messi, Real gegen Barça, die spielen im Anschluss wenige Kilometer entfernt gegen Getafe.
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Real Madrid: Casillas; Lass, Pepe, Ramos, Marcelo; Khedira, Xabi Alonso; Di María (Higuaín, m. 60), Özil (Coentrão, m. 78), Ronaldo; Benzema (Callejón, m. 74).
Atlético Madrid: Courtois; Perea, Godín, Domínguez, Filipe Luis; Assunçao, Gabi; Arda Turan (Reyes, m. 77), Diego (Asenjo, m. 23), Salvio (Miranda, m. 83); Adrían.
Tore: 0-1, m. 16: Adrián. 1-1, m. 24: Cristiano Ronaldo (Elfmeter). 2-1, m. 50: Di María. 3-1, m. 65: Higuain; 4-1, m. 82: Cristiano Ronaldo (Elfmeter).
Schiedsrichter: Mateu Lahoz
Stadion/Zuschauer: Santiago Bernabéu/80.000 Zuschauer
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