02.03.2010, 00:30
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Reportagen

„Superheld“ Higuaín - Zerlegt er nun auch Deutschland?

Am kommenden Mittwoch empfängt die deutsche Fußballnationalmannschaft die Star-Auswahl Argentiniens. Doch man fürchtet in den Reihen des DFB-Teams nicht nur einen Lionel Messi oder Carlos Tévez - ganz unscheinbar steht Gonzalo Higuaín von Real Madrid im Fokus, der Goalgetter ist unter Coach Diego Maradona fest gesetzt. Wen erwartet man auch sonst im Sturmzentrum? Der 22-jährige Madrilene befindet sich zurzeit in der Form seines Lebens - und lässt die ganze Welt staunen…

„Wie hieß er doch gleich? Higuaín? Achso, ja. Das ist doch der Chancentod von Real Madrid…“, lautete die durchschnittliche Antwort eines jenen Fußballkenners vor noch einigen Monaten über den Jungspund im Sturm der „Königlichen“. Doch sämtliche Kritiker bekamen ihr Fett weg: 22 Tore in der letzten Saison, 16 in der laufenden - eine Traumquote für den Argentinier Gonzalo Higuaín. Von den Fans nach seinem Vater liebevoll „El Pipita“ (deutsch: „das Pfeifchen“) gerufen, ist nicht ein für teures Geld erworbener Karim Benzema der Publikumsheld und Lieblingsstürmer vieler Madridistas, sondern der schüchterne und unscheinbare Higuaín. Abseits des Rasens ein ganz lässiger Typ, auf dem Platz eine absolute Granate. Fünfmal erzielte er in dieser Spielzeit einen Doppelpack; Statistiken belegen, dass der Rechtsfuß im Schnitt alle 74 Minuten ins Schwarze trifft.  Wer war noch mal David Villa? Der Valenciano, der im Sommer beinahe in der spanischen Hauptstadt landete, braucht hingegen 117 Minuten für ein Tor.

„Er ist für uns zu einem ausschlaggebenden Stürmer geworden. Er beweist, dass er für dieses Trikot kämpft und den Erfolg sucht und wie man sieht auch findet“, schwärmte Real-Sportdirektor Miguel Pardeza vom Youngster, der  im Januar 2007 für schlappe 12 Millionen Euro vom argentinischen Topklub River Plate an die Concha Espina wechselte. Und tatsächlich ging die Karriere des Gonzalo Higuaíns steil bergauf, auch wenn er es von Anfang an schwer hatte. „Eins habe ich nie getan. Und das ist, niemals aufzugeben und an mich zu glauben“, erklärte der Stürmer am Ende der vergangenen Saison, als er hinter Villa, Eto’o und Forlan an der Torjägerkrone schnupperte. Dabei galt Higuaín zuerst als einer der vielen „Alibi-Transfers“ vom gescheiterten Ex-Präsidenten Ramon Calderon…

Higuaín, der „spanische Rooney“

Mittlerweile ist der unterschätzte und von den Fans verhöhnte Higuaín ganz oben in seiner Karriere. Spielt mit 22 in der Form seines Lebens - und das ohne großen Glanz, ohne großen Zauber. Ballannahme, Schuss, Tor - so einfach kann Fußball sein. „Es ist natürlich auch von Vorteil, solche Mitspieler zu haben, die einem den Ball perfekt in den Fuß spielen“, so die bescheidenen Worte des Offensiv-Allrounders. Spätestens nach den zwei wichtigen Toren im Auswärtsspiel, wo an diesem Abend nicht Cristiano Ronaldo, sondern eben Higuaín das „weiße Ballett“ Richtung Sieg führte, weiß man, dass dem argentinischen Nationalspieler eine große Zukunft bevorsteht. „Der spanische Rooney“, wird er genannt. Denn der Torjäger von Manchester United trifft nicht öfter als die Nummer 20 Madrids. Zwar hat dieser schon 23 Tore auf dem Konto, hat aber allerdings schon 26 Partien bestritten. Wohingegen Higuaín in 18 Spielen 16-mal traf. Wozu also noch den Engländer zu den „Galaktischen“ holen? „Wer in Madrid zurzeit einen Stürmer á la Rooney oder Villa verlangt, der übersieht ganz klar Gonzalo Higuaín“, kommentierte die ‚AS‘. Und das scheint auch die Vereinsführung der „Blancos“ begriffen zu haben, es winkt eine Vertragsverlängerung „auf Lebenszeit“. Nur noch muss man sich auf Geldsummen einigen, heißt es in der Presse.

Dazu läuft’s für Higuaín auch in der Nationalmannschaft: Nach monatelanger Ignoranz seitens Nationalcoach Diego Maradona, der lieber Schwiegersohn und Atlético-Star Sergio Agüero auf den Platz schickte, blieb Higuaín kein Thema für die lebende Fußballlegende - bis die „Albiceleste“ kurz vor dem Debakel stand, nämlich der Nicht-Teilnahme bei der Weltmeisterschaft.  Da sollte Higuaín dann den Retter spielen - und wurde zum Retter. 3 Tore in 4 Partien, dazu beim Debüt gegen Peru gleich mit dem wichtigen Siegtor einen wichtigen Schritt Richtung Südafrika gemacht. „Er ist brillant, er spielt eine fantastische Saison“, bestätigte auch Real-Generaldirektor Jorge Valdano die großartige Form seines Landsmanns. In der Heimat Argentinien sehen die Menschen nicht Barça-Star Lionel Messi, sondern Gonzalo Higuaín als Schlüsselspieler für die WM.

„Ich bin natürlich sehr erfreut, wie es zurzeit läuft. Mein Ziel ist es, auch weiterhin oft zu treffen und am Ende Torschützenkönig zu werden. Das wäre ein Traum“
, so Higuaín am Madrider Flughafen Barajas vor seiner Abreise heute Mittag Richtung München. Denn am Mittwoch spielt Argentinien gegen Deutschland, Higuaín wird neben Messi im Angriff gesetzt sein. Eins dürfte nach dem Spiel jedenfalls sicher sein: die Herren Adler, Mertesacker, Schäfer, Tasci und Co. werden sich nicht nur an den wendigen Barça-Dribbler erinnern. Bei Higuaín kann es nämlich ganz schnell gehen: Ballannahme, Schuss, Tor...

geschrieben von Kerry Hau

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