Auch im dritten Testspiel in der laufenden Vorbereitung konnte das Team von José Mourinho gegen den FC Bayern München einen Sieg verbuchen. Nach 90 torlosen Minuten hieß der Sieger nach dem Elfmeterschießen mit 4:2 Real Madrid. Im Rahmen des Abschiedsspiel für den „Kaiser“ wurde auch gleich der erste „Mini-Titel“ abgesahnt: Der Franz-Beckenbauer-Cup! Sami Khedira und Ricardo Carvalho debütierten bei den Gästen, für die trotz des kleinen Triumphes die Haupterkenntnis war, dass Mourinho und seinem Team noch viel Arbeit bevorsteht…
Vor dem Start des Abschiedsspiels zu Ehren von Franz Beckenbauer gab es zunächst einen sehr emotionalen Moment: Der sonst als rüpelhaft auf dem Platz geltende Bayern-Kapitän, Mark van Bommel, hielt weinend während dem Einlaufen ein Bild von Debbie Sassen in den Händen, die seit 1996 vermisst wird. Damit unterstützte er die Aktion „Initiative vermisste Kinder“. Im Anschluss folgte eine Danksagung für die Verdienste und Erfolge des „Kaiser Franz’“, ehe er symbolisch den Anstoß für sein Abschiedsspiel gab.
Real Madrid begann erstmals mit einer veränderten Aufstellung gegenüber den vorherigen Testspielen auf der USA-Reise im gewohnten 4-2-3-1. Casillas hütete die gesamte Spielzeit das Tor, vor ihm bildeten Marcelo auf links, Garay und Neuzugang Carvalho in der Zentrale und Sergio Ramos auf rechts die Abwehrkette. Neuling Khedira und Xabi Alonso liefen gemeinsam als „Doppel-Sechs“ auf, Cristiano Ronaldo und Pedro León agierten jeweils auf den Flügeln. Überflieger Canales hielt die Spielmacher Position inne und vor ihm war Higuaín als einzige Spitze gesetzt. Die
befürchtete Personalnot aufgrund der Nationalmannschaftsreisen, die man zuvor noch befürchten musste, blieb also aus.
Unterm Strich bekamen die Zuschauer in einer ausverkauften Allianz Arena kein Spiel der Extraklasse von Seiten der „Königlichen“ zu sehen. Viele Akteure waren noch wenige Stunden zuvor quer über die ganze Welt zerstreut und mit ihren Nationalmannschaften unterwegs, was nicht zu übersehen war: Es mangelte noch an der nötigen Fitness und einige hatten gegen Ende mit der Frische zu kämpfen. Aber ohnehin haperte es in vielen Bereichen noch an der Absprache, an flüssigen Kombinationen und Laufwegen: Carvalho wirkte an Seite von Garay, der sich noch vor der ersten Halbzeit unglücklich verletzte und von Albiol ersetzt werden musste, noch nicht so ganz sattelfest wie erhofft. Marcelo trat offensiv selten in Erscheinung und hatte defensiv viel um die Ohren. Dennoch hinterließ der häufig kritisierte Brasilianer einen soliden Eindruck. Sein Gegenpart Sergio Ramos bekam es mit einem Franck Ribéry auf Hochtouren zutun. Dementsprechend marschierte auch er selten nach vorne und hatte hinten alle Hände voll zutun. Auch die zwei Sechser machten deutlich, dass Mourinho noch viel Arbeit vorliegt. Während der Trainer im Anschluss mit seinem deutschen Neuzugang insgesamt zufrieden war, wirkte der 22-Jährige für den Großteil der Zuschauer teilweise orientierungslos und nicht integriert. Häufig musste deshalb der müde wirkende Xabi Alonso manche Aktion ausbaden und stolperte auch mal selbst über den Ball oder spielte einen Fehlpass. Pedro León wirkte bemüht, aber nur selten war ein Durchkommen auf seinem Flügel. Ebenso Cristiano Ronaldo wurde, zur Überraschung vieler, von Bayern-Jungspund Jüllich während der gesamten Partie weitestgehend im Zaun gehalten und kam nur selten vorbei. Higuaín war häufig einsam im Sturmzentrum und ließ sich deshalb viel nach hinten fallen um Bälle zu gewinnen.
Auch die frischen Kräfte konnten nicht viel bewegen nach ihren Einwechslungen. Di María, van der Vaart, Benzema und Lass kamen zwischen der 58. und 61. Minute jeweils für Pedro León, Canales, Higuaín und Ramos. Der Argentinier Di María konnte unter der Woche den entscheidenden Siegtreffer gegen Irland erzielen, blieb aber am gestrigen Abend weitgehend blass. Lass hinterließ auf der rechten Verteidigerposition aus Hilfe einen insgesamt weniger überzeugenden Eindruck. Häufig wirkte er zu hastig und ungestüm in seinen Aktionen, konnte auch nicht immer souverän und entscheidend stören, wie man es von ihm gewohnt war. Die Spielmacherposition lebte van der Vaart zwar nicht aus, konnte aber gegenüber Canales in der Zentrale für etwas mehr Sicherheit sorgen und half auch hin und wieder in der Defensive aus. Benzema hingegen konnte Schwung von der Bank aus mitnehmen, war aber gegen Ende ähnlich abgetaucht wie Kollege Higuaín zuvor.
Auffälligster Spieler und für viele Experten auch „Man of the Match“ war Schlussmann Casillas, der sein Team oftmals vor dem Rückstand bewahrte. So konnte er beispielsweise in der 7. Minute einen Strafstoß von Badstuber parieren, auch der Nachschuss von Müller kam nicht am 29-Jährigen vorbei. Seine überragende Leistung krönte er nach der zweiten Halbzeit: Um den Sieger zu ermitteln, wurde im Anschluss ein Elfmeterschießen angesetzt. Während auf Reals Seite alle Schützen sicher verwandelten, hielt der Kapitän zwei Elfmeter der Hausherren und sicherte so seinem Team den Sieg. Anschließend folgte eine kleine Siegerehrung für die „Blancos“, als sie vom „Kaiser“ persönlich den Franz-Beckenbauer-Cup, größer und schwerer als der CL-Pokal, überreicht bekommen haben.
Was man aus diesem Spiel mitnehmen kann, lässt sich klar und in Kurzform formulieren: Dem portugiesischen Triple-Sieger steht noch eine Menge Arbeit bevor. Es war das erste Kräftemessen gegen einen Club auf Augenhöhe, der vorerst die Euphorie gegen die kleineren Clubs auf der USA-Reise verblassen ließ.
Hier nochmal die Zusammenfassungen der ersten beiden Testspiele:
Auftakt geglückt - Neuzugänge überzeugen gegen América
USA-Reise mit Sieg beendet - Aufholjagd durch Higuaín und Co.
Ähnlich sah es auch Generaldirektor Jorge Valdano, der sich im Anschluss der Partie mit seiner Stimme zum Spiel wie folgt äußerte: „Wir spielten auf Augenhöhe gegen ein Team, dass bereits länger in der Vorbereitung steht als wir. Erst in der zweiten Hälfte waren wir viel organisierter, wenngleich wir nach wie vor in der Vorbereitung stecken.“ Sein Fazit über die Neuzugänge: „Mir gefiel, wie die beiden Neuen spielten. Khedira mag nicht in bester Verfassung gewesen sein, aber er erfüllte seine Aufgaben prima und Carvalho bot Sicherheit für die Defensive.“ Ebenso wie bei den Spielern hielt sich der große Jubel in Grenzen, stattdessen war man froh, Gast in München gewesen zu sein: „Der Titel, den wir gewonnen haben, ist ebenso wichtig für uns wie der heutige Anlass. Beckenbauer war einer der besten Spieler aller Zeiten.“
Wie bereits erwähnt blieb man während des Aufenthalts in München nicht vom Verletzungspech verschont. Kurz vor der Halbzeit hatte sich Garay im Duell gegen Klose, ohne dessen Einwirkung, seine rechte Kniescheibe verschoben und konnte nicht mehr weiterspielen. Nach dem Spiel wurde bekannt, dass auch Marcelo nicht ohne Schmerzen davon kam. Der Brasilianer erlitt eine schwere Oberschenkelprellung. Bei beiden Akteuren ist unklar, wie lange eine jeweilige Ausfallszeit ausfallen wird. Realmadrid.de hält Sie auf dem Laufenden!
Anzeige
Noch nicht registriert?
Jetzt registrieren!Glücklich, gelöst und vor allem Stolz auf das Erreichte präsentierte sich Cheftrainer José Mourinho...
Fans, Kameras und Bodyguards folgen Cristiano Ronaldo auf Schritt und Tritt. Superstars wie der aus...
Man muss schon ein überzeugter Optimist sein, um zu glauben, an einem Sonntagmorgen um 8:30 Uhr...
Karim Benzema hat dank seiner zwei Treffer gegen San Sebastian Geschichte geschrieben: Der...
Real-Präsident Florentino Pérez legt noch einen drauf! Nach der Präsentation des neuen Bernabéu...
Leserkommentare