Nach dem 1:4-Auswärtserfolg über Abstiegskandidaten Real Valladolid scheinen sich die „Königlichen“ vorerst von dem Frust und der Enttäuschung nach dem Ausscheiden gegen Lyon befreit zu haben. Doch das Ergebnis ist trügerisch - individuelle Klasse genügt eben nur für solche Partien, die altbekannten Probleme bleiben weiterhin...
Die Spieler und Superstars Madrids können wieder lachen! Nachdem die Ausgangslage vor dem wichtigen Auswärtspiel gegen Real Valladolid denkbar kompliziert war, ist die Enttäuschung nach dem desaströsen Aus in der Champions League vergessen - zumindest vorerst. Denn jedem Zuseher fielen die gleichen Probleme wie noch am Mittwoch gegen die Franzosen auf; der einzige Unterschied dabei: Valladolid ist nicht Lyon...
Schwere Abwehrschnitzer wurden einmal mehr durch individuelle Extraklasse ausgebügelt. Man nehme den Freistoß von Cristiano Ronaldo oder den lupenreinen Dreierpack von Gonzalo Higuaín. Letzterer wurde in den vergangenen Tagen für das bittere K.o. verantwortlich gemacht, nachdem er das leere Tor nicht einmal traf oder oftmals zu eigensinnig und nervös agierte. Es hieß sogar, Higuaín habe sich aus diesen Gründen mitSturmpartner Cristiano Ronaldo verstritten. Gestern jubelten dann beide Torschützen wieder gemeinsam, alles nur Show? „Ein Konflikt zwischen Gonzalo und Cristiano? Reine Erfindung!“, beteuerte Sergio Ramos im Anschluss der Begegnung.
Trotz der Befreiung aus der Krise ist noch lange nicht „heile Welt“ in der spanischen Hauptstadt. Die Probleme sind nämlich noch immer die Gleichen: Nach den ersten 20 Minuten hätte man gestern Abend den Fernseher am liebsten wieder ausgeschaltet: Fehlpässe, keine Offensivbemühungen, kaum Ballbesitz und dazu stark aufspielende Hausherren. Alluminium rettete gleich zweimal vor einem sicheren Treffer, die Abwehr spielte - mit Ausnahme von Sergio Ramos - unterirdisch. Arbeloa und Albiol sind seit Wochen außer Form, Marcelo hat noch nie als linker Verteidiger überzeugt und Lassana Diarra wird seinem Kämpferstatus schon lange nicht mehr gerechet. Und dabei war man sich doch sicher, dass das „Sorgenkind Abwehr“ längst ausgemerzt sei. Spätestens seit Lyon merkt man, wie sehr ein Pepe in der noch sehr jungen Defensive fehlt. Bis zum Ende der Saison muss man mindestens ohne den Portugiesen zurecht kommen - ob dieser nach seinem Kreuzbandriss wieder jemals zur alten Form findet, steht in den Sternen.
Sollte es in dem Team von Manuel Pellegrini noch „Einkaufbedarf“ geben, dann wenn überhaupt zu Beginn in der wackligen Abwehr. Stattdessen wollen die Fans lieber einen Fabregas, Silva oder Rooney bei dem „weißen Ballett“ sehen, dies ergab eine Umfrage der 'Marca'. Von Defensivkräften also keine Rede...
Und passend dazu meldete sich heute noch Ex-Präsident Ramon Calderon zu Wort und verriet: „Es sieht so aus, als sei Florentino Pérez besessen von einem Rooney-Transfer. Ich weiß zwar nicht, ob der Verein schon wieder so viel Geld investieren kann, aber wenn ja, dann kann Manchester dieses Angebot nicht ablehnen.“
Warum jetzt ausgerechnet noch Rooney zu den „Blancos“ kommen soll, liegt wohl auf der Hand. Denn Pérez will den zurzeit wohl besten Stürmer der Welt in seinen Reihen, da Benzema schon als Fehleinkauf bezeichnet wird und sich bei keiner Leistungssteigerung in den nächsten Wochenwohl schon im Sommer aus Madrid verabschieden kann. Dazu kommt, dass Higuaín nun einmal in internationalen und vor allem wichtigen Spielen bislang immer versagt hat. Zum Vergleich: 3 Spielzeiten in der Liga, 78 Spiele, 49 Tore. In der Champions League hingegen in 19 Spielen nur 2 magere Treffer - zu wenig, wenn man in Madrid auf Dauer Stammspieler bleiben möchte. „Hättest du dir doch zwei Tore für Lyon aufgehoben“, schrieb die 'Marca' zum gestrigen Hattrick des Argentiniers. Mit 22 Jahren ist Higuaín trotz seiner vielen Treffer in La Liga noch nicht vollständig auf dem Niveau, welches den Erwartungshaltungen Madrids entspricht. Denn dort stehen internationale Erfolge im Vordergrund, die Meisterschaft spielt nur die zweite Geige.
Generaldirektor Valdano meinte zu diesen Gerüchten: „Wir wollen, dass Higuaín seine Karriere in Madrid beendet. Das kann ich ihnen versichern.“
Die Tatsache, dass Madrid allerdings erneut nicht im Viertelfinale der Champions League steht und sogar Spieler einräumten, man habe noch nicht das Niveau für Europa, haben einige Anhänger dieses Klubs Angst. Nicht Angst, man könne jahrelang nichts mehr in Europa bewirken, sondern eher die Angst vor einem erneuten Umbruch im Sommer, dem Kommen und Gehen von Spielern und womöglich dem Trainerstab. Wie oft hat es das in den letzten Jahren gegeben? Die Männer an der Seitenlinie kann man nicht einmal mehr an einer Hand abzählen. Dazu muss sich die Mannschaft irgendwann auch einspielen. „Dieses Team besteht wohl nur noch aus Individualisten, wir treten nicht als Einheit auf“, brachte Urgestein Guti die Situation nach dem Lyon-Spiel treffend auf den Punkt.
Man darf gespannt sein - alles hängt wohl vom Ausgang der Saison ab. Die Liga ist nun Pflicht. Wird diese nicht gewonnen, haben die Zeitungen Madrids auch diesen Sommer wieder viel von möglichen Neuzugängen und Abgängen zu schreiben. Eins ist klar: Im Clásico gegen Barça in rund vier Wochen müssen sich die Leistungen enorm steigern - besonders in der Abwehr. Ergebnisse, wie das 1:4 in Valladolid, sind nämlich trügerisch - und zeigen trotzdem die deutlichen Schwächen innerhalb der Mannschaft auf...
Higuaín - Ein Spieler ohne internationale Klasse? Diskutiert
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