Das langsame Ende der Vorbereitung wird heute Abend um 22:15 Uhr mit dem letzten Test der “Blancos” im Santiago Bernabeu gegen Peñarol eingeleitet - so kommt es alljährlich zur beliebten Medien-Rangelei um die entscheidenden und begehrtesten „Köpfe“ im Hause Madrids. Onda Cero konnte mit Jorge Valdano den Generaldirektor vor das Mikrofon „zerren“ und dieser ließ die Aktualitäten auf seiner gewohnt eloquenten Art und Weise Revue passieren. Ungewöhnlich, der Argentinier richtete einen deutlichen Appell an einen Akteur und gab zu, sich in Mourinho getäuscht zu haben...
Was gibt es spannenderes, als einen vollen Fragezettel und den mit einflussreichsten Mann bei Real Madrid an einem Tisch zu haben? Richtig, nicht viel, außer vielleicht, die Antworten zu studieren. So gab es reichlich Zündstoff, wahren die Bekenntnisse unverhofft offen.
Der schon fast bettelnde, aber dennoch stilvolle Mourinho, der seiner lieben Not einen dritten Stürmer in seinen Reihen zu wissen, bei jeder Gelegenheit Ausdruck verliehen hat, bekam erneut einen Riegel vorgeschoben. Im Gegenteil, anders als der Portugiese,
der erste gestern seine Bedenken wiederholt äußerte mit nur zwei Angreifern in die neue Saison zu gehen, sieht der 54-Jährige mit Ronaldo und gar Özil genug Personal für diese Position.
„Wir haben Spieler von einer beeindruckenden Qualität in unserem Kader. Wir haben mit Ronaldo jemanden, der hier aushelfen kann und ich habe auch Özil in Bremen schon auf dieser Position gesehen. Wir sollten darauf hoffen kein großes Pech zu haben und lange genug unsere hervorragenden Stürmer genießen zu können,“ so der Nasenstüber in Richtung Chefcoach.
Dennoch beim Thema Abgänge liegen beide auf einer Wellenlänge. Fast schon aus der Reihe tanzte Valdano mit einer demonstrativen und eindeutigen Aussage in Richtung Diarra – weitere zwei Spieler sollten sich ebenso warm anziehen, wenn sie die sonnendurchflutete spanische Hauptstadt verlassen.
„Wir müssen die Mannschaft verkleinern. Die Spieler, die sehen, dass sie keine Möglichkeit haben aufzulaufen, wissen bereits Bescheid. Zu diesem Zeitpunkt haben wir sehr direkt mit Mahamadou Diarra gesprochen. Ebenso haben wir das Gespräch mit weiteren Akteuren gesucht, die in der ersten Mannschaft wohl keinen Platz haben werden. Wir würden uns besser fühlen, wenn wir zwei bis drei Spieler weniger zur Verfügung hätten.“
Das Aus für den 29-jährigen Malier, der 2006 von Lyon nach Madrid wechselte schein somit beschlossene Sache. Unklar ist jedoch, ob für den Mittefeldspieler eine angemessene Ablösesumme erzielt werden kann, denn nach zahlreichen Verletzungen, steht seine Fitness in den Sternen. Dennoch kokettierte sein Berater Frederic Guerra schon seit Längerem mit einem Wechsel nach Italien. Realmadrid.de bleibt hier am Ball...
Wer sollte den Verein noch verlassen? Diskutier mir!
Ein Spieler, der aus Italien kommen sollte, aber anscheinend den Weg nicht fand, ist Maicon. Das Tauziehen um den Brasilianer ging in gefühlte 100 Runden, am Schluss gewannen die Mailänder, doch woran lag es? Der Spieler wollte nach eigenen Angaben zur Not „zu Fuß nach Madrid laufen“. Valdano gab offen zu, dass „das Geld hier entscheidend war. Wir wollten diesen Spieler, haben ihn in Betracht gezogen, aber sein Preis war einfach zu hoch. Alles hat sein Limit, auch für Real Madrid.“
Anscheinend war dieses Limit bei der letzten Verpflichtung von Özil nicht zu hoch – für bolkotierte 18 Mio. Euro wechselte der Deutsche ins Lager der „Galaktischen“. Doch hat man mit Van der Vaart, Canales und Kaká gleich drei Spieler in der Hinterhand. Warum also dieser Wechsel? „Er ist ein Spieler mit sehr großem Talent, technisch sehr stark und mit einer großen Spielübersicht. Zudem kann er sich in der Offensive an jede Position anpassen, was ausschlaggebend war. Mourinho wollte diesen Spieler daher unbedingt haben und wir haben bei der Gelegenheit zugeschlagen,“ so die Begründung des einstigen Stürmers.
Nicht zuletzt, verringert sich der Kreis der Auserwählten für eine ganze Weile um Superstar Kaká, der nach seinem Wechsel im letzten Sommer aus Mailand keinen Fuß auf spanischen Boden bekam. Verletzt, nicht in Form, verletzt, nicht in Form. Man könnte diese Aufzählung endlos weiterführen, zumindest für die letzten Monate. Immer wieder äußerten sich vermeintliche Ärzte zu seinem Zustand und die das „Fitspritzen“ gehörte zum Standardrepertoire, damit der 65 Mio. Mann überhaupt Spielminuten absolvieren konnte. Valdano zeigte erstaunlich zuversichtlich, mit seinen Aussagen könnte er so manchem Politiker in die Flucht schlagen. Bemerkenswert auch sein Zweckoptimismus, der ihm zumindest öffentlich noch nicht abgegangen ist.
„Auf eine gewisse Weise, stimmt es mich milde, dass man bei ihm diese schweren körperlichen Probleme festgestellt hat, denn das erklärt, warum Kaká einfach nicht der Kaká war, den man erwartet hatte. Und da er immer noch in einem Alter ist wo er das Beste geben kann, müssen wir warten, bis er in Madrid zeigt, was er kann.“
Damit das Orchester, mit den verschiedensten Charakteren und Bedürfnissen, im kommenden Jahr die Harmonie des Erfolges anstimmen kann, bedarf es eines Dirigenten, der die Stars, Egos, und kommenden Sternchen am Fußball Himmel zu einer Einheit zusammenschweißt. Das Experiment „Pellegrini“, der mit seiner ruhigen und sachlichen Art einfach nicht die Tonart traff, ist gescheitert, mit Mourinho übernimmt jetzt ein Mann, bei dessen Vita sich selbst so mancher Weltfußballer wie ein Schuljunge vorkommen wird. Genau diese Art von „Leader“ ist es, was diese Mannschaft braucht, so Valdano. Interessant am Rande: Der Fussballphilosoph Valdano und der Praktiker Mourinho, für den das Resultat mehr wiegt, als die Schönheit des Spiels, waren sich vor einigen Monaten noch so nahe wie die Erde der Sonne. Eine Aussprache zu Beginn soll die Wogen geglättet haben. Erstaunliche Aussagen gab es prompt obendrauf.
„Ich glaube es war nötig, dass ein Mann mit einer starken Persönlichkeit kam und wer könnte dies im Fußball besser verkörpern als Mourinho. Es ist sehr einfach sich mit ihm zu verständigen und zu verstehen, denn er hat ein Gespür für diesen Verein, ist ein leidenschaftlicher Arbeiter, der Erfolg ist seine Obsession und alles was er vorbereitet hat Hand und Fuß. Er investiert eine unheimliche Anzahl an Stunden in seinen Beruf und das bringt er auch in der Umkleide rüber. Ebenso ist er intelligent genug zu wissen, in welches Land er kam, zu welchem Verein und kann sich an diese neue Situation anpassen. Das ist etwas, was ich an Mourinho entdeckt habe. Ich dachte wir würden es mit einem Fanatiker zu tun bekommen, aber es handelt sich um eine intelligente und flexible Person,“ so das fast schon andächtige Plädoyer für den Startrainer.
Wenn im letzten Sommer das Wort „Umbruch“ strapaziert wurde und der Terminus „Wandel“ in diesem Jahr Flügel bekam, dann kann sicherlich der Abschied zweier Vereinslegenden nicht unter den Tisch fallen. Von Jorge Valdano einst selbst aus der Cantera ins kalte Wasser geworfen, begleitete er die Karrieren von Raúl und Guti unmittelbar und kommt nun zum Fazit, dass es eine neue Chance für den Verein und die Spieler ist. „Der Abgang von Raúl und Guti, zwei Spieler die eine sehr lange Zeit im Verein waren, hat uns zu einem kompletten und radikalen Wandel verleitet und genötigt. Auch die Mentalität mit zwei Wortführern wie diesen hat sich innerhalb der Mannschaft geändert und das stellt uns nun vor ein neues Abenteuer, ein sehr attraktives bisher. Es war natürlich ungewohnt Raúl in einem anderen Trikot zu sehen, aber seine Entscheidung erscheint mir sehr tauglich. Er ist ein ungeheuer wettbewerbsfähiger Mensch, seine Natur ist so veranlagt und dass er in ein Land geht, das dermaßen physisch und stringent ist, lässt auf ein Weise auch den Charakter von Raúl erkennen.“
Kein Abschluss einer Fragerunde ohne dem obligatorischen Kommentar zum Erzrivalen aus Barcelona, die ihrerseits in diesem Sommer mit einem neuen Präsidenten und namhaften Spielern in die Saison starten. Auch hier offen, ehrlich, aber zugleich mit dem metaphorischen Angriffshorn. “Es handelt sich um ein Team, das auswendig spielen kann. Dieser Prozess des verinnerlichten Spielsystems hat 20 Jahre gedauert, diese Geduld trägt jetzt Früchte. Darüber hinaus haben sie mit Messi, Xavi etc. Weltklassespieler, die es seltenst in einer Generation zu finden gibt. Barcelona erlebt derzeit einen großen Traum, der Wirklichkeit ist, aber wenn sie aus diesem Traum erwachen, wird Real Madrid da sein!“
Anzeige
Noch nicht registriert?
Jetzt registrieren!Glücklich, gelöst und vor allem Stolz auf das Erreichte präsentierte sich Cheftrainer José Mourinho...
Fans, Kameras und Bodyguards folgen Cristiano Ronaldo auf Schritt und Tritt. Superstars wie der aus...
Man muss schon ein überzeugter Optimist sein, um zu glauben, an einem Sonntagmorgen um 8:30 Uhr...
Karim Benzema hat dank seiner zwei Treffer gegen San Sebastian Geschichte geschrieben: Der...
Real-Präsident Florentino Pérez legt noch einen drauf! Nach der Präsentation des neuen Bernabéu...
Leserkommentare