24.08.2010, 13:22
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Interviews

Vom Hilfsköhler zum Superstar - „Die Zeit verging rasend schnell!“

Der heutige Tag wird für den jungen Argentinier Ángel di María wahrscheinlich zu den größten seines Lebens avancieren, denn mit dem ersten Spiel im Santiago Bernabéu geht für den Mittelfeldspieler ein langerhoffter Traum endlich in Erfüllung! Doch der Weg bis zum 24. August 2010 war für den argentinischen Internationalen ein besonders schwerer und harter. Ein Arztbesuch und ein überaktives Kind standen am Anfang dieser glorreichen Geschichte...

Harte Arbeit zum Erfolg: "Wenn es der Familie schlecht geht, muss jeder anpacken!"

„...Ein Doktor sprach einmal mit meiner Mutter und sagte zu ihr, dass ich, mit drei Jahren, unbedingt irgendeine Sportart ausführen muss, da ich stets sehr nervös und geladen war. Dank diesem Ratschlag bin ich hier," gab er in einem Interview mit der 'AS' zu wissen. Neben dieser Anekdote beeinflusste ihn das Leben seines Vaters am Meisten, denn der kleine di María wollte auf keinen Fall wie sein Vater enden: „Mein Vater war ein Köhler. Er arbeitete 16 Jahre lang mit der Kohle, aber als ich erfolgreich wurde und nach Europa ging, sagte ich ihm, dass ich nicht möchte das er weiterhin arbeitet... Ich teilte die Kohle immer auf und packte sie ein. Ich half ihm bis zum meinem 13. Lebensjahr," berichtet der Olympiasieger von 2008 voller Emotionen. Mourinhos harte Trainings - Ein Kinderspiel für einen Menschen, der als kleines Kind bereits harter Arbeit nachging? „ Das ist wirklich schwer gewesen. Doch wenn ein Vater deine Hilfe benötigt und es der Familie wirtschaftlich schlecht geht, muss jeder hart anpacken", fasste er sich kurz.

Wer hätte damals ahnen können, dass aus dem kleinen Burschen, der seinem Vater beim verarbeiten der Kohle half, eines Tages ein großer Fußballstar wird, der sich das „königliche" Trikot überziehen darf? „Es kommt mir vor wie gestern, als mein Berater Andrés Miranda zum Haus meiner Eltern kam. Mit  17 Jahren debütierte ich in der ersten argentinischen Liga. Mit 19 Jahren ging ich später zu Benfica und jetzt bin ich bei Real Madrid. Die Zeit verging rasend: U-20 Weltmeisterschaft, die olympischen Spiele und die Weltmeisterschaft in Südafrika", irgendwie versteht der portugiesische Meister von 2010 das Ausmaß seines Erfolges noch immer nicht. Trotzdem vergisst der Argentinier niemals die Menschen, die ihn zu der Person gemacht haben, die er jetzt ist. Insbesondere sein fußballerischer Ziehvater Kily González, argentinischer Ex-Internationaler, der auch bei Inter Mailand und dem FC Valencia sein Glück versuchte und schließlich zu seinem Heimatverein Rosario Central zurückkehrte, wo er auf den jungen di María traf. „Ich sprach sehr oft mit ihm. Ich spielte ein Jahr mit Kily mit Rosario Central. Seine Erfahrung und seine Ratschläge halfen mir enorm. Er sagte mir immer, dass ich ehrgeizig und sehr weit kommen muss. Genau diese Einstellung ermöglichte es ihm dann, bei Inter und Valencia spielen zu können", berichtete er über sein Vorbild. Von Rosario zu Madrid und das nur in knappen fünf Jahren, ein absoluter Schock für den Mittelfelddribbler? „Das sind zwei komplett verschiedene Welten. Rosario ist der Klub, den ich immer in meinem Herzen tragen werde. Aber jetzt mit all den Stars spielen zu können, ist großartig, aber es macht mir absolut keine Angst."

Das gnadenlose Bernabéu - "Wenn ich gut spiele, werde ich auch nicht ausgepfiffen"

Wie hart die Welt in der spanischen Hauptstadt unter Umständen sein kann, durfte der Argentinier aus nächster Nähe miterleben, denn der Neuzugang war live dabei, als Real Madrid gegen den Drittligisten aus Alcorcon ausschied... „Ich war im letzten Jahr im Bernabéu, als man gegen den Drittligisten 0:4 verloren hatte und im Rückspiel unbedingt eine Aufholjagd starten musste. Wir waren mit der argentinischen Nationalmannschaft dort... Das Bernabéu ist gnadenlos, aber wenn die Dinge gut laufen, treibt es dich unermüdlich weiter an", erläuterte er, wie er das dunkle Kapitel in der jungen Geschichte Madrids miterlebt hatte. Wie erbarmungslos das eigene Publikum sein kann, durfte bereits sein Landsmann Fernando Gago miterleben, der öfters gnadenlos ausgebuht wurde: „Das Publikum ist sehr kritisch. Die Geschichte rund um Alcorcon war ein hartes Erlebnis.  Ich wusste, dass sie Fernando ausgebuht hatten, doch solche Dinge können passieren. Er gab mir auch keine Ratschläge. Wenn ich die Dinge gut mache, werde ich auch nicht ausgepfiffen."  Ob er sich an der Concha Espina wirklich behaupten kann, wird sich in den kommenden Wochen oder Monaten zeigen. Der argentinische Internationale bekommt zumindest heute bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die kommende Zeit bei Real Madrid, denn in wenigen Stunden darf er erstmals im altehrwürdigen Estadio Santiago Bernabéu auflaufen: Ein Ort, an dem ein ganz besonderer Landsmann zu den größten Fußballer aller Zeiten aufstieg. Die Rede ist natürlich von Alfredo Di Stéfano, Ehrenpräsident der „ Merengues". Tritt Di María in die Fußstapfen von Di Stéfano? „Hoffentlich kann ich eines Tages so spielen, wie Di Stéfano. Die Nachnamen beginnen zumindest gleich und ich hoffe, dass für mich hier alles gut läuft," gab er leicht schmunzelnd zu wissen.

Schwache WM: "Der Druck war schuld!"

Fakt ist, dass der Argentinier mit 25 Millionen Euro Ablösesumme, der mit Abstand teuerste Transfer in dieser Saison war, dementsprechend  hoch sind auch die Erwartungen in der spanischen Hauptstadt.  Grund zur Beunruhigung? „Das beängstigt mich überhaupt nicht.  Ich betrete das Fussballfeld mit den Gedanken an meiner Person und was ich zu tun habe. Es beeinflusst mich nicht, ob ich 50, 25 oder 100 Millionen wert bin!", winkte er ab. Der Mittelfeldakteur, ein furchtloser und erfolgreicher Typ, der auf dem Feld nichts anbrennen lässt? Sicherlich ein Grund, weshalb José Mourinho ihn unbedingt haben wollte, doch die vergangenen Monate waren,  für den Juniorenweltmeister von 2007, alles andere als erfolgreich: Bei der Weltmeisterschaft konnte er kaum Akzente setzen, da er nicht auf seiner üblichen Position spielen durfte  und musste im Viertelfinale schliesslich mit ansehen, wie sein Team von der deutschen Nationalmannschaft vorgeführt wurde. „Das System war weniger der Grund. Es waren viel mehr die Nerven, die mich so schlecht ausschauen ließen. Ich hatte die Unterstützung von Diego und der ganzen Welt, doch der Druck machte mir ordentlich zu schaffen," gab er ohne weiteres zu. Schwache Leistungen aufgrund des Drucks... Bei diesen Worten läuten bei allen Madridistas die Alarmglocken! Ein böses Omen für die kommende Zeit in Madrid, wo der Druck bekanntlich keine Grenzen kennt? Der Spieler beruhigt: „In der Nationalmannschaft oder im Klub zu spielen, sind zwei grundsätzlich total verschiedene Dinge. Ich bin überzeugt, dass ich hier besser sein werde!" Es scheint zumindest, dass der Knoten im letzten Spiel gegen Hércules endgültig geplatzt ist, denn in dieser Partie konnte der Argentinier endlich seinen langersehnten, ersten Treffer mit den „Blancos" erzielen. „Das Tor half mir mich zu beruhigen und mehr Vertrauen in meinen Fähigkeiten zu schenken. Vor allem weil ich wenige Minuten vorher eine Möglichkeit vergeigt habe. Mourinho vertraut mir und das beruhigt mich. Tag für Tag zeige ich, dass ich auf dem Feld stehen möchte. Mourinho sagt mir ständig, dass ich in den Trainings und auf dem Feld einfach alles geben muss", lobte er seinen neuen Coach und gab sich zum Schluss des Interviews sehr zuversichtlich, was die kommende Saison anbetrifft: „Für den Start in die neue Saison werden wir auf unserem höchsten Niveau sein. Wir sind dazu verpflichtet, alles zu gewinnen!"

geschrieben von Gian Dominguez

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