09.08.2010, 13:16
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Reportagen

Vom Nobody zum Weltstar - „Ich will den Pichichi gewinnen!“

Lionel Messi, Karim Benzema, David Villa, Zlatan Ibrahimovic, Luís Fabiano, Cristiano Ronaldo – Namen, die wie Musik in den Ohren eines jeden Fußballfans klingen. Einer dieser Torgaranten wird bestimmt Top-Torjäger der kommenden Saison, mag man sagen. Doch mittlerweile hat sich ein Junge aus Brest an die Spitze des Weltfußballs geschossen. Higuaín verzaubert begeisterte Zuschauer auf der ganzen Welt – und vor allem in Madrid! Als wenn die letzten zwei Spielzeiten nicht genug waren, hat er in beiden Testspielen der diesjähirgen Vorbereitungsphase drei mal eingenetzt ... und nun ist er hungrig auf den ‚Pichichi‘ – den Torjägertitel der Liga BBVA!

Die Zahlen sprechen für sich: Higuaín längst Weltklasse!

Name: Gonzalo Gerardo Higuaín, Größe: 184 cm, Verein: Real Madrid, Beruf: Torjäger! 59 Tore hat er in 110 Spielen für die Madrilenen erzielt. Diese Quote wird nur von der Tatsache getoppt, dass 50 dieser Treffer in den vergangenen zwei Spielzeiten fielen: 08/09 waren es 23, 09/10 ganze 27 Buden auf dem Konto des Rechtsfußes. Während er seinen Killerinstinkt auf europäischer Bühne, wo er im letzten Jahr nur zwei Mal traf, beide Male beim 5:2 gegen Zürich, noch nicht unter Beweis stellen konnte, klingelte es hingegen bei der Weltmeisterschaft. Nicht nur Europa, nein, Afrika und die ganze Welt musste n sich den Namen „Higuaín“ wohl oder übel merken, als der gebürtige Franzose in seinem ersten großen Nationalmannschaftsturnier ganze vier Mal traf und sich die imaginäre Silbermedaille dieses Wettbewerbes abholte. Oft genug ließ er die „Blancos“ weiterträumen, hielt sie durch Last Minute-Treffer und Doppelpacks, Hattricks und sogar Viererpacks – wie beim 4:3-Sieg gegen Málaga – am Leben und sorgte seit dem Sommer 2008 für 50 befreite Jubel der Anhänger in der Liga. Dabei ist er flexibel und kaltschnäuzig: 34 Prozent seiner Chancen zappelten hinter der Torlinie, das macht 1 von 3 Schussversuchen. Damit lässt er die Konkurrenz wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo hinter sich. Sein Landsmann war der einzige, der im spanischen Fußball-Oberhaus mehr Treffer knipste als Higuaín selbst. Sturmkollege Ronaldo hatte einen Treffer weniger, nämlich 26, wobei seine 16 Prozent Chancenverwertung nochmals die Klasse seines kongenialen Partners unterstreichen. Weltfußballer Messi kam auf „nur“ 25 Prozent, Manchester United-Star Wayne Rooney auf lediglich 20. Weitere Statistiken zeigen ebenfalls, welche Qualität im Fanliebling steckt, denn 4 von 5 Pässen kamen beim Mitspieler an. Auch hier toppt ihn – bis auf Messi – keiner der ligainternen Goalgetter.

Kämpfer, Siegertyp, Torjäger – ‚Pipita‘ auf dem Weg zur Legende

Dabei hatte er es anfangs sehr schwer. Während der 2008 noch das Duo mit Raúl bildete, saß er unter der Regie Pellegrinis zuerst auf der Bank. Statt dem Überflieger sah man den Bankdrücker und Sitznachbarn von Dudek, Mahamdou Diarra und Co. Neuzugang Karim Benzema machte ihm das Leben schwer und war am Anfang noch berechtigt in der Startformation des Starensembles, denn der 35-Millionen-Mann hinterließ nach einer tollen Saisonvorbereitung große Augen und pochende Herzen. Doch das Drama rund um den Lyonnais begann mit dem 1. Spieltag der neuen Primera Division-Runde: Vergebene Möglichkeiten, zerstörte Kombinationen, Fremdkörpereigenschaften beim Franzosen – ein Retter musste her! Und der kam mit dem Joker „Golazo“. Erst nach dem dritten Tor – alle nach Einwechslung erzielt – bahnte er sich seinen Weg in das Startpersonal des Hauptstadtklubs. Die Stars kamen, das Team wurde qualitativ verstärkt wie wohl noch nie in einer Transferphase, das Offensivspektakel schäumte über vor internationalen Stars. Und dennoch ist es Kampfgeist, der einen wieder in die Herzen der Fans und in die taktische Einrichtung des Coaches bringen. Jetzt, wo Raúl und Guti den Verein zum Ende ihrer Karriere verließen, verkörpert wohl – bis auf die beiden Kapitäne Casillas und Ramos – keiner so die Werte des glamorösesten Klubs Europas so sehr, wie der mannschaftsinterne Torschützenkönig: Kampfgeist, Siegeswille, Erfolgshunger, Hoffnung bis zum letzten Moment. Und trotz seiner immensen Leistungen im weißen Trikot bleib er stets auf dem Boden und gab sich bescheiden. Der Proll in ihm, falls er existiert, kam nie zum Vorschein. Seine mögliche Nummer 9 „ist nicht wichtig. Eigene Leistungen und der Erfolg des Vereins stehen ganz klar über dem“. Dennoch, nach dem Doppelstreich gegen Beckham-Arbeitgeber Los Angeles Galaxy hat er seine persönlichen Ziele zum ersten Mal richtig hoch gesteckt und bekannt gegeben. Vor ein paar Tagen war die Devise mit den Kollegen klar: „Unser Ziel ist es, alle drei Titel zu gewinnen!“, so der Südamerikaner damals. Nun stapelt er noch höher, denn sein Wunsch ist es, der beste Torjäger des ganzen Landes zu werden! „Ich will den ‚Pichichi‘! Mit meinen bisherigen Leistungen bin ich sehr zufrieden, aber es wird Zeit, das alles zu krönen!“, sagte er der Konkurrenz nach der zweiten Vorbereitungspartie den Kampf an.

Realmadrid.de wünscht der ,Nummer 20' natürlich maximalen Erfolg auf dem Weg zur Weltspitze und hofft, dass er in Madrid noch einige Titel - sowohl individuell, als auch mit dem Team - feiern wird.

geschrieben von Thomas Kellermann

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