01.11.2011, 16:39
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Reportagen

„Was immer auch passieren wird, meinen Prinzipien bleibe ich treu“

Ein Provokateur, der Zerstörer des spanischen Fußballes, der Mann, der für den Erfolg über Leichen geht – Starcoach José Mourinho ist wahrlich kein Freund der Medienwelt. In Interviews nimmt er kein Blatt vor den Mund, bezeichnet Reporter als Heuchler und ist gern mal das exemplarische Opfer seitens der UEFA. Fakt ist: Der Portugiese wirkt von Außen her kühl, distanziert und berechnend, doch wer sich nur auch kurz die Mühe gibt hinter den Vorhang zu schauen, realisiert schon bald, dass dieser Charakterzug nur die eine Seite der Medaille ist. In einer bewegenden Dokumentation, über die wichtigsten Stationen des jetzigen Real-Trainers, wird der wahre Mensch Mourinho beleuchtet und ein Einblick gewährt, weshalb nur er „the Special One“ sein kann.

„Was immer auch passieren wird, meinen Prinzipien bleibe ich treu“

Mourinho, ein lebensfroher Mensch - Foto: Helios de la Rubia, Realmadrid.com

Hinter der Maskerade – „Vor wichtigen Spielen kann ich nie schlafen“

MADRID. Endlich ein wenig hinter die Kulissen blicken können – dank der italienischen Dokumentation „José Mourinho, der beste Trainer der Welt“, der vom Sender für das mailändische Sportfilm-Festival produziert wurde, erhält jeder Anhänger des „Special One“ einen einmaligen Einblick in José Mourinhos Gedanken- und Gefühlswelt. Dort nimmt der 48-Jährige Stellung zu den emotionalsten Momenten in seiner bisherigen Trainerkarriere, den vielen Höhen und Tiefen oder Wendepunkten. All die Erfolge, sowie seine Beharrlichkeit und Nervenstärke beruhen auf einer einzigen Tatsache: seiner Prinzipientreue: „Viel wichtiger, als die vergangen 10 Jahre, ist die Zukunft. Ob ich sechs Meisterschaften in den kommenden 10 Jahren gewinnen werde? Ich weiß es nicht. Ob ich noch zwei Champions League Titel holen kann? Ich weiß es nicht. Es wäre dumm, hier eine konkrete Zahl anzugeben. Was ich aber sagen kann, ist die Tatsache, dass meine Prinzipien, die mich schon immer begleitet haben, auch in den kommenden 10 Jahren wegweisend sein werden.“

Zum Nachlesen : Externer LinkBallon d'Or 2011: Mourinho vor Titelverteidigung

Ein wenig Flüstern, Anweisungen geben, Kaugummi kauen und Notizen machen – wenn man einen José Mourinho so auf der Bank während eines wichtigen Spieles verfolgt, wirkt alles geplant, einstudiert und jeder Spielzug bestens durchdacht, doch auch ein erfolgsverwöhnter Mann, wie dem zweifachen Champions League Sieger, kann erstaunlicherweise mal gerne Opfer des Lampenfiebers werden. „Vor den ganz großen Spielen kann ich nicht schlafen. Wie zum Beispiel in den Halbfinals und Finals, als ich mit Inter die Champions League gewonnen habe. Ich erinnere mich daran, wie ich am Vorabend die ganze Nacht durch Videos des Gegners analysiert habe. Ich hab in Mailand gelebt, meine Familie war auch dort und ich hatte die Chance mit zwei verschiedenen Teams die Champions League zu gewinnen das war für Inter ein großer Traum. Ich erinnere mich an sehr viele Momente dieses Endspiels, aber im Bernabéu den Titel zu holen und danach dort zu trainieren, ist eine ziemlich gute Story“, so das außergewöhnliche Statement des Chefs an der Seitenline.

Zanetti: „Bei seinem Abschied mussten wir weinen“

Doch selbstverständlich kam nicht nur „Mou“ zu Wort, sondern auch seine langjährigen Weggefährten, Freunde oder Schützlinge aus seinen ehemaligen Vereinen. Egal ob Ronaldo, Pérez , Lampard oder Maradona, sie alle bringen die gleiche Message rüber und zerstören das von den Medien erschaffene Bad Boy Image: „Mourinho ist ein wundervoller Mensch.“ So erinnert sich ein Frank Lampard nur allzu gern an die Zeit mit ihm an der Stamford Bridge und gab ganz klar zu verstehen, dass er es ohne den Portugiesen nie an die Weltspitze geschafft hätte: „Ich war noch sehr jung und hatte noch keine Ahnung von meinen Potenzial. Mourinho sagte mir, dass ich der beste Mittelfeldspieler der Welt sei und das, während ich in der Dusche stand! Ich fühlte mich sehr geehrt.“ Dass „the Special One“ alles für den Erfolg gibt und auch von seinen Spielern alles verlangt, ist nichts Neues, doch wenn es um die wesentlichen Dinge im Leben geht, zeigt sich sein wahres Gesicht: Als mein Vater gestorben ist, sagte er mir: Komm einfach erst dann zurück, wenn du dich dafür bereit fühlst“, so Paulo Ferreira, Spieler von Chelsea.

Keine Frage, der Coach findet für jeden Moment die richtigen Worte, so kann er, wenn es mal nicht so läuft, wie er es gern hätte, auch ziemlich laut werden und somit das letzte aus jedem einzelnen Spieler herausholen: „In der Halbzeitpause hat er uns alles Mögliche an den Kopf geworfen, unter anderem das wir ein Team seien, das niemals etwas gewinnen könnte. Er konnte bei uns eine Reaktion hervorrufen und wir gewannen schlussendlich gegen Dynamo“, so Diego Milito über ein Spiel in der Champions League gegen Dynamo Kiew, als man mit Inter zur Halbzeitpause mit 0:1 im Rückstand lag. Zum Abschluss des Filmes kam dann auch noch Inters Zanetti zu Wort, der Mourinhos Abschied niemals vergessen wird und dem Coach einiges verdankt – ein weiteres Indiz, wie großartig der Mensch hinter der Fassade eigentlich ist. „Das Emotionalste war, als wir uns nach dem gewonnenen Finale im Bernabéu umarmt hatten. Wir mussten beide weinen. Wir wussten, dass er zu Madrid wechseln wird, doch wir warteten 15 Jahre auf diesen Sieg. Das Team hat Mourinho immer die passende Antwort gegeben, doch viel wichtiger als der Fussball, war der Mensch dahinter.“

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geschrieben von Gian Dominguez

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