04.09.2011, 12:01
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„Wenn ich ein Deserteur bin, dann ist Paulo Bento ein Söldner“

Im fußballverrückten Portugal ist es das Thema schlechthin, die Fehde zwischen dem verdienten und erfahrenen Ricardo Carvalho und dem Nationaltrainer Paulo Bento. Je mehr Tage ins Land gehen, desto mehr Details kommen ans Licht, die Hintergründe werden offen gelegt. Während der portugiesische Verband im Falle Carvalho bis zum Äußersten gehen will, offenbarte der Protagonist gegenüber der „RTP“ ausführlich seine Beweggründe.

„Wenn ich ein Deserteur bin, dann ist Paulo Bento ein Söldner“

Ein nachdenklicher Carvalho - Foto: David R. Anchuelo, Realmadrid.com

„Ich war total geladen, ich hatte keinen kühlen Kopf“

MADRID. Ungehalten, erbost und mit null Verständnis reagierte Paulo Bento auch 24 Stunden nach der Flucht Carvalhos auf dessen Aktion, öffentlich beschimpfte er ihn als „Deserteur“ und klagte ihn des „Landesverrates“ an. Doch nicht nur dem verantwortlichen Trainer stieg die Zornesröte ins Gesicht, auch der Verband schäumte vor Wut und will dem 33-Jährigen das Leben nun so schwer wie möglich machen. Laut FIFA-Statuten hätte der Verband die Möglichkeit den UEFA Kontrollausschuss anzurufen, um eine Strafe auch für Wettbewerbe wie z.B. der Champions League zu erwirken. Bestraft soll er werden und die Konsequenzen tragen und zwar dort, wo es einem Profi in Madrid besonders weh tut, auf internationalem Parket. Unverhofft kommt oft, so eilte ausgerechnet Bento dem Spieler zu Hilfe und versicherte, dass er dem Verband von diesem Schritt abrate. Die Prüfung steht noch aus, noch ist nichts entschieden.

Lies dazu: Externer LinkAlle Hintergründe zum Eklat um Carvalho

Währenddessen wagte sich der gekränkte Carvalho aus dem Unterschlupf und kommentierte seine Aktion gegenüber der portugiesischen „RTP“. Die Flucht sei einer seiner „größten Fehler“ gewesen, doch er habe seine Gründe dafür gehabt – auch wenn es eine Kurzschlussaktion war. Dabei versuchte er klar zwischen der Mannschaft und dem Trainer zu unterscheiden, denn einzig der Coach sei das Problem.

„Ich war total geladen. Ich kam vom Training, habe dort gemerkt, dass man mich nicht mehr braucht und dieser Umgang hat mich dazu gebracht, dass ich meinen Rucksack packte und ins Auto stieg. Mein größter Fehler war, dass ich mit niemanden darüber redete, mir ist das in diesem Moment einfach nicht eingefallen. Es war keine Entscheidung, die ich mit kühlem Kopf traf“, so der Innenverteidiger.

„Ich spiele wegen der Liebe, er arbeitet wegen dem Geld“

Doch was war denn nun im Training passiert, was den sonst so ruhigen Carvalho zum explodieren brachte? Ausgerechnet Kumpel und Teamkollege Pepe war der Auslöser, doch die Schuld trage der Trainer, nicht Pepe. „Ich habe die ganze Zeit mit trainiert, war mir für keine Einheit zu schade und dann kommt Pepe, der nicht an den Trainings teilnahm und sofort konnte er mit der ersten Elf mit trainieren und ich musste zur zweiten. Es ist nichts gegen Pepe, wir spielen ja auch super in Madrid zusammen, aber auf so eine Art und Weise behandelt zu werden, das ist unfassbar. Auch als die Nationalmannschaft Probleme hatte, bin ich immer da geblieben und habe alles gegeben, andere Routiniers haben hier schon längst abgedankt. Ich habe für mein Land die Knochen hingehalten und habe nie dafür irgendetwas eingefordert und das ist nun der Dank dafür?“

Doch ging er mit dem Übungsleiter noch härter ins Gericht, wenn dieser zu einer martialischen Ausdrucksweise greife, dann kann er auch damit erwidern. Dazu versicherte er abschließend, dass er aus Madrid und von Mourinho volle Rückendeckung erhält. „Er nennt mich einen Deserteur? Wenn er mich so nennt, dann ist er ein Söldner. Wenn man in den Krieg zieht und dafür Geld bekommt und nicht wegen der Liebe zum Vaterland dies auf sich nimmt, dann ist man ein Söldner. Ich spiele, weil ich mein Land liebe und er, weil er dafür Geld bekommt.  Ich habe mit vielen Leuten in Madrid und Mourinho gesprochen, die meine Entscheidung akzeptieren und mich unterstützen, das ist für mich wichtig.“

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geschrieben von Tobias A. Hellmann

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